Schulleiter der Hemeraner Gesamtschule zur Nichtteilnahme an "Karriere im MK"

Bei den Achtklässlern der Gesamtschule Hemer (hier die Klasse 8c) laufen zurzeit die Potenzialanalyse bzw. die Berufsorientierungswoche. Foto: Schulte
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Gute Gründe statt Desinteresse

Bereits im Vorfeld der diesjährigen Ausbildungsbörse "Karriere im MK" beklagten die Organisatoren ein zunehmend geringer werdendes Interesse von Schülern und Schulen an diesem Angebot. Nachfolgend nimmt Kai Hartmann, Leiter der Hemeraner Gesamtschule, zu dieser Problematik aus Schul-Sicht Stellung.

Von Christoph Schulte

Hemer. Eines sei ihm dabei gleich zu Beginn ganz wichtig, so Kai Hartmann: "Keiner von uns lehnt die Ausbildungsbörse ab. Ganz im Gegenteil. 'Karriere im MK' ist ein überaus sinnvolles und hilfreiches Instrument für unsere Schüler bei der Berufsfindung." Als Beispiel nennt der Hemeraner Pädagoge den Fall einer Mutter, deren Tochter sich für den Beruf der Justizvollzugsbeamtin interessierte. "Als mich die Mutter am vergangenen Dienstag darauf ansprach, habe ich ihr geraten, sie möge doch umgehend nach Iserlohn auf die Ausbildungsbörse fahren, weil dort auch die NRW-Justiz stets mit einem Stand vertreten ist. Abends erhielt ich dann die Nachricht der glücklichen Mutter, dass es sofort mit einem Praktikum geklappt hat."
"Für eine Nichtteilnahme spielt der bislang nicht diskutierbare, starre Veranstaltungstermin von 'Karriere im MK' sicherlich die entscheidende Rolle und nicht das grundsätzliche Desinteresse", glaubt der Hemeraner Schulleiter. Es könne und dürfe schließlich nicht sein, dass sich eine Schule in erster Priorität an einer Veranstaltung von außen orientiere.
In den ersten Klassenpflegschaftssitzungen in diesem Schuljahr habe er einigen Eltern auf Nachfrage erklärt, warum in diesem Jahr die Jahrgänge 9, 10 und 13 der Hemeraner Gesamtschule nicht an der Ausbildungsbörse teilnehmen konnten.
Der Zeitpunkt Herbst für den Start in die Berufsorientierung und -ausbildung sei zwar richtig, da viele Firmen im Herbst beginnen, Auszubildende für das neue Ausbildungsjahr zu suchen. Schulen hätten allerdings häufig zu dieser Zeit, also direkt nach den Sommerferien, Klassen und Abschlussfahrten, Schülerbetriebspraktika und Projektwochen. An vielen Schulen sind diese in sog. Fahrtenwochen zusammengefasst, damit der Unterrichtsausfall bzw. Vertretungsaufwand so gering wie möglich ist. Vor den Ferien sei eine Fahrtenwoche aufgrund zentraler Abschlussprüfungen in Klasse 10 und Abitur nicht möglich, weil viele Lehrkräfte dabei eingespannt sind.
Das sehr gute Vorbereitungsangebot der Organisatoren von "Karriere im MK" sei kostenlos und zielführend. Allerdings müssten die Termine für die Vorbereitung an den Schulen bereits vor den Sommerferien geblockt werden. Da der Stundenplan an jeder Schule erst in den Sommerferien erstellt wird, könne man vor den Ferien noch gar nicht sagen, welche Stunden für diese Vorbereitung (ca. 90 min) ausfallen. Falls dann möglicher Kernunterricht für die Vorbereitungsveranstaltung ausfällt, bemängelten Eltern das zu Recht. "Und Unterrichtsausfall zu vermeiden und Fachunterricht durchzuführen, gehört nun mal zum Kerngeschäft von Schulen", betont Kai Hartmann.
Außerdem weist der Pädagoge darauf hin, dass jede Schule die berufliche Orientierung für die Schüler bereits lehrplangemäß durch das Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss" umzusetzen hat. Es beinhaltet u.a. eine individuelle Stärkenanalyse und eine Berufsfelderkundung (mind. drei Tagespraktika) in Jahrgang 8, ein zwei- bis dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum, eine Anschlussvereinbarung zwischen Schüler und Schule, Bewerbungstrainings z.T. mit Kooperationspartnern und intensiver individueller Beratung durch Lehrkräfte und die Agentur für Arbeit als Kooperationspartner für alle Schulen in Jahrgang 9 und die Intensivphase in Jahrgang 10.
"Doch wir bieten an der Gesamtschule unseren Schülern freiwillig noch weitere Aktionen im Bereich Berufsorientierung", erläutert Kai Hartmann, "dazu gehört eine kleine Ausbildungsbörse mit unseren Kooperationspartnern im Februar für Schüler und Eltern der Jahrgäng 9 und 10 genauso wie wöchentliche Beratungsangebote durch zwei ehrenamtliche 'Joblotsen'".
Und er sei sich sicher, dass viele andere Schulen ebenfalls über das Standardangebot diverse andere zusätzliche Module in der beruflichen Orientierung anbieten.
Für ihn persönlich sei und bleibe "Karriere im MK" daher ein zusätzliches, ergänzendes, sehr gutes Angebot, um frühzeitig Praktikums- und Ausbildungsplätze zu finden. "Aber in der Verantwortung bleiben in erster Linie die Eltern und die Jugendlichen selbst."

Autor:

Christoph Schulte aus Hemer

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