Gocher Stolperstein Initiative gedachte der November-Pogrome - Zeitzeugin erinnert sich
"Die Feuerwehr kam nicht"

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Gocher Stolperstein Initiative gedachte Novemberpogrome - Gocherin erinnert sich Goch erinnerte vergangene Woche der Nazi-Pogrome, denn auch am Niederrhein war der Nazi-Terror im Alltagsleben präsent und brennende Synagogen gab es auch hier. Achtzig Jahre danach erinnert sich Klara Lenz (geborene van Eyckels) aus Goch so, als wäre es gestern erst passiert: "Wir sind zur Schule gelaufen, und da haben wir das Feuer und den Qualm gesehen. Wir sind natürlich sofort hin und wollten wissen, was da los ist", erinnert sich die rüstige Gocherin an den Tag als auch in Goch die Synagoge brannte ...

VON FRANZ GEIB

Goch.
Gerade mal zehn Jahre alt war die Seniorin, als sie Zeugin wurde von den schrecklichen Geschehnissen in ihrer Heimatstadt: "Die SA war damals sofort an der Brandstelle und hat uns Kinder weggescheucht. Die Feuerwehr haben wir aber nirgendwo gesehen, sie kam nicht ..." Einordnen konnte das junge Mädchen die Ereignisse aufgrund ihrer Jugendlichkeit natürlich nicht, obwohl sie die Folgen hautnah miterlebte: "Wir waren an dem Abend in der Kirche, als uns der damalige Kaplan Laux aufforderte, für die zu beten, denen schreckliches Leid widerfährt. Ein paar Tage später war er verschwunden und kam nie wieder zurück."

"Nachbarn auf den Lastwagen geschmissen"

Auch Manes Kemper erinnert sich an die Zeit, als Deutschland sein dunkelstes Kapitel der Geschichte schrieb: "Wir sahen die Deportationen und konnten sie nicht einschätzen. Wir haben gar nicht verstanden, warum Nachbarn auf einen Lastwagen geschmissen und weggebracht wurden."
Daran und an alle anderen Opfer der Gräueltaten unter der Herrschaft der NS-Ideologie wurde am vergangenen Freitag in Goch gedacht: Gemeinsam mit Schülern der weiterführenden Schulen Gochs erinnerte die Stolperstein Initiative an die vom Nazi-Regime Verfolgten und Ermordeten. So an Josef Gerson (Voßstraße 28), der, von Hitlers Schergen gedemütigt und entrechtet, im Jahr 1938 starb. Hier stand Klara Lenz gemeinsam mit Schülern der Leni-Valk-Realschule und deren Lehrerin Rita Weidemann in stillem Gedenken. Aufgerufen zu der Aktion hatte die Initiative Stolpersteine: An allen Stolpersteinen in Goch wurde aus diesem Grund eine entsprechende Anzahl an Kerzen -insgesamt 90- aufgestellt, verbunden mit der Hoffnung, dass der Friede über die Welt komme.

Lesung aus Prozessakten

Im Anschluss daran begab sich die Gruppe gemeinsam mit den anderen Schülergruppen der weiterführenden Schulen zur Synagoge an der Herzogenstraße, um hier in Stille zu gedenken. Mit einer Lesung aus den Prozessakten des Synagogen und Brandstifterprozesses 1947/48 im Museum Goch schloss der Gedenktag in Goch ab. Goch erinnerte sich an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren, als auch in der Niersstadt, ebenso wie im Rest des Landes, die Synagoge brannte. Unter den Opfern, die im Zuge der Nazi-Diktatur verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden, war auch Josef Gerson. Foto: Franz Geib

Die Schüler der weiterführenden Schulen in Goch stellten am Mahnmal an der Herzogenstaße Kerzen auf. Foto: Steve

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