Elterninitiative "Waldwerk"
Erziehung naturnah und auf Augenhöhe

Anna Kapfer aus Gevelsberg möchte nicht nur Sohn Louis in seiner Selbsttätigkeit optimal unterstützen.
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  • Anna Kapfer aus Gevelsberg möchte nicht nur Sohn Louis in seiner Selbsttätigkeit optimal unterstützen.
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Den ganzen Tag im Freien verbringen, gemeinsam mit anderen Kindern im Wald spielen und dabei die Natur ganz aus der Nähe kennen- und begreifen lernen - das wünschen sich heute viele Eltern für ihre Kinder. In Gevelsberg gründen engagierte Eltern zurzeit einen eigenen Waldkindergarten, um ihrem Nachwuchs genau das möglich zu machen.
Anna Kapfer hatte für ihren zweijährigen Sohn Louis schon früh ein ganz bestimmtes Erziehungskonzept im Sinn. Ganz wichtig dabei ist ihr, dass ein bedürfnisorientierter Ansatz im Mittelpunkt steht.
"Vielerorts ist das leider noch nicht angekommen, und man begegnet den Kindern nicht auf Augenhöhe, sondern eher von oben herab", erzählt die junge Mutter. "Kinder sollten sich im Kindergarten rundum geborgen und wohl fühlen und optimal in ihrer individuellen Entwicklung unterstützt werden. Außerdem denke ich, dass es ganz besonders wichtig ist, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Natürlich brauchen sie auch klare Rahmenbedingungen und verständliche Regeln. Dabei sollte aber auf Strafen und nicht nachvollziehbare Konsequenzen verzichtet werden." Die Suche nach einem passenden Kindergarten im Gevelsberger Stadtgebiet gestaltete sich schwierig und so kam gemeinsam mit einer befreundeten Mutter die Idee auf, einen eigenen Waldkindergarten zu gründen. Einige andere Mitstreiter waren schnell gefunden und so wurde im vergangenen Jahr von acht Gründungsmitgliedern die Elterninitiative "Waldwerk" ins Leben gerufen. Mittlerweile steht sie kurz vor der Vereinsgründung, der Betrieb des Kindergartens soll bereits im Herbst anlaufen.
"Im Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts steht neben der bedürfnisorientierten Erziehung der achtsame Umgang miteinander und die Stärkung des Mitbestimmungsrechts der Kinder. Auch das Thema gesunde und nachhaltige Ernährung nimmt einen großen Raum ein. So werden die Kinder schon früh lernen, wie Nahrungsmittel selbstangebaut und auch weiterverarbeitet werden. Alles darüber hinaus stammt aus zertifiziert biologischen Quellen oder von bekannten Bauern aus der Umgebung. So lernen sie, Ressourcen sinnvoll und nachhaltig zu nutzen." Verfestigt werden soll das durch Besuche auf dem Bauernhof sowie der Versorgung von Tieren und Pflanzen. Der größte Unterschied zu einem sogenannten Regelkindergarten besteht aber wohl beim räumlichen Konzept. Denn die Kinder sind den ganzen Tag in Natur und Wald unterwegs, erleben hier die Jahreszeiten und den Umgang mit den Elementen. Bei extremen Wetterverhältnissen können sie auf zwei ausgebaute Bauwagen ausweichen. Die bieten Platz für einen Spiel- und Schlafbereich, WCs, eine Wickelgelegenheit sowie eine kleine Küche.
"Geöffnet sein wird der Kindergarten zwischen 7.30 und 16 Uhr und bietet somit eine Vormittags- und Nachmittagsbetreuung an", erzählt Anna Kapfer weiter. "Insgesamt sind voraussichtlich fünf Erzieher in Vollzeit und Teilzeit beschäftigt. So haben wir nicht nur genügend Aufsichtspersonal, sondern beugen schon im Vorfeld personellen Engpässen vor und können jederzeit die Aufsichtspflicht im Wald gewährleisten." Betreut werden übrigens Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Auch das ist eine Besonderheit, meist wird in Waldkindergärten keine U3-Betreuung angeboten. "Wir stecken gerade mitten im Bewerbungsverfahren und werden im nächsten Monat die ersten Gespräche führen. Bewerber, die einen naturpädagogischen Hintergrund haben, sind uns gerne willkommen, denn es ist uns wichtig, dass sie das pädagogische Konzept mitbestimmen können." Für 20 Kinder bietet der Waldkindergarten ab kommenden Herbst Platz. Auch ein Gelände in Berge ist bereits ins Auge gefasst, der notwendige Bauantrag wird zurzeit gemeinsam mit einem Architekten ausgearbeitet.
"Die Kinder sollen hier die Möglichkeit haben auch Beete anzulegen und sie selbst bewirtschaften. Dafür arbeiten wir eng mit der 'Gemüseackerdemie' zusammen, die uns in den Grundlagen des Ackerbaus schult." Eltern bezahlen übrigens den Standard-Elternbeitrag an die Stadt und müssen zusätzlich einen Vereinsbeitrag von ca. 30 Euro pro Monat und Kind entrichten. Dazu kommt noch die Essenspauschale. Für die letzten beiden Beitragsjahre entfällt der Elternbeitrag an die Stadt.
Dass die Nachfrage nach an einem solchen Kindergarten in Gevelsberg groß ist, das erlebt Anna Kapfer zurzeit. "Uns erreichen viele Mails von Eltern, die ihre Kinder anmelden wollen", erzählt die 31-Jährige. "Weil wir uns eine möglichst altershomogene Zusammensetzung wünschen, wäre es schön, wenn noch mehr größere Kinder im Alter von vier und fünf Jahren dabei sein würden." Erreichbar ist die Elterninitiative Waldwerk am besten über das Kontaktformular auf ihrer Website www.elterninitiative-waldwerk.jimdosite.com.

Autor:

Janina aus dem Siepen aus Schwelm

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