Könnten Covid-Schnelltests alles verändern? Ein Selbstversuch
30 Minuten bangen

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Noch 17 Minuten, dann weiß ich mehr. Der Timer läuft seit 13 Minuten, die Nervosität steigt, obwohl es keine Anzeichen für eine Infektion gibt. Doch ich will es wissen! Will wissen, wie ein Corona-Schnelltest funktioniert. Und, ob die kleinen Plastikteile ein "Gamechanger" für die Wirtschaft, für Urlaubsreisen, für Besuche bei Oma im Seniorenheim sein könnten.

Bisher können Schnelltests nur vom medizinischen Personal bestellt werden. Für unseren Test im STADTSPIEGEL haben wir einen zur Verfügung gestellt bekommen. Derzeit kosten solche kleinen Helferlein um die 25 Euro - pro Stück.
Mithilfe von Schnelltests sollen seit dem 9. November die Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen besser geschützt werden. Später könnten sich auch Besucher häufig und relativ preiswert testen lassen.
In stationären Einrichtungen sollen pro Bewohner 20 solcher Tests pro Monat zur Verfügung gestellt werden. Das Gesundheitsamt muss das Testkonzept genehmigen, Krankenkassen und Pflegeversicherungen übernehmen die Kosten, die vom Staat erstattet werden. Die Hersteller produzieren auf Hochtouren.

Schnelltests haben alle Corona-Viren im Visier

Der Test, den ich hier vor mir liegen habe, ist ein sogenannter Antigen-Test. Mithilfe eines Wachsstäbchens muss ich tief, sehr tief in meine beiden Nasenlöcher eindringen. So tief, dass ich spontan mit einem Niesanfall reagiere. Das ist natürlich ungünstig, man will seine Viren ja eben nicht wie wild durch die Gegend schubsen.
Antigen-Schnelltests sollen nach wie vor von geschultem Personal durchgeführt werden, denn es können dabei Fehler gemacht werden, die das Testergebnis verfälschen.
Inzwischen können Schnelltests schon innerhalb von 30 Minuten am Ort des Testes eine Infektion nachweisen. Aber Achtung: Die Antigentests sind nicht so zuverlässig wie ein Labortest und haben einen weiteren gewaltigen Nachteil: Es kann gelegentlich vorkommen, dass ein Test nicht wegen SARS-CoV-2 positiv ist, sondern wegen eines anderen Virus' aus der Corona-Familie.

Qualität der Tests ist gut

Labore wie das Labor der Berliner Charité haben die Qualität dieser Tests überprüft. Die besten erkennen 96 Prozent der Infizierten als infiziert und bis zu 99 Prozent der Gesunden als gesund.
Zurück zu meinem Wattestäbchen: Der Test ist ähnlich simpel wie ein Schwangerschaftstest (habe ich mir sagen lassen): Man bringt die Probe aus der Nase (in jedem Nasenloch fünfmal rumdrehen) auf den Teststick und dieser reagiert nach rund 30 Minuten mit einem feinen blauen Strich. Sollte ein zweiter erscheinen... Ab zum Arzt!
Wegen dieser ganzen Nachteile, ist der Einsatz von Schnelltests auf spezielle Situationen begrenzt, zum Beispiel Testungen in Notaufnahmen, Ambulanzen oder Pflegeeinrichtungen.
Ein negatives Ergebnis im Antigentest schließt eine Infektion sogar nicht unbedingt aus. Zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion liegt meist nur eine niedrige Viruslast vor. Daher ist der Test immer nur als Momentaufnahme zu sehen. Aber: An diesem Tag wird man wahrscheinlich niemanden anstecken. Ein positives Ergebnis hingegen spricht höchstwahrscheinlich für das vorliegen einer Infektion und muss mittels eines PCR-Tests bestätigt werden. Danach richtet sich auch die Meldepflicht an das Gesundheitsamt. Also eher kein "Gamechanger". Dennoch könnten diese Tests in vielen Situationen helfen, etwa, wenn es zu einem akuten Ausbruch kommt. Schnelltests verringern dabei die Zeit, in denen unbemerkt weitere Personen angesteckt werden könnten.
Auch im Schulbetrieb oder bei größeren Veranstaltungen wäre ein Einsatz denkbar, da dort PCR-Labortests viel zu aufwändig wären und auch viel zu lange dauern würden. Schnelltests könnten Superspreading-Events verhindern.
Ob verbesserte Schnelltests etwa das Reisen risikolos ermöglichen, vermag ich nicht zu sagen. Diese Pandemie macht es uns einfach nicht leicht.
Ach, da war ja noch 'was... Als mein Wecker 30 Minuten nach dem Nasenabenteuer klingelt, ist das Ergebnis negativ. Trotz aller oben genannten bekannten Unsicherheiten: Es ist ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Erleichterung. Zum ersten Mal seit langer Zeit. Und das ist ja auch schon einmal was... Bisher können Schnelltests nur vom medizinischen Personal bestellt werden. Für unseren Test haben wir einen zur Verfügung gestellt bekommen.

Autor:

Thorsten Seiffert aus Herten

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