Die schlimmste Not lindern

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Das Kleiderkammer-Team kümmert sich um Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: Bangert
 
Eva Broll weiß ganz genau, was dringend gebraucht wird: „Wir benötigen Erstlings-Ausstattungen!“ Foto: Bangert

Es brummt in der Kleiderkammer der Erstaufnahme-Einrichtung in Fischlaken



In der Kleiderkammer der Fischlaker Erstaufnahmeeinrichtung brummt es. Die Flüchtlinge werden in kleinen Gruppen hereingeführt, mit ein paar Brocken Englisch, einem übersetzenden Sozialbetreuer oder einem stummen Fingerzeig wird verhandelt, was gebraucht wird.

Gebraucht wird viel. Sehr viel. Die rund 800 Plätze sind gut belegt, eine höchstens siebentägige Verweildauer bringt häufigen Wechsel, der Bedarf an Kleidung ist also enorm. Absolute Renner sind Wintersachen, Sporthosen und vor allem Sportschuhe. Aber auch Kinderwagen. Viele Neugeborene kommen in Fischlaken an, denn auf der Flucht werden Frauen ungewollt schwanger. Eva Broll weiß ganz genau, was dringend gebraucht wird: „Wir benötigen Erstlings-Ausstattungen, nun natürlich alles gegen die Kälte, gerade Mützen gehen weg wie warme Semmeln.“ Ein Besuch in der Kleiderkammer deckt schnell auf, wo hier die Chancen und die Risiken liegen. Den Freiwilligen Eva Broll, Ulla Dressler, Christiane Scheidtmann und Klaus Schräder spürt man an, wie sehr ihnen bei aller Zuwendung und praktizierter Nächstenliebe nur zu rasch klar wurde, welche bittere Not herrscht. Als Koordinatorin der ehrenamtlichen Kräfte hat Sarah Cramer vom Betreiber European Homecare rund 70 „Schäfchen“ in ihrem Team, allesamt höchst engagierte Mitmenschen, die freie Zeit für Flüchtlinge opfern. Ehrenamtliches Engagement ist in der EAE gefragt und gern gesehen. Dabei sind es nicht nur die Ehrenamtlichen von „Werden hilft“, die unersetzliche Arbeit leisten. Nein, auch einzeln auftretende Freiwillige können sich bei Sarah Cramer unter cramer@eu-homecare.com melden: „Ich lade dann ein zu einem lockeren Gespräch, wo wir abklopfen, was gewünscht, was möglich ist.“ Auch im weiteren Verlauf einer möglichen ehrenamtlichen Tätigkeit achtet Cramer darauf, dass sich keiner überfordert fühlen muss.

Oft ist es nur ein Lächeln

Zwar sind zwischenmenschliche Kontakte im hektischen Betrieb der Kleiderkammer kurz, oft ist es nur ein Lächeln, ein sanftes Kopfnicken. Doch solche kleinen Momente sind dann umso wertvoller. Wenn der junge Flüchtling aus Afrika sich vorm Spiegel scheckig lacht, wie seine sorgfältig gestylte Trendfrisur von der Pudelmütze konterkariert wird, ist das einfach ansteckend lustig. Ein Kurde dankt in Namen seiner Familie, die Ehrenamtlichen verstehen und strahlen. Die allermeisten der Flüchtlinge wissen genau, was sie erwartet: Getragene Kleidung, nicht mehr ganz taufrisch, aber noch völlig in Ordnung. Überreicht von Menschen, die sich für sie „krummlegen“, um wenigstens die schlimmste Not zu lindern. Dass auch „Kundschaft“ dabei ist, die fordernd wird, die angebotene Kleidung rundweg ablehnt, weil sie nicht modern genug ist? Geschenkt. Vorrätig sind eben halt nur die Sachen, die bei Sammelaktionen von „Werden hilft“ so angeschleppt wurden. Ulla Dressler könnte sich manchmal aufregen: „Es waren doch tatsächlich Sachen dabei, die man keinem mehr anbieten konnte. Ich sage immer, nur das spenden, was man selbst noch anziehen würde!“

Immer mehr Familien kommen

Einrichtungsleiter Jan-Christoph Schaberick von der Bezirksregierung Düsseldorf kann ein durchweg positives Zwischenfazit ziehen: „Die hier möglichen räumlichen Trennungen entspannen die Situation ungemein.“ Es gibt Häuser für die allein reisenden Männer, Familienhäuser, in den reinen Frauenhäusern sind die Türen sogar von innen verschließbar. Im Gewaltschutzkonzept ist vorgesehen, verschiedene Ethnien räumlich zu separieren, so Schaberick: „Damit sind wir gut gefahren. Wir haben hier eine bunte Mischung, unsere Bewohner kommen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Eritrea und Guinea. Auch die idyllisch-ruhige Stimmung hier in Fischlaken trägt dazu bei, dass es bisher absolut friedlich blieb.“
Mittlerweile stellen die Verantwortlichen fest, dass immer mehr Familien kommen: „Die Zahl der allein reisenden Männer hat stark abgenommen.“ Sarah Cramer kann dies nur bestätigen. Für die Kinder gibt es ein eigenes Haus mit Betreuung, hier sind hauptamtliche Erzieherinnen eingesetzt, die Kita ist gut eingerichtet mit Bastel- und Malsachen, Spielzeug, besonders beliebt sind Puzzles.“ Das Freizeitangebot ist vielgestaltig, so gibt es kontinuierliche Angebote wie einen Frauenraum mit Leseecke und Fernseher, hier findet samstags das Frauencafé statt. Dienstagsabends und am Wochenende finden Deutschkurse statt. Hier können erste Worte gelernt werden, Sarah Cramer lächelt: „Guten Tag und Dankeschön und so weiter...“ Auch Aktionen wie etwa ein Tischtennis-Turnier oder das Überreichen von Geschenk-Paketen an die Kinder lockern den Alltag auf.

Spendensammlung am 6. November

Das Kleiderkammer-Team besteht aus etwa 20 Ehrenamtlichen und freut sich immer über Helfer, die mit anpacken möchten. Interessierte können sich direkt bei der Mareike Limper melden, die unter mareike@maxlimper.de zu erreichen ist. Am Sonntag, 6. November, findet die nächste Sammelaktion statt. „Werden hilft“ bittet um alltagstaugliche und zeitgemäße Herbst- und Winterbekleidung. Gesucht werden Herrenoberbekleidung Größe 164 – M, Kinderoberbekleidung Größe 80 – 172, Sport- und Winterschuhe, Socken, Hausschuhe und Schlappen in allen Größen, Kinderwagen, Buggys, Rucksäcke und Handtaschen.
Gesammelt wird am Sonntag, 6. November, von 11 bis 14 Uhr im Großen Saal der Jona-Gemeinde, Heidhauser Straße 64.
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