Ringlokschuppen: Geschäftsführer Matthias Frense zieht ein halbes Jahr nach dem beinahe Aus ein Fazit

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Ringlokschuppen-Chef Matthias Frense (Mitte) zeigt sich optimistisch. (Foto: Belack)
 
Einen Grund zu Feiern und positiv in die Zukunft zu blicken hat nach Ansicht von Geschäftsführer Matthias Frense die Crew des Ringlokschuppens. (Foto: Belack)
 
Rund 5.000 Besucher tummelten sich während des Impulse-Festivals am Ringlokschuppen. (Foto: Belack)
Mülheim an der Ruhr: Ringlokschuppen |

Im Dezember noch musste Matthias Frense als frisch bestallter alleiniger Geschäftsführer noch um das sichere Fortbestehen des Ringlokschuppens fürchten. Nun, ein gutes halbes Jahr und zwei Festivals später, da kann sich Frense schon wieder als erfolgreicher Gastgeber präsentieren. Doch wie sieht es im Ringlokschuppen wirklich aus. Darüber plauderte er mit der Mülheimer Woche.



Was war Ihr persönliches Highlight nach zwei Wochen Impulse-Festival?
Matthias Frense
: „Mich hat die diesjährige Ausgabe des Festivals in seiner Gesamtheit überzeugt. Es hat großen Spaß gemacht zu sehen, wie das zeitgenössische Theater die Fragen nach unserer gesellschaftlichen Zukunft auf so intelligente Weise verhandeln kann und sich gleichzeitig extrem lustvoll und unterhaltsam präsentiert. Die vielen Gespräche mit Besuchern und Künstlern, die sich innerhalb dieser tollen Festivalatmosphäre ergeben haben, waren genau das Umfeld, das man sich wünscht.“

Knapp 5.000 Zuschauer bevölkerten den Ringlokschuppen in dieser Zeit. Wie sehr kann der Ringlokschuppen davon über das Festival hinaus profitieren?
„Wir haben in den vergangenen Jahren viel von den Impulsen profitiert und werden das sicher auch in Zukunft tun. Das Festival feiert die herausragenden Arbeiten, die in den unterschiedlichen Theaterproduktionshäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden sind und präsentiert sie den Zuschauern gewissermaßen in geballter Form. Auf diese Weise kann das Publikum sehr viel über die Themen, die Theaterschaffende umtreiben, erfahren, aber auch über die Art und Weise wie die Arbeit entsteht. Wir haben etliche Besucher wieder getroffen, die sich in unseren offenen Diskussionsrunden noch sehr kritisch gegenüber unserem Programm äußerten und die jetzt sagen: „Wir wissen jetzt viel besser, worum es Euch geht und werden wieder kommen.“ Die Tatsache, dass wir mit vier Künstlergruppen (andcompany@Co., Gintersdorfer&Klaßen, Gob Squad, Chris Kondek & Christiane Kühl), die hier vertreten waren, langfristige Arbeitsbeziehungen pflegen, unterstreicht auch, welche Position sich das Haus in dieser Szene in den vergangenen Jahren erarbeitet hat.“

„Das Haus hat sich in der Freien Szene mehr als etabliert.“ Matthias Frense, Leiter Ringlokschuppen


Inwieweit wirkt das Festival noch nach?
„Gemeinsam mit dem Festival, Urbane Künste Ruhr“ und der Kunststiftung NRW hat der Ringlokschuppen zwei neue Orte geschaffen, die Mülheim langfristig erhalten bleiben werden. In der ‚DeZentrale‘ an der Leineweberstraße haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mülheim, der Familie Mengede und vielen Helferinnen und Helfern die ‚Silent University“ eröffnet. Das ist ein Ort, in dem Geflüchtete und Asylsuchende ihr brachliegendes Wissen zur Sprache bringen und austauschen können. Hier sollen Menschen, die sich im Ausnahmezustand befinden, ausdrücklich in ihren Kompetenzen erkannt und nicht nach etwaigen Defiziten beurteilt werden. Und aus dem Festivalzentrum ist das ‚Heidi Hoh‘ geworden, ein neuer öffentlicher Ort der Begegnung mit Biergarten, der ab sofort von Donnerstag bis Sonntag verlässlich geöffnet ist und ein kleines gastronomisches Angebot vorhält.“

Es ist gar nicht so lange her, da mussten wir über eine immense Deckungslücke bei den Finanzen und großen Personaleinsparungen sprechen. Wo steht der Ringlokschuppen aktuell, ein gutes halbes Jahr später?
„Es steht außer Frage, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten sehr hart am Wind segeln mussten, aber wir nehmen Kurs auf. Wenn ich mir den Kreis der Kolleginnen und Kollegen ansehe, dann kann ich mir kein besseres Team vorstellen, mit dem man sich auf den Weg machen will. Und wir haben ja gerade erst angefangen. Der Ringlokschuppen ist quicklebendig und ich bin fest davon überzeugt, dass das Haus den Menschen in dieser Stadt wieder sehr viel Freude machen wird, dass wir das entgegengebrachte Vertrauen zurück geben können.“

Welche Schritten müssen noch gegangen werden - müssen eventuell noch Mitarbeiter bangen, damit endgültig alle finanziellen Altlasten abgetragen sind?
„Ein weiterer Personalabbau ist nicht vorgesehen und auch gar nicht möglich. Das Team ist im Vergleich zu anderen Theatern mit vergleichbarem Output bereits extrem klein. Wir arbeiten daran, die von uns, Politik und Verwaltung beabsichtigte Rechtsformänderung des Ringlokschuppen Ruhr auf den Weg zu bringen.“

„Die zweite Jahreshälfte ist prall gefüllt mit tollen Arbeiten.“
Matthias Frense, Leiter Ringlokschuppen

Was soll in der zweiten Jahreshälfte das Publikum in den Ringlokschuppen locken?
„Die zweite Jahreshälfte ist prall gefüllt mit tollem Theaterprogramm und vielen Möglichkeiten der Begegnung: Vom sinnlichen Tanztheater einer Maura Morales („Stadt der Blinden“) über die eher technoiden Polymer DMT zu modernen Sprachperformances von copy & waste oder SKART bis hin zu einer Koproduktion mit der Ruhrtriennale oder Gastspielen des Staatstheaters Braunschweig („Mutter Courage und ihre Hunde“ von Marta Górnicka) und der Volksbühne Berlin mit René Polleschs „Keiner findet sich schön“ (mit Fabian Hinrichs). Dazwischen gibt´s viele Gespräche und Diskussionen und ja, natürlich - es wird auch wieder gefeiert werden bei uns…!“

Über das Jahr 2015 hinaus geschaut. Welche Perspektiven hat so ein Zentrum des Freien Theaters inmitten der klassischen Theaterlandschaft in NRW?
„Ich bin sicher, dass Häusern wie dem Ringlokschuppen Ruhr die Zukunft gehört. Für das Theater sind die Lust am Forschen, das Experiment und das ständige In-Fragestellen der eigenen Form elementare Faktoren, die in der Live-Situation zum Tragen kommen. Die Zuschauer können hier die Fragen der Gesellschaft von morgen erleben und sich darüber in bester Atmosphäre auseinander setzen. Unter den vielen Stadttheatern hier in NRW bieten die wenigen Produktionshäuser wie das FFT oder der Ringlokschuppen den Künstlern ja eine ganz besondere Freiheit, ohne große strukturelle Zwänge selbstständig arbeiten zu können.“

Mehr zum Thema:
Mehr über den Ringlokschuppen lesen Sie hier.
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