Ryanair droht damit, seine Basis in Weeze aufzugeben
Pro Niederrhein: "Das wirkt sich auf das Verhalten der Passagiere aus"

Der Airport Weeze ist in erhebliche Turbulenzen geraten: Gerade erst hat der Kreis einem 6-Millionen-Hilfspaket zugestimmt, jetzt hat Ryanair massive Einschränkungen bis hin zur Schließung des Standortes geplant.
  • Der Airport Weeze ist in erhebliche Turbulenzen geraten: Gerade erst hat der Kreis einem 6-Millionen-Hilfspaket zugestimmt, jetzt hat Ryanair massive Einschränkungen bis hin zur Schließung des Standortes geplant.
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Heinz-Willi Knechten aus Weeze kann den Schock nachvollziehen: Anfang der Woche wurde den Ryanair-Bediensteten mitgeteilt, dass die Fluggesellschaft neben anderen Standorten möglicherweise auch die Basis in Weeze aufgibt. Ob die irische Gesellschaft diese Ankündigung, die auch dem Sprecher der Initiative "pro:niederrhein" vorliegt, wahrmacht, hänge nur vom guten Willen der Mitarbeiter ab.

VON FRANZ GEIB

Weeze/Kreis Kleve. "Das ist ein klarer Fall von Einschüchterung", zeigt sich Knechten betroffen. Hintergrund seien die Tarifverhandlungen mit den Ryanair- und Malta Air-Crews, die daran scheiterten, dass die Fluggesellschaft ihren Bediensteten drastische Gehaltskürzungen, bis zu 30 Prozent (für Flugkapitäne) beziehungsweise 20 Prozent (für Flugbegleiter), abverlange.
"Ich lese die Mitteilung von Ryanair so: Wenn das Personal auf die geforderten Kürzungen nicht eingehe, würde die Basis in Hahn aufgegeben, Berlin-Tegel und Weeze ("likely to be closed") wahrscheinlich unter Umständen auch", meint Knechten: "Ein starkes Stück. Die Mitarbeiter werden jetzt schon nicht gut bezahlt und sollen auch noch weiter verzichten."

Flüge könnten umgeklappt werden

Sollte Ryanair seine Drohung, so der Weezer, wahrmachen, würde das zwar nicht bedeuten, dass von Weeze aus nicht mehr geflogen, sondern so wie in Eindhoven verfahren würde. "Im Fachjargon heißt das, die Flüge werden umgeklappt: Ein Flug von Weeze nach Porto und zurück würde künftig umgekehrt starten, also von Porto nach Weeze und wieder zurück."
Nichtsdestotrotz seien das zweifelsohne schlechte Nachrichten für die Region, so Knechten: "Das wirkt sich natürlich auch auf das Verhalten der Passagiere aus, die künftig überlegen werden, ob sie noch von Weeze aus fliegen wollen."
Und auch die Flughafengegner bekämen wieder frischen Wind, glaubt Knechten: "Dabei sollte man zunächst mal abwarten, wie die Verhandlungen weitergehen und positiv denken! Aber auch schon fünf Prozent sind für viele Mitarbeiter schon viel Geld!"
Eine erste Reaktion zu den Ryanair-Plänen kam prompt von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK) in Duisburg: „Ein Abzug der Ryanair-Flotte wäre ein ernst zu nehmender Verlust für den Flughafen Weeze. Allerdings bedeutet das keinesfalls, dass er schließen muss. Der Flugbetrieb durch Ryan Air und weitere Gesellschaften ist weiter möglich, die Kostenstrukturen des Airport sind mit die besten am Markt. Der Kreis Kleve und die Gemeinde Weeze stehen hinter dem Flughafen. Auf dieser Basis ist es jetzt entscheidend, tragfähige Konzepte für eine dauerhafte Sicherung zu schaffen", äußert sich IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger zu der Ankündigung.
Auf Anfrage dieser Zeitung erreichte die Redaktion ein Schreiben von Ryanair, in welchem sich die Fluggesellschaft an ihre Piloten und Bord-Crews wendet.

Ryanair schiebt die Schuld auf die Mitarbeiter

In dem Schreiben heißt es folgendermaßen: "Nach neunwöchigen Krisenverhandlungen während der schlimmsten Krise aller Zeiten wurde mit der Pilotengewerkschaft (VC) eine 20-prozentige Lohnkürzung vereinbart. Diese hätte keine Entlassungen zur Folge gehabt, was beispiellos in einer Zeit wäre, in der Fluggesellschaften in ganz Deutschland Insolvenz, enorme Kürzungen und massive Arbeitsplatzverluste ankündigten. Am Dienstag antwortete die Pilotengewerkschaft nun, dass diese Dringlichkeitsvereinbarung nach einer Abstimmung mit 49,4 Prozent der Stimmen abgelehnt wurde", wie Ryanair mitteilt: "Somit hat die Pilotengewerkschaft für den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Stützpunkten gestimmt, obwohl sie alle Arbeitsplätze hätte erhalten können."
Für Weeze heißt es von Ryanair: Die Basis wird im Winter diesen Jahres geschlossen. In der kommenden Woche wird es ein Update geben, wann genau das sein wird.

Autor:

Franz Geib aus Goch

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