Die Liebe führte Amanda Gabel nach Lünen

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Amanda Gabel auf der Brücke an der Graf-Adolf-Straße. Sie soll demnächst Salford-Brücke heißen. Das freut die Engländerin, die in der Lüner Partnerstadt geboren wurde. (Foto: pra)
 
Amanda Gabel wurde in Salford geboren und wuchs in Manchester auf. Heute ist sie in Lünen zuhause. (Foto: pra)

Den berühmten „Englishman in New York“ von Sting kennt jeder, doch so weit in die Ferne muss man gar nicht schweifen, um einen waschechten Engländer bzw. eine Engländerin zu treffen. Amanda Gabel, geboren in Salford, lebt seit 1995 in Brambauer. „Schuld“ daran ist – wie so oft – die Liebe.

„Ich lernte im Urlaub auf Gran Canaria meinen heutigen Mann Michael kennen“, erzählt Amanda Gabel. Sie war damals 28. Und Michael aus Lünen der Richtige. Es ging alles ganz schnell. Zunächst ein Jahr probeweise in Deutschland gewohnt, dann der Heiratsantrag und aus Amanda Hall wurde Amanda Gabel. „Ich konnte kein Deutsch. Nur ein wenig aus der Schule. ‚Die Lampe ist kaputt‘ und solche Sachen“, erinnert sie sich und lacht dabei. In England hatte sie einen Sprachkurs belegt, aber die Praxis in Deutschland sah ganz anders aus. „Als ich hier Brötchen kaufen wollte, hatte ich die Antworten, die ich brauchte, natürlich nicht auf meinem Zettel.“

Heute spricht sie sehr gut Deutsch, auch wenn sie Englisch bevorzugt. Mit ihren beiden Kindern Sarah (19) und Dominic (16), die zweisprachig aufgewachsen sind, unterhält sie sich in ihrer Muttersprache. Auch mit ihrem Mann, der „super“ Englisch spricht, wie sie findet. „Ich habe nie im Leben damit gerechnet, nach Deutschland zu ziehen“, gibt die gebürtige Salforderin zu, die ebenso alt ist wie die Städtepartnerschaft zwischen ihrer Geburtsstadt und ihrer neuen Heimat. Heute kann sich Amanda Gabel nicht mehr vorstellen, nach England zurückzukehren. Erst recht nicht nach dem „Brexit“. Sie ärgert sich sehr über den EU-Austritt ihrer Landsleute und darüber, dass sie beim Referendum nicht mitentscheiden durfte. „Briten, die seit mehr als 15 Jahren im Ausland leben, dürfen nicht wählen“, erklärt sie und findet das höchst undemokratisch.

"Irgendwann hat etwas Klick gemacht"

Amanda Gabel besucht ihre Familie, die in Manchester wohnt, regelmäßig. „Ich finde es schön dort für ein paar Tage, doch dann möchte ich nur noch nach Hause“. Und damit meint sie Lünen. „Ich bin eingedeutscht“, steht für sie fest. Dabei war die erste Zeit hier durchaus nicht einfach. Die Umstellung dauerte rund sieben Jahre, in denen zwei Kulturen gegeneinander kämpften. „Irgendwann hat dann etwas Klick gemacht“, erklärt die Engländerin. Spätestens als die Kinder in den Kindergarten kamen, fühlte sich Amanda Gabel angekommen. „Geholfen hat mir z.B. auch die Sendung „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, erzählt sie schmunzelnd. Wobei Amanda Gabel aber schon findet, dass das britische Fernsehen dem deutschen qualitativ überlegen ist. Sie schaut deshalb z.B. gerne BBC.

"Deutsche Schokolade schmeckt besser"

Was fällt Amanda Gabel sonst noch ein bzw. auf, wenn sie die beiden Kulturen vergleicht? Weihnachten ist natürlich ein Thema. Die ersten Jahre feierten die Gabels wie in England, Bescherung war also am Morgen des 1. Weihnachtstages. Mit den Kindern änderte sich das dann aber. Englisches Frühstück ist dagegen immer noch beliebt, besonders bei Ehemann Michael. Amanda mag gerne Grünkohl und Milka-Schokolade. „Die ist nicht so süß wie die englische.“ Sie findet außerdem, dass es hier sauberer ist, der öffentliche Nahverkehr besser funktioniert und es leichter ist, einen Facharzt aufzusuchen. Beim Fußball schlagen zwei Herzen in ihrer Brust. „Bis die englischen Jungs raus sind, bin ich für sie, danach für das deutsche Team.“ Und im Falle eines gemeinsamen Endspiels? „Dann soll der bessere gewinnen!“

Salford ­‑ Lünen: Amanda Gabel ist mit beiden Städten verbunden. Dass ihr Mann Michael ausgerechnet aus der Partnerstadt ihrer Geburtsstadt kommt, sieht sie als Schicksal an. Es ließ sie Wurzeln in der Fremde schlagen, wie es der „Englishman in New York“ tat. Eine Fremde, die aber schnell zur Heimat wurde.
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1 Kommentar
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Uwe Norra aus Selm | 08.11.2016 | 16:03  
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