Dinslakens First Lady hört auf

Margarethe Humpert an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus.
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Die erste Frau als ehrenamtliche Bürgermeisterin dieser Stadt kandidiert nicht mehr: Margarethe Humpert ist ein Phänomen. Wenn ihr Name fällt, dann geraten viele ins Schwärmen. Sogar „politische Gegner“ im Rat.

Seit dreieinhalb Jahrzehnten sitzt sie darin, seit 20 Jahren tut sie Dienst als Erste (stellvertretende) Bürgermeisterin. Sie ist eine von zwei ehrenamtlichen Vizes des mit Gehalt versehenen Hauptamtlichen. Und dass diese Frau nach der Wahl am 25. Mai dieses Amt nun nicht mehr antreten wird, sehen alle als großen Verlust. Auch an humaner „Frauenpower“ aus und für diese Stadt.

„Misses Humpert“ allein im Nahen Osten

Als Dinslakens Partnergemeinde Arad 1995 zur Stadt erhoben wurde, war es Bürgermeisterin Margarethe Humpert, die zu den Feierlichkeiten reiste. Alleine nach Israel ab Frankfurt am Main. Im Gepäck einige Gastgeschenke. „Schon komisch, als von El Al eine Misses Humpert ausgerufen wurde. Ich habe erst gar nicht verstanden, dass ich gemeint war.“ Auch wenn „die Margarethe“ es heute, wie immer bescheiden, herunterspielt: Nur ihr besonderer Charme erreichte an diesem Tage die Weiterreise. „Stein des Anstoßes“ waren Edelstahl-Brieföffner mit Stadtwappen und Geschenk-Etui. Die wollte der Zoll bei der Gepäck-Kontrolle nicht nach Israel lassen – mögliche Nahkampf-Waffen. Margarethe Humpert aber kam in friedlicher Absicht. Und das merkt man bei ihr. Jeder.

Sie erlebte herzliche israelische Gastfreundschaft und menschliche Begegnungen, darunter mit Ministerpräsident Itzak Rabin. Aber auch, dass dort andere Regeln gelten: Baden im Toten Meer? Gern - mit Pistole in der Badetasche. Dass Rabin noch im selben Jahr von einem Fanatiker ermordet wurde, war ihr, zurück am sicheren Niederrhein, ein Schock: „Ein Unterschied, ob man jemanden aus dem Fernsehen oder den Menschen persönlich kennt.“.

„Die Begegnungen mit so vielen unterschiedlichen Menschen waren der beste Teil an meinem Ehren-Job.“, sagt mir Margarethe Humpert. Unzählige Ehrungen, Einweihungen, Besuche bei Jubilaren hat sie im Laufe ihrer Amtszeit erlebt. Durfte zu Goldenen Hochzeiten gratulieren, immer häufiger 100jährigen die Hände drücken. Hat ebenso viele Lebensgeschichten und Schicksale kennen gelernt. Auch helfen konnte sie. Selbst oder durch Kontakte oder Sponsoren, die ihrerseits weiterhalfen. Wunderschöne, sehr zu Herzen gehende Briefe hat sie erhalten. Und jeden (!) beantwortet – möglichst sogar persönlich.

„Dienstlich“ hatte sie mit Ministerpräsidenten wie Johannes Rau und Wolfgang Clement zu tun, hat Bundespolitiker wie Finanzminister Eichel getroffen. Und viele, viele Vereine und Verbände kennengelernt, vom Schützenverein bis zum Mandolinen-Orchester. Der fast legendäre Bürgermeister K.-H. Klingen hatte schon früh ihr politisches Talent entdeckt.

Karl-Heinz Klingen sah ihr politisches Talent

Und sie 1979 für die SPD-Fraktion zunächst 5 Jahre als Sachkundige Bürgerin in den Kulturausschuss des Stadtrates geholt. Das hat sie nicht mehr losgelassen, dort kämpfte sie, wie ab 1984 dann als Ratsmitglied. Etwa für den Erhalt des „Burgtheaters“, heute Landesbühne Kreis Wesel / „Burghofbühne Dinslaken“. Ohne „die Margarethe“ gäb´s die heute wohl nicht mehr. In ihrer Kaufmännischen Lehre hatte Margarethe Humpert nicht nur akkurate Buchführung gelernt, sondern auch Stenografie. Als sich das rumsprach, hatte sie sofort die Sitzungs-Protokolle „an der Backe“. Und einmal dabei, wurde ihr auch die Pressearbeit übertragen.

Und sie blickt auch noch auf ein ganzes Vierteljahrhundert als Finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion zurück. Stadt-Finanzen sind nicht nur „klassisch vermintes Gelände“, sondern auch zeitfressend. Und auch noch der Jugendhilfe-Ausschuss. Da braucht es neben Menschen- und Sach-Kenntnis besondere Vertrauenswürdigkeit. Und Verlässlichkeit. Für beides stehen die Frau, die Stadtverordnete, die 1. Bürgermeisterin: Margarethe Humpert.

Ohne meine Männer wär das nicht gegangen

Vor 20 Jahren, im März 1994 wurde sie unter Bürgermeister Kurt Altona vom Rat zur Ersten stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt. „Ich habe lange zuhause diskutiert, ob ich das machen soll. Meine beiden Männer, mein Mann Karl und unser Sohn Andreas haben mir den Rücken frei gehalten, sonst wäre das nicht gegangen.“
Die Humperts sind beide mächtig stolz auf den Sohn, der seinen Weg als Sozialwissenschaftler gemacht hat. „Und uns mit einer wunderbaren Enkelin beglückt.“, fügt Margarethe sofort hinzu.

Ihre Botschaft für kommende Politiker-Generationen? „Was uns Karl-Heinz Klingen immer wieder zu Recht eingetrichtert hat: Wir sind für den Bürger gewählt! Und nicht für uns selbst. So habe ich immer versucht zu handeln. Und zu entscheiden.“
Darf ich Antrag auf Ausnahme vom Presse-Neutralitäts-Gebot stellen: Liebe Margarethe Humpert, das ist Ihnen gelungen! Vielen Dank, nicht nur für das Gespräch - Danke auch im Namen aller Leserinnen und Leser:
„Margarethe Humpert hat sich um diese Stadt Dinslaken verdient gemacht.“ Der Satz gilt. Und er ist eine Untertreibung.

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