Schlag gegen illegalen Waffenhandel - Umarex-Mitarbeiter schleust Waffen aus Firma

Am Mittwoch stellte die Polizei in Hagen die Waffenfunde vor.
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  • Foto: Polizei Hagen
  • hochgeladen von Diana Ranke

Bei einer Großrazzia im Kampf gegen illegalen Waffenhandel und organisierte Kriminalität rückten auch bei den Neheimer Unternehmen Umarex entwendete Waffenteile in den Fokus der Ermittlungen. Ein 47-jähriger Mitarbeiter war bereits im Frühjahr festgenommen worden. Er fiel auf bei dem Versuch, einen Lauf durch die Sicherheitskontrolle zu schleusen. Die anschließend durchgeführte Untersuchung führte zur Auffindung von zahlreichen Waffen und Waffenteilen.
Am Mittwoch, 28. August, führte die Dienststelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität des Polizeipräsidiums Hagen insgesamt 12 Durchsuchungen in den Städten  Dortmund, Lünen, Radevormwald, Remscheid, Menden, Duisburg und Wilhelmshaven (Niedersachsen) durch. Im Rahmen von Ermittlungen der OK-Dienststelle des PP Hagen gegen Mitglieder der Rockergruppierungen Bandidos und Freeway Riders wurde festgestellt, dass 2018 bei drei versuchten Tötungsdelikten in Hagen Waffen des Kalibers 22 als Tatwaffen verwendet wurden. Bei Durchsuchungen im Dezember 2018 wurden beim Präsidenten und beim Vize-Präsidenten der Freeway Riders Hagen jeweils Pistolen der Marke Walther, Typ P 22, Kaliber 22, sichergestellt. Bei den Waffen fehlten die Seriennummer und die Beschusszeichen. Ermittlungen zu der o. g. Pistole P 22, ergaben, dass die Waffe ausschließlich bei einem Waffenhersteller aus Arnsberg produziert wird. "Auffällig war, dass seit 2017 in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen zahlreiche Pistolen der Marke Walther, Modell P22, Kaliber 22 ohne derartige Prägungen sichergestellt wurden", erklärte das Polizeipräsidium Hagen. Außerdem wurden 2018 in einem Lkw in Dover, Großbritannien, Betäubungsmittel und Waffen  gefunden, darunter befanden sich auch Pistolen des Typs P 22.

Verdacht bereits 2018

Weitere Pistolen des Typs P 22 wurden unter anderem in Meschede, Bielefeld, Dortmund, Bochum, Herne, Köln, Lüdenscheid und Hagen sichergestellt. Mehrere der Sicherstellungen erfolgten im Rockermilieu. Charakteristisch war bei allen sichergestellten Pistolen der Marke Walther, Typ P 22, dass die in der Bundesrepublik Deutschland vorgeschriebenen Beschusszeichen, Vertriebszeichen und die Waffennummer fehlten. Es lagen auch keine Anzeichen dafür vor, dass diese Kennzeichnungen einmal vorhanden oder entfernt worden waren. Da dieser Waffentyp ausschließlich bei der Firma Umarex GmbH & Co. KG in Arnsberg produziert wird, bestand der Verdacht, dass ggf. Mitarbeiter Waffen oder entsprechende Waffenteile vor der Endkontrolle und vor dem Anbringen der Beschusszeichen und Seriennummern Waffen aus der Firma entwendet und in Umlauf gebracht hatten. Die bestehende Verdachtslage führte im Spätsommer 2018 zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Arnsberg und der KPB Hochsauerlandkreis.
In diesem Rahmen wurden in Absprache zwischen der Polizei und der Geschäftsleitung der Firma Umarex die dortigen Sicherheitsvorkehrungen kontinuierlich optimiert, so dass letztendlich am 25. März 2019 ein deutsch-portugiesischer 47-jähriger langjähriger Beschäftigter des Waffenproduzenten bei dem Versuch, einen Lauf durch die Sicherheitskontrolle zu schleusen, auffiel. Die anschließend durchgeführte Durchsuchung führte zur Auffindung von zahlreichen Waffen und Waffenteilen. Im Rahmen seiner geständigen Einlassung machte der 47-jährige Arnsberger weitergehende Angaben zu einem Abnehmer der Waffen aus dem Märkischen Kreis. Die Ermittlungen bestätigten, dass der Mitarbeiter zumindest seit 2016 Waffenteile bei seinem Arbeitgeber entwendete und mit seinem Fachwissen zu Hause zu kompletten Waffen zusammenbaute. Die Firma Umarex GmbH & Co. KG beendete das Arbeitsverhältnis mit diesen Mitarbeiter fristlos.

