Hausärzten soll der Impfstoff gekürzt werden
Erfolgreicher Impfstart in den Hausarztpraxen darf nicht ausgebremst werden

Foto: Pixabay

NRW. Der Impfstart in den Hausarztpraxen war – trotz kontingentierter Impfstoffabgabe – ein voller Erfolg. „Wir haben zeigen können, dass wir binnen weniger Tage eine Vielzahl an Menschen impfen und das Tempo deutlich erhöhen konnten. Mit einer Verlagerung der Corona-Impfungen in die Praxen ist mehr Schwung in die Impfkampagne gekommen.

Das zeigt: Wir können das!“, zieht Anke Richter-Scheer, 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe nach einer Woche eine erste Zwischenbilanz. Umso unverständlicher sei es, dass nach diesem Auftakt seitens der Politik diskutiert werde, den HausärztInnen die Impfstoffdosen zugunsten der Impfzentren wieder zu kürzen. „Das ist kontraproduktiv, zumal das Ziel des schnellen Durchimpfens so erst recht nicht erreicht werden kann. Das Tempo darf nicht wieder ausgebremst werden“, betont Richter-Scheer.

Verband bietet Unterstützung
bei Organisation an

Den Hausärztinnen und Hausärzten mit ihren Praxisteams vor Ort gebühre ein großes Dankeschön. „Sie haben einmal mehr ihre Flexibilität unter Beweis gestellt, schnell reagiert und gezeigt, dass das Impfen mit dem noch etwas ungewohnten Impfstoff auch ohne Probleme in der Hausarztpraxis durchgeführt werden kann.“ Gleichzeitig meisterten viele Praxen aktuell große organisatorische Herausforderungen: „Die Nachfrage nach Impfterminen ist riesig, die Telefone stehen oft nicht mehr still“, weiß Anke Richter-Scheer. Um den Ansturm der Patientinnen und Patienten zu organisieren, bietet der Hausärzteverband Westfalen-Lippe seinen Mitgliedern daher Unterstützung an. Neben Musteranschreiben, mit denen Patient*innen über den Ablauf der Corona-Impfungen in der jeweiligen Praxis informiert werden können, stehen Terminbuchungssysteme für einen unkomplizierten Impfablauf zur Verfügung.
„Das alles muss sich nun einspielen und mit den durch die Politik in Aussicht gestellten größeren Impfstoffmengen ab Mai wird sich die Situation zunehmend entzerren“, ist Richter-Scheer zuversichtlich und ermutigt Kolleginnen und Kollegen: „Wir alle wollen wieder Normalität, auch in der Versorgung, in der Behandlung unserer Patienten. Das schaffen wir aber nur, wenn wir gemeinsam zeigen, dass das Impfen in die Hausarztpraxis gehört und nicht mehr in die Impfzentren. Die Impfzentren waren zu Beginn richtig und wichtig. Aber zukünftig kann es nicht sein, dass niedergelassene Ärzte eine hausärztliche Tätigkeit im Impfzentrum verrichten und in der eigenen Praxis fehlen. Deshalb werden wir als Hausärzteverband Westfalen-Lippe uns jetzt gegenüber der Politik dafür einsetzen, dass das Impfen dort stattfindet, wo es hingehört: in der Hausarztpraxis!“

Jugendliche in Impfkampagne mit einbeziehen

Zudem müsse seitens der Politik dringend eine weitere Personengruppe in den Fokus gerückt werden: „Das Virus breitet sich gerade bei Kindern und Jugendlichen sehr stark aus. Die Politik muss zeitnah Überlegungen anstellen, diese vulnerable Gruppe ebenfalls in die Impfkampagne mit einzubeziehen“, betont Anke Richter-Scheer. Erste Studien aus Amerika zu Impfungen bei Jugendlichen liefen aktuell mit hervorragenden Ergebnissen. „Als Verband werden wir uns dafür stark machen, dass diese Gruppe, die nicht weniger Angst vor einer Erkrankung hat, ebenfalls eine Möglichkeit bekommt, sich zu schützen.“

Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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