Was für ein Zirkus! Josefschule wurde zum "Zirkus Josefinello"

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Im Zirkuszelt herrscht gedämpftes Licht und konzentrierte Atmosphäre. Zwei Frauen - Mütter in besonderer Mission - erklären einer Hand voll Kindern, wie sie sich am besten auf dem Drahtseil halten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Auf sämtlichen T-Shirts prangt der Name „Josefinello“.

Eine junge Frau mit Dreadlocks, die Zirkus-Pädagogin Angela Priester, kommt hinter einem Vorhang hervor und gibt den Kindern Hilfestellung, während gleich hinter der Gruppe in der Manege fünf Mädchen gleichzeitig auf einem Trapez durch die Luft schwingen.
Eine ganze Woche lang ist die Kupferdreher Josefschule der „Zirkus Josefinello“ und wirklich jeder, der hier herumläuft, ist ein Artist. „Vor vier Jahren war der Mitmach-Zirkus ‚Zapp Zarap’ das erste Mal an unserer Schule“, erläutert Sandra Burchgardt, stellvertretende Leiterin der städtischen katholischen Grundschule an der Byfanger Straße. Damals war die Zirkusvorstellung zugleich die Abschieds-Gala für die scheidende Rektorin Angelika Kasper. Begeistert von dieser Art Projekt entschied sich das Schulteam damals, die Aktion alle vier Jahre zu wiederholen, „damit jedes Schulkind das einmal mitbekommt“, wie Kristin aus der 4a erläutert.
„Das“ ist eine kunterbunte Mischung aus Jonglage, Zauberei, Trapezkunst, Feuerkunst, Clownerie, Seiltanz, Akrobatik und mehr. „Insgesamt elf Disziplinen oder Genres standen den Mädchen und Jungen zur Auswahl“, erklärt Sandra Burchgardt, „und jedes Kind konnte wählen, was es am liebsten machen möchte.“
Allein das Ausprobieren hat den Grundschülern viel Spaß bereitet, wie Rojbin aus der 2a begeistert erzählt. Sie selbst hat sich letztendlich für die Fakir-Gruppe entschieden und wird bei den großen Vorstellungen auf Scherben laufen.
Dieses Zirkusprojekt ist „in jeder Hinsicht gigantisch“, urteilen Rektorin Klaudia Theizs und Konrektorin Sandra Burchgardt im Vorwort der Zirkus-Zeitung, die eigens herausgebracht worden ist. Noch bevor das Zirkuszelt am Samstag vor Beginn der Projektwoche mit Hilfe von rund 40 Eltern aus dem 1,8-Tonner entladen und auf dem Schulhof aufgebaut worden ist, hatten Mütter und Väter, Lehrerinnen und Lehrer ihre Lehrstunde(n) bei den Profis vom wandernden pädagogischen Zirkus „Zapp Zarap“. Schließlich wird man nicht als Fakir, Feuerschlucker oder Jongleur geboren. „Das Eltern-Engagement ist wirklich beeindruckend“, freut sich Sandra Burchgardt. Am ersten Tag der Projektwoche haben die Eltern und Lehrer dann das Gelernte vorgeführt und die Kids konnten sich für ihre Lieblings-Disziplin entscheiden. Das Projekt-Motto lautet „Kannst du nicht war gestern“ und natürlich machen alle 217 Kinder der Josefschule mit. Es gibt niemanden, der nicht irgendetwas kann - und es geht nicht um Perfektion, sondern darum, Neues auszuprobieren und dadurch sich selbst und andere besser kennenzulernen.
Sandra Burchgardt freut sich, dass das pädagogische Konzept so gut funktioniert: „Uns ist sehr wichtig, das Wir-Gefühl zu stärken. Daher gibt es auch altersgemischte Gruppen mit Kindern von Klasse 1 bis 4.“
„Die Kinder erleben sich in einer anderen Gruppe als den vertrauten Klassenverband“, so Burchgardt weiter, „sie schlüpfen in andere Rollen, erleben eine neue Selbstwirklichkeit.“ Ganz erstaunlich findet die Konrektorin, „dass gerade schüchterne Kinder sich oft für Disziplinen entschieden haben, die Mut erfordern“. So wie die Feuerkunst. Am zweiten Probentag, als der KURIER zu Besuch kommt, probieren die Kids auf dem Schulhof aus, wie das eigentlich geht, Feuer spucken. Dabei geht es der Erwartung zum Trotze erst einmal ziemlich nass zu: Von oben nieselt es unablässig Regenwasser und die Kinder üben das Spucken zunächst mit Kranberger. „Das Wasser muss pulverisiert herausgespuckt werden, damit es nicht gefährlich wird“, erläutert Jana Honke, Praktikantin an der Josefschule. „Die Kinder müssen wirklich supermutig sein.“ Bei der Vorführung wird dann Lycopodium gespuckt, ein spezielles Pulver aus der Bärlapp-Pflanze, das für den pyrotechnischen Effekt sorgt. Die Kinder sind mit wahrem Feuereifer dabei und Niklas aus der 4a und seine Feuerkünstler-Kollegen rennen immer wieder zum Wasserhahn, um ihre Becher aufzufüllen.
Plötzlich laufen alle ins Zirkuszelt, denn es ist gleich 11 Uhr und der Höhepunkt des Tages steht bevor: Alle Gruppen führen das bis dahin Gelernte in der Manege vor. Hier trifft man Kristin wieder, die sich mit Freundin Pia und den anderen Trapezkünstlerinnen schon ziemlich professionell durch die Lüfte schwingt, erlebt Rojbin und den Rest der Fakir-Gruppe und staunt über die Choreografie der Pois-Gruppe, die im Schwarzlicht neonfarben leuchtende Tücher tanzen lässt.
Anschließend geht es aber nicht etwa zu Mathe, Reli oder Sachkunde, sondern zum „Begleitprogramm“. Hier werden Buttons und Fensterdeko gebastelt, Preisschilder und Jonglierbälle angefertigt und Süßigkeiten-Tütchen gefaltet. Die wiederum kommen in bunt gestaltete Bauchläden - natürlich auch Marke Eigenbau -, damit bei den Vorführungen echte Zirkusatmosphäre aufkommt. „In dieser Woche arbeiten wir wirklich von 8 bis 13.20 Uhr zum Thema Zirkus“, erklärt Sandra Burchgardt. Und dazu gehört natürlich auch das passende Drumherum: „Dabei versuchen wir, diese Sachen komplett an die Kinder zu übergeben. Die Intention dahinter ist, dass die Kinder Verantwortung übernehmen und Dinge selbst planen - z.B. den Verkauf von Süßigkeiten, das Gestalten der Plakate und der Dekoration.“

Auch hier greift das Konzept, die Kinder sitzen ganz konzentriert da und basteln an ihren Zirkus-Accessoires. Dabei sind alle auch irgendwie aufgeregt, wie Colin, Luis, Valentino und Rojbin einräumen. Nur Fakir Nico scheint die Ruhe selbst. Aber auch ihn packte schließlich ein wohliges Lampenfieber, als es am Ende der Zirkuswoche zur Sache ging und die Nachwuchs-Artisten von der Josefschule die Manege bei gleich vier Vorstellungen vor immer rappelvollen Rängen bespielten. „Das sah richtig professionell aus“, staunte ein „Josefinello“-Besucher und so manches Kind war sicher auch überrascht, was so alles in ihm steckt!

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