Da sprang der Funke über! Erste Sitzung der Schwanenfunker zeigte: Sie sind die Meister der Satire

Verzauberte das Publikum: Der Klever Narr Michael Rübo. Foto: Markus Decker
  • Verzauberte das Publikum: Der Klever Narr Michael Rübo. Foto: Markus Decker
  • hochgeladen von Silvia Decker

Wenn die Schwanenfunker einladen, dann strömen sie alle in die Stadthalle von nah und fern. Denn es ist klar: „Wej funke met Humor en Freud´“ Wunderbar geschmückt in rot und in weiß war die Stadthalle die richtige Kulisse für die vielen verkleideten Jecken, die nur zu gerne das Programm der Schwanenfunker bestaunten.

Kleve. Wunderbar umjubelt fing es sogleich mit dem Einzug des Elferrates an, der mächtigen Applaus bekam.
Nach einer Runde munterem Einschunkeln, begrüßte Präsident Walter Heicks das Publikum. Heicks betonte: „Wir sind alle eine große Funkerfamilie und freuen uns auf „Fastelovend zonder grenze“. Auch wenn besonders bei den Amis nicht alles grenzenlos ist, sind wir Schwanenfunker stolz auf die grenzenlose Satire, die Sie heute erwarten können.“

Präsident führte gekonnt durch den Abend

Das Büttenprogramm startete sodann zünftig mit dem Urgestein und Klever Narr Michael Rübo. Der nahm erwartungsgemäß überhaupt kein Blatt vor den Mund. Rübo verdeutlichte direkt, wieviel Schreckliches derzeit in der Welt passiert. Erst wurde für teures Geld ein Tunnel unter dem Kanal gebaut, jetzt sind die Engländer dank Brexit bald nicht mehr in der EU. Der Narr meinte dazu: „Jetzt sollen sie‘s auch alleine schaffen, für mich sind das jetzt die Inselaffen.“ Daraufhin bekamen natürlich auch die Staatsoberhäupter ihr Fett weg. „Erdogan stellt die Demokratie an die Wand, und Europa frisst ihm aus der Hand“. Und auch zum neuen Präsidenten Trump hielt sich Rübo nicht zurück. „Trump: für mich wird der Hamster zum Gruselclown.“ Die eigene Meinung mutig hinaussagen, dazu plädiert der Klever Narr. Außerdem animiert er dazu, immer wählen zu gehen. „Der Bürger muss sein Wahlrecht nutzen, denn Wählen ist wie das Zähneputzen, wenn man es nicht macht, wird es braun.“ Und auch mit der noch immer währenden alten Rivalität zwischen Goch und Kleve spielte Rübo gekonnt. „Da Goch außer Wasser scheinbar nichts hat, bleibt es für Kleve die verbotene Stadt“. Was hatte dieser Anfang es in sich! Das befand auch Heicks, der Rübo für seine ehrliche und authentische Art sehr dankte.
Ein tolles Heimspiel gab es danach für Prinz Andreas und die Funkerschwänchen. Kein Wunder dass Heicks, der übrigens überaus souverän durch den Abend moderierte, seine Freude und seinen Stolz zum Ausdruck brachte, wieder einen Klever Prinzen aus den Reihen der Schwanenfunker zu stellen. Obwohl ein bisschen kränklich zeigte Prinz Andreas, dass er auch zu Hause mächtig gut feiern kann. Denn er sei nunmal Funker mit Leib und Seele und verdrückte klammheimlich sogar ein Freuendtränchen (oder gar ein Tränchen der Rührung?!). Natürlich standen die Narren im sehr gut besuchten Saal Kopf und sangen lauthals nicht nur das Prinzenlied mit! Besonders schön: Auf allen Tischen hatte man Landesfähnchen aus aller Herren Länder verteilt, mit dem die Jecken dem Prinzen jubelnd ihre Aufwartung machten und so wurde auch das Motto gekonnt in Szene gesetzt.
Turbulent zu ging es nach dem Auszug von Prinz Andreas. Denn Gisela Grunnenberg kam mit Bauchladen laut polternd in den Saal. Damit war auch klar, wer in diesem Jahr der schon traditionelle Überraschungsgast der Sitzung ist. Zu viel werden wir an dieser Stelle mit Blick auf die nächste Sitzung nicht verraten, nur soviel: Trudchen war völlig verstört, weil sie eigentlich im Klever Tischelpark ihre Waren feilboten wollte.
Und auch André Budde, erster Vorsitzender der Schwanenfunker erklärte: „Wir Schwanenfunker legen viel Wert auf die Pflege des Klever Brauchtums, der Kultur und der Mundart.“ Dementsprechend viel Applaus gab es auch für Trudchen, die hauptberuflich eine Mitarbeiterin in einer Filiale bei Heicks ist und auch schon auf diversen privaten Feiern ihr Können unter Beweis stellte. Und auch Heicks selber betonte: „Ich glaube es ist nicht das letzte Mal, dass du bei uns zu Gast warst. Dein Platt, deine Mundart war einfach klasse, ich glaube das Publikum mag dich!“
Eine Augenweide war danach der Tanz der Funkerschwänchen, die gekonnt die Hüften und Beine schwangen und sogar in die Luft sprangen, nur um direkt im Spagat zu landen.
Besonders junge Themen wie den Führerschein mit 17 sprach sich danach Noah Sievernich in der Bütt von der Seele. Die Lacher auf seiner Seite hatte er nicht nur beim Mutter-Vater-Sohn-Autofahr-Konflikt, sondern auch mit der Aussage zu Trump: „Mit der ersten Amtshandlung wirft der erstmal ne schwarze Familie aus dem weißen Haus.“
Typisch chaotisch weiter ging es sodann mit den Chaoten, die passend zu 775 Jahren Kleve die Lohengrin-Saga wiederaufleben ließen. Mit Lohengrin, der von einem Schwan gezogen wurde (Hut ab vor der Kettcar-Schwan-Konstruktion), dem Versuch den Rheingoldschatz zu angeln „um etwas für die leere Stadtkasse zu tun“ und der schönen Elsa, die allerdings irgendwie wie ein mürrischer alter Mann rumstänkerte und sich später als Narr Rübo enttarnte, hatte man das Thema modern verpackt. Auch Herbert Krauen, der mittlerweile 35 Jahre mit dabei ist, spielte den Lohengrin mehr als köstlich.
Danach nahm sich Bernd Thiele bei seiner Bütt auch mächtig aufs Korn. „Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, muss ich sagen, meine Frau muss mich sehr lieben. Und schlimmer noch: wenn ich ihn frage: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Schönste im ganzen Land, dann schweigt er!“ Klar, waren da die Lacher auf Bernds Seite!
In die Welt der Berge und des Winters nahm der Funkerchor das Publikum mit. Eingepackt in dicke Schneeanzüge mit Skiern und Snowboards bekamen auch Bürgermeisterin Sonja Northing und die dunkle Rathausfassade ihr Fett weg. Denn die Männer sangen aus vollen Kehlen auf die Melodie von Heidi: Sonja, Sonja, deine Welt ist das Kleve, schwarzes Rathaus, graue Fenster kein Sonnenschein, Sonja, Sonja, kannst du dort glücklich sein?“ Einen gekonnten gesanglichen Rundumschlag gab es dabei vom Funkerchor. Ob Klever Hallenbad „die Klever lieben das Schwimmen“, dem Minoritenplatz, Sontowski „Skandal in Kleve“ und zum Hundertwasserhaus: „Und draußen vor der großen Stadt, stehn die Investoren sich die Füße platt!“ Ein Feuerwerk nicht nur für die Augen, sondern auch für die Ohren.
Nach einer kleinen Stärkung in der Pause ging es actionreich weiter mit der Parcourgruppe „grenzenlos“. Die 15 bis 17-jährigen Jungs zeigten waghalsige Sprünge, Überschläge und transportierten auch noch die Botschaft, dass man sich gerade in der Grenzregion mit den Nachbarländern doch verstehen sollte!
Richtig begeistert war das Publikum vom Büdchen, dem während der Vorstellung als Test eine Hunderwasserhausfassade vorgesetzt wurde. Gebrüllt vor Lachen wurde bei dem Vorschlag das Hundertwasserhaus doch auf dem Minoritenplatz zu erbauen. Richtig begeistert waren alle auch von den, in die Nummer integrierten fünf Kindern der Platt AG der Karl-Kisters-Realschule. Sie sagten fehlerfrei einige Sätze auf Platt und brachten das Publikum dadurch zum Staunen.
Dann ging es für Bauer Michael, Michael Hövelmann, in die Bütt. Der nahm die Hauer und Schneppenbaumer aufs Korn, indem er von einer Bibelverkaufsaktion erzählte. „Der Jung in Hau hatte sieben Bibeln verkauft, der in Schneppenbaum 27. Da habe ich ihn gefragt wie er das gemacht hat. Antwort: ‚Ich bin ein Stotterer und habe alle gefragt: Willst du die Bibel kaufen, oder soll ich sie dir vorlesen?‘