Haftbefehle und Durchsuchungen

Die Ermittlungen in Bezug auf die Weiterverkäufe des Tatverdächtigen wurden am 26. März 2019 durch die Dienststelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität des PP Hagen übernommen. Federführende Staatsanwaltschaft blieb die Staatsanwaltschaft Arnsberg. Am 27. März 2019 wurde ein 26-jähriger Deutsch-Kasache aus Menden festgenommen, der die von dem Arnsberger zusammengebauten Pistolen Walther P22 und PK380 weiterverkaufte und die für den Funktionstest und den Verkauf nötige Munition beschaffte. Im Rahmen seiner Vernehmung machte der 26-jährige Mendener Angaben zu weiteren vier männlichen Personen aus Dortmund und Hagen, an welche er die Waffen samt Munition gewinnbringend verkauft hatte. So wurde gegen einen 54-Jährigen britischen Staatsangehörigen aus Dortmund ein Haftbefehl erwirkt, dessen Festnahme im April 2019 während einer Urlaubsreise in der Eifel durch Spezialeinheiten erfolgte. Dieser betrieb in Unna eine illegale Waffenwerkstatt, in der er neben Reparaturen an Schusswaffen auch selbst Dekowaffen zu scharfen Waffen umbaute. Dort wurden zahlreiche Waffen- / Waffenteile und Munition unterschiedlichsten Kalibers gefunden. Über den Betrieb der illegalen Waffenwerkstatt und dem Handel mit Munition und Waffen gestaltete dieser sein Auskommen. Am 16. April 2019 war es möglich, im Rahmen eines Scheingeschäftes einen 25-jährigen Deutsch-Kosovaren aus Hagen zu identifizieren und durch Spezialeinheiten festzunehmen. Bei ihm konnten zwei scharfe Schusswaffen, darunter auch eine Walther PK380 ohne entsprechende Kennzeichnungen, ca. 7 KG Cannabis und ca. 50.000 Euro sichergestellt werden.

Vier Tatverdächtige in U-Haft

Am 17. und 18. April 2019 wurden weitere Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse gegen Abnehmer von Waffen des 26-jährigen Mendeners vollstreckt. So wurden ein 25-jährigen Deutsch-Syrer aus Hagen und ein weiterer 26-jähriger Deutscher ebenfalls aus Hagen festgenommen, letzterer ist der Rockergruppierung Bandidos zuzurechnen. Aktuell befinden sich vier dieser Tatverdächtigen in Untersuchungshaft. Gegen zwei weitere Tatverdächtige wurden bestehende Haftbefehle gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. "Wie viele Waffen durch die Tatverdächtigen in Umlauf gebracht wurden, kann bisher nicht abschließend beziffert werden, es ist von mindestens 150 Pistolen auszugehen", teilte die Polizei mit.  Bei dem 47-jährigen Arnsberger wurden Waffenteile gefunden, mit denen ca. 50 weitere Waffen hätten gebaut werden können. Im Ermittlungsverfahren wurden die Sicherstellungen von insgesamt 56 Walther P22 und 1 Walther PK380 zusammengeführt und bewertet. Im Rahmen der Ermittlungen wurde auch von einem Tatverdächtigen ein Karabiner samt Munition zurückbeschafft, und durch den Rechtsanwalt des 26-jährigen Hagener Bandido Members wurden 5 Waffen Walther P22 mit Munition den Ermittlern übergegeben. Die Auswertung der zahlreichen Asservate führte zur Einleitung weiterer Verfahren wegen des Verdachts des Handeltreibens mit Waffen, Munition und teilweise auch Betäubungsmitteln. Diese Ermittlungen richten sich aktuell gegen 16 tatverdächtige Personen.

Spezialeinheiten im Einsatz

Am Mittwoch, 28. August 2019, fanden nun weitere Maßnahmen in dem Verfahren statt. Bei einem Objekt in Lünen und einem weiteren in Wilhelmshaven kamen Spezialeinheiten zur Öffnung und Sicherung der Objekte zum Einsatz. Durchsucht wurden Wohnungen, Häuser, Werkstätten und Garagen. Während der Durchsuchungsmaßnahmen, ergaben sich Hinweise auf weitere Objekte und Personen, so dass es zu weiteren fünf Folgedurchsuchungen kam. Dabei wurden zahlreiche Waffen (u.a. auch vollautomatische Waffen), Munitionsteile, Schwarzpulver, Betäubungsmittel sowie ein Fahrzeug sichergestellt. Die Asservierungen der Gegenstände sowie die weiteren Ermittlungen dauern noch an. "Aktuell kann schon festgestellt werden, dass - ca. 15.000 Schuss Munition - ca. 5 kg Schwarzpulver - ca. 35 Kurzwaffen sowie diverse Kurzwaffenteile, darunter auch eine weitere Walther P22 ohne entsprechende Kennzeichnungen - ca. 29 Langwaffen - 2 Scharfschützengewehre - 2 vollautomatische Schusswaffen - 3 Handgranaten - diverse weitere Waffen, die noch einer waffenrechtlichen Bewertungen unterzogen werden müssen, sichergestellt wurden", erklärte die Polizei. Darunter befinden sich auch 40 Schusswaffen, die drei der Beschuldigten legal besaßen und die aufgrund von waffenrechtlichen Verstößen sichergestellt wurden.

Autor:

Diana Ranke aus Arnsberg-Neheim

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