Stadtspiegel blickt hinter die Kulissen
Was der Badegast nicht weiß

Thore Hohmann ist Copa-Auszubildender im dritten Lehrjahr. Hier nimmt er eine Wasserprobe am Solebecken. Fotos: sara
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  • Thore Hohmann ist Copa-Auszubildender im dritten Lehrjahr. Hier nimmt er eine Wasserprobe am Solebecken. Fotos: sara
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Wenn das Copa Ca Backum früh um 7 Uhr sein Hallenbad öffnet, stehen am Haupteingang die Gäste schon Schlange. Mancher kommt seit 30 Jahren dort her, hat seinen festen Spind, benutzt immer die gleiche Bahn. Was viele Frühschwimmer nicht wissen: Der Betrieb hinter den Kulissen beginnt ganze zwei Stunden früher.

Von Sara Drees

5 Uhr morgens, draußen ist es noch dunkel. Kai Weinhardt ist an Allerheiligen die erste Fachkraft in der Erlebnisanlage. Der Feiertag unterscheidet sich hier von keinem regulären Werktag, denn bis auf Ostersonntag, Weihnachten, Silvester und Revision, also der jährlichen Wartungs- und Reinigungsarbeiten, ist das Bad immer geöffnet. "Zeit zum Reden haben wir jetzt aber nicht, denn das Reinigungspersonal wartet darauf, dass ich aufschließe!", eilt Kai schon los: vom Kassenbereich geht es durch die Umkleiden, vorbei an den Becken und den Saunen bis in die Gastronomie. Überall liegen schon die Wasserschläuche aus; Putzeimer und Staubsauger stehen bereit. "Das sind eine ganze Menge Türen und Lichter", grinst der Mitarbeiter nach rund 15 Minuten, bevor er sich in seine Arbeitskleidung wirft. "Und jetzt startet der zweite Rundgang - der technische."
Kai Weinhardt folgte vor rund 17 Jahren einer Ausschreibung in