Funkerchor sorgte für mächtig Stimmung

Musikalisches vom Feinsten gab es danach zur Auflockerung von den Funker Twens. Die Texte der neuesten Charthits z. B. „Ich und mein Holz“ hatten sie umgedichtet- einfach köstlich. Auch für den Thermomix-Song gab es einige neue Zeilen, eben passend zur Erweiterung: Der Chor geht mit der Zeit. Auch zu 775 Jahre Stadt Kleve durfte ein Song nicht fehlen und wieder einmal wunderte man sich über die klasse Stimmen der Sänger auf der Bühne. Hut ab vor so viel Mut, vor der voll gefüllten Stadthalle zu singen!
Die Lachmuskeln wurden danach mit der Bütt von Wilhelm Lievertz nochmal ordentlich angestrengt, der unter anderem erneut die Bürgermeisterin auf die Schippe nahm. Lievertz, der ebenfalls ein Karnevalsurgestein ist, lieferte ganz schön ab und die Narren dankten es mit viel Applaus.
Auf eine weite Reise begaben sich dann die Funkerschwänchen mit der Airline Grenzenlos. Sie bereisten bei ihrem Showtanz als Stewardessen Schottland, Holland, Schweden und Moskau und zauberten grandiose Bilder und Hebefiguren.
Klar, gab es danach als Belohnung einen süßen Bären für die Damen zum Kuscheln.
Bei original Kleefse Liedern lagen sich die Narren schließlich beim Finale gemeinsam in den Armen und befanden: Dieser Abend bleibt unvergessen!

Alle Fotos von der Veranstaltung findet man hier

Autor:

Silvia Decker aus Emmerich am Rhein

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