Grundschule wird Flüchtlingsunterkunft

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Schon seit dem letzten Jahr steigt die Zahl der Flüchtlinge aus den Krisengebieten der Welt rapide an. Alleine innerhalb eines Jahres wird sich die Zahl in Mülheim von 600 auf 1.200 verdoppeln. Nachdem jetzt auch Anfang des Jahres unerwartet ein Flüchtlingsstrom an kosovarischen Flüchtlingen in NRW angekommen war, hat sich die Stadt entschlossen, kurzfristig und auch nur vorübergehend die leer stehende Grundschule am Fünter Weg zu einer Gemeinschaftsunterkunft herzurichten. Hier sollen spätestens bis Ostern die Voraussetzungen geschaffen werden, bis zu 80 Flüchtlinge oder Asylbewerber unterzubringen.

„Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, betont Sozialdezernent Ulrich Ernst. „Bisher hatten wir den Grundsatz, dass wir Flüchtlinge in Wohnungen unterbringen. Wenn wir aber zusätzlich zu den schon eingeplanten 1.200 Flüchtlingen in diesem Jahr noch Asylsuchende aus dem Kosovo aufnehmen müssen, dann schaffen wir das nicht mehr. Deshalb brauchen wir einen Puffer.“

Pläne im Sozialausschuss vorgestellt

Am Donnerstag wurden die Pläne im Sozialausschuss vorgestellt, denn es eilt. „Wir rechnen damit, dass wir in den nächsten Monaten zusätzlich zur prognostizierten Anzahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden aus Krisengebieten wie Syrien und Irak sowie aus Afrika auch noch Asylbewerber aus dem Kosovo bekommen“, erklärt Thomas Konietzka, stellvertretender Leiter des Sozialamtes. Eine echte Herausforderung für die Stadt, die bis Ende dieses Jahres mit 1200 Flüchtlingen gerechnet hat. Nun könnten es noch ein paar hundert mehr werden.

„Auch wenn 99 Prozent der Asylanträge von Kosovaren abgelehnt werden, müssen die Menschen bis zum Ende des Verfahrens erst einmal untergebracht werden“, erklärt Sozialdezernent Ulrich Ernst. Dass sie umsonst kommen, wissen die Menschen aber nicht, da ihnen die Schlepperbanden viel versprechen.

Puffer benötigt für Wohnungssuche

Aufgrund der ständig steigenden Flüchtlingszahlen hatte die Stadt schon geplant, spätestens 2016 Container zu errichten. Standorte werden noch geprüft. „Aber bisher ist es uns wenigstens gelungen, die Menschen in Wohnungen unterzubringen, wenn auch teils sehr geballt wie bei der Siedlung in Styrum. Aber wir brauchen einen Puffer, um einfach mehr Zeit zu haben, Wohnungen für neu ankommende Flüchtlinge zu suchen.“ Deshalb werde mit der Grundschule nun erstmals eine Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet. Über eine zweite werde nachgedacht, die dann aber langfristig zur Verfügung stehen soll.

„Früher haben wir von der Bezirksregierung Arnsberg zwei Wochen vorher Bescheid bekommen, wenn wir neue Asylbewerber oder Flüchtlinge zugewiesen bekommen haben. Inzwischen sind es nur noch zwei bis drei Tage Vorlauf, um womöglich 30 und mehr Menschen ein Dach über den Kopf zu verschaffen“, erklärt Thomas Konietzka.

Schule wird zum Jahresende wieder geräumt

Die Baupläne der Heißener Bauherrengemeinschaft soll die vorübergehende Nutzung der Grundschule aber nicht beeinträchtigen. Das Projekt soll wie geplant im kommenden Jahr realisiert werden, deshalb wird die Schule zum Ende des Jahres wieder geräumt. Wie teuer die Umbaumaßnahmen werden, kann Ulrich Ernst zur Zeit noch nicht konkret benennen. In der Schule werden Leichtbauwände in die Klassenräume eingezogen. Im Kellergeschoss entsteht ein Gemeinschaftsraum, ein Raum mit Kochmöglichkeiten und eine Waschküche. Als sanitäre Anlagen gibt es das Toilettenhaus sowie mobile Wasch- und Dusch-Container.

Auch die Anwohner sollen mit ins Boot genommen werden. In den kommenden zwei Wochen wird es einen Gesprächstermin geben, Aushänge in Heißener Geschäften werden darüber informieren.

Ehrenamtliche Hilfe gerne gesehen

„Wir hoffen natürlich auch auf ehrenamtliche Unterstützung, so wie wir sie in Broich im Hildegardishaus erlebt haben und zurzeit auch in Styrum“, appelliert Ulrich Ernst. Zwar wird es wie im Broicher Seniorenheim auch in der Grundschule einen Ansprechpartner geben, der 24 Stunden vor Ort ist, sowie begleitende Sozialarbeiter. „Aber was die Ehrenamtler zusätzlich an Angeboten für Kinder oder Begleitung bei Alltagsgängen leisten, ist sehr viel wert“, weiß Ernst. Die Heißener SPD hat schon angekündigt, sich einbringen zu wollen und bereits Kontakt zu den Initiatoren von „Willkommen in Mülheim“ gesucht, einer Initiative, die Spenden für Flüchtlinge sammelt.

Auch weiter werden übrigens Wohnungen für die Vermietung an Flüchtlinge gesucht. Wer eine anzubieten hat, kann sich bei der Stadt unter Tel. 455-5401 melden.

Finanzierung:

>>Umstritten ist die Finanzierung der Unterbringung für Flüchtlinge in NRW. Eigentlich Landessache, wälzt die Landesregierung einen großen Teil der Kosten auf die Kommunen ab. Andere Bundesländer bezahlen 100 Prozent. Mülheim hat 2014 für seinen Aufwand eine Million Euro erhalten. Die Unterbringung der Flüchtlinge inklusive Aufwand für Personal, Regelleistungen und Miete belief sich auf 7,4 Millionen Euro. 2015 soll Mülheim 2,3 Millionen Euro erhalten, muss aber mindestens 11,8 Millionen Euro ausgeben.

Auch die Sportvereine engagieren sich. Sie suchen noch Spenden.

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