Interview mit Alessandro Melazzini (Filmproduzent: "Die Italienische Art")

Filmplakat zu "Die Italienische Art"
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  • Foto: Alpenway Media Production GmbH
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Der gebürtige Italiener Alessandro Melazzini ist Wirtschaftswissenschaftler und leitet in München eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme. Im Rahmen des Internationalen Filmfestivals in Vancouver ergab sich die Gelegenheit, Herrn Melazzini Fragen zu dem von ihm produzierten Film „Die Italienische Art“ (Regie Angelo Bozzolini) zu stellen. Dieser Film erzählt die Geschichte des Orchestra dell‘ Accademia Nazionale die Santa Cecilia und hatte am 04. Oktober 2013 in Vancouver seine Weltpremiere.

Frage: Herr Melazzini, auf Ihrer Webseite erwähnen Sie, dass Sie den Italieniern nicht klischeehafte Eindrücke über Deutschland vermitteln wollen und umgekehrt. Der Film, den Sie hier auf dem Filmfestival präsentieren, ist nun über ein italienisches Orchester, also quasi etwas klischeetypisches für Italien: gute klassische Musik und temperamentvolle Musiker. Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dem Film an?

Antwort: Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Italien viel weniger klassische Orchester, als man vielleicht glaubt. Es wird weniger Geld in Italien dafür zur Verfügung gestellt. Die eigentliche Botschaft des Films ist es daher, der Welt zu zeigen, dass es solch ein Orchester gibt und dass es sich behaupten kann, weil es immer berühmter wird, und dies nicht zuletzt auch wegen der leidenschaftlichen Musiker und des Dirigenten. Zielgruppe des Films sind Personen, die klassische Musik mögen, aber auch solche Menschen, die sich für die italienische Kultur bzw. italienische Themen interessieren. Der Film ist aber auch für Zuschauer geeignet, die sich noch gar nicht mit dieser Thematik auskennen.

Frage: Was möchten Sie mit dem Film erreichen?

Antwort: Wir möchten kulturelle Einblicke vermitteln, über die Arbeit eines klassischen Orchesters, über die Musiker und deren Instrumente sowie darüber, was eigentlich ein Dirigent macht. Denn die Arbeit eines Dirigenten umfasst mehr als nur vor dem Orchester währen der Aufführung zu stehen und den Takt und die
Einsätze vorzugeben.

Frage: Der Film läuft jetzt hier in Vancouver beim Filmfestival und dann noch auf den Filmtagen in Hof. Wo wird der Film noch zu sehen sein?

Antwort: Wir reichen ihn weiter konsequent auch bei anderen Festivals ein. Nach den Hofer Filmtagen sind wir beim Internationalen Film Festival in Rom. Wir sind auch gern bereit, interessierten Gruppen (z.B. Musikvereinen) diesen Film zur Vorführung zur Verfügung zu stellen. Vielleicht bekommen wir so auch eine kleine Tour zustande, wo dann auch jemand von der Produktion bei der Ausstrahlung anwesend sein kann. Im November 2013 kommt der Film dann auf DVD und als BlueRay heraus. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ARTE oder 3SAT Interesse an einer Ausstrahlung haben werden.

Frage: Gibt es schon erste Reaktionen auf den Film und falls ja, gibt es da Unterschiede zwischen Deutschen und Italienern?

Antwort: Die Weltpremiere ist ja jetzt erst am 04. Oktober 2013. Erste positive Reaktionen gibt es aber schon von denen, die den Film vorab sehen konnten. Viele wussten anfangs noch nicht, was da auf sie zukommt, waren dann aber positiv überrascht. Der Film kommt auf der eine Seite als sehr leidenschaftlich, aber auch als seriös rüber. Man sieht sehr viel Professionalität im Film.

Frage: Was war für Sie die größte Herausforderung im Zusammenhang mit dem Film?

Antwort: Ich hatte anfangs unterschätzt, wie lange es dauert, bis man rechtliche Fragen geklärt hat, z.B. im Zusammenhang mit den Musikstücken, aber auch mit den Auftritten der Solisten. Unsere Produktionsfirma ist nur klein und es musste viel Organisationsaufwand bewältigt werden. Wir haben an verschiedenen Orten in Italien gedreht. Es gab eine tiefe intellektuelle Verbindung zwischen dem Regisseur und dem Produzenten. Der Regisseur musste nach Deutschland kommen, um einen Produzenten zu finden, der mit ihm zusammen das Projekt umsetzt. Das Orchester musste überzeugt werden, dass die Dreharbeiten nicht die musikalischen Darbietungen behindern werden. Im Laufe der Dreharbeiten entwickelte sich aber ein Vertrauensverhältnis zwischen allen Beteiligten, welches die Arbeit enorm erleichtert hat.

