Wir feiern hier 'ne Party und du bist nicht dabei.

Irgendwie fühlte ich mich an Grönemeyers Liedpassage erinnert, als ich durch die Altstadt schlenderte und links und rechts von mir der Drei-zu-Eins-Sieg über Erzgebirge Aue gefeiert wurde. Gemessen an dem sonst unter Fußball-Fanatikern üblichen Gejohle war es jedoch an diesem Nachmittag seltsam ruhig, ja fast ein wenig feierlich. Kein lautes Geschrei, sondern man redete miteinander und manch einer blickte seltsam entrückt, als wolle er das kurz zuvor im Stadion Erlebte noch einmal Revue passieren lassen. Die Szenerie glich eher einem fröhlichen Familientreffen, bei dem jung und alt - in bunter Reihe - einige schöne Stunden miteinander verbringen.

Die zahlreichen Flachbild-Fernseher mit den Live-Übertragungen der Bundesliga blieben nahezu unbeachtet. „Fortuna first“ lautete hier die Devise und die Spielstände der wirklich Großen schienen wohl niemanden an den altbierbeladenen Stehtischen zu interessieren. Da plötzlich – als hätte ein imaginärer Dirigent ein verabredetes Handzeichen gegeben – erscholl aus hunderten Kehlen die sogenannte Vereinshymne, in der zwischen mehrfachen Olé- und Fortuna-Rufen auch vom Gewinn einer Deutschen Meisterschaft die Rede ist. Nichts erinnerte an das sonst übliche Grölen, für das Fangruppen zu Recht so gefürchtet sind.

Gänsehaut statt aufgerichteter Nackenhaare – eine Reaktion, die ich angesichts einer Gruppe Fußball-Fans so noch nicht von mir kannte. An diesem Tag wäre ich gerne einer von ihnen gewesen, hatte den Wunsch, mich an irgendeinen Tisch dazu zu zwängen. Doch letztendlich gemahnte mich der drückende Autoschlüssel in meiner nicht gerade weitgeschnittenen Hose zur Altbier-Abstinenz, um die Gefahr eines Führerschein-Entzugs gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft wird wohl ein einmaliges Ereignis in der rotweißen Vereinsgeschichte bleiben . Ausgerechnet meine geliebten Schalker mussten am 11. Juni 1933 als Verlierer den Platz verlassen. Während der Name Toni Turek wohl noch jedem Düsseldorfer etwas sagt, sind die Namen der Väter des damaligen Erfolgs völlig in Vergessenheit geraten. Ja, wer kennt schon Felix Zwolanowski, Paul Mehl und Georg Hochgesang.

So sehen auch diese drei Torschützen Schillers Worte bestätigt: Dem Fußball-Spieler flicht die Nachwelt keine Kränze. Olé, olé olé ......

Autor:

Klaus Ahlfänger aus Herten

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