Frage: Wie lange wurde gedreht?

Antwort: Wir haben insgesamt ein Jahr an dem Film gearbeitet, u.a. deshalb, weil wir auf einige der Solisten (z.B. Lang Lang) warten mussten, die nur zu bestimmten Zeiten verfügbar waren. Bestimmte Szenen konnten nur zu bestimmten Jahreszeiten gedreht werden. Die Unterwasserszenen entstanden beispielsweise im September.

Frage: Hinterher ist man immer schlauer. Was würden Sie anders machen, wenn man alles noch mal auf Anfang setzen könnte?

Antwort: Das war das erste Mal, dass ich einen Musikfilm produziert habe. Ich würde vielleicht noch viel früher mit der Rechteklärung beginnen. Die Postproduktion war auch etwas schwieriger als gedacht. Wenn man mehr Erfahrung hat, geht das sicherlich schneller.

Frage: Welche persönlichen Erfahrungen nehmen Sie aus ihrem Filmprojekt mit?

Antwort: Hinter der Technik stehen immer Menschen. Die Crewmitglieder spielen beim Film eine wichtige Rolle. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich auch noch intensiver mit den Crewmitgliedern zu beschäftigen. Einen Film kann man nicht allein machen. Man ist auf die Mitwirkung anderen Personen angewiesen. Man sollte sich verstehen und auf einander hören.

Frage: Wie finanzieren Sie Ihre Filmprojekte? Erhalten Sie Gelder aus der deutschen Filmförderung oder von der EU?

Antwort: Die Finanzierung kam aus Italien. Um in Deutschland auf Filmförderung zurückgreifen zu können, muss erst einige Projekte erfolgreich abgeschlossen haben. Vielleicht öffnet ja jetzt hier „Die Italienische Art“ die Türen. Unsere Produktionsfirma ist noch nicht so bekannt. Wir arbeiten sehr daran, wahrgenommen zu werden.

Frage: Vielleicht helfen dabei auch Ihre nächsten Projekte. Woran arbeiten Sie gerade?

Antwort: Wir arbeiten zurzeit an dem Dokumentarfilm „Stilfserjoch. Kreuzweg des Friedens“. Es ist quasi ein Bergfilm über einen Pass in den italienischen Alpen, wo der Besucher auf 3000m Höhe eine atemberaubende Landschaft finden kann und wo man gut Alpinsport ausüben kann. Vor 100 Jahren, während des ersten Weltkriegs, war das Stilfserjoch aber auch das höchstgelegene, kälteste Schlachtfeld. Man findet heute noch dort oben immer wieder Relikte aus dieser Zeit und Leute wie Mario, die dort leben, sammeln sie ein. Wir stellen in dem Film Leute vor, die in dieser Region leben und möchten so etwas über den Mikrokosmos vermitteln, den man dort vorfindet.

In einem anderen Projekt geht es darum, wie eine wichtige historische Landmarke in Italien gerettet werden soll. Der Film heißt „Die Mauern von Kihlgren“ und gedreht wird in Santo Stefano di Sessanio. Dort gab es ein verlassenes mittelalterliches Dort, welches restauriert und in ein Hotel umgewandelt wird, so dass die Gäste dort quasi ins Mittelalter versetzt werden, während sie doch in der Gegenwart bleiben. Es geht um die menschlichen, natürlichen und architektonischen Wunder Italiens, aber insbesondere um Daniele Kihlgren, den Unternehmer und Künstler, der das Ganze auf die Beine gestellt hat. Er hat eine unglaublich vielfältige und zerrissene Persönlichkeit. Regie führt hierbei Alessandro Soetje.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Viel Glück für Ihren Film.

Weitere Informationen zur Produktionsfirma von Herrn Melazzini und zu den Filmen gibt es hier:

http://www.alpenway.com
http://www.alpenway.com/santacecilia
http://www.alpenway.com/stelvio
http://www.alpenway.com/k
http://www.melazzini.com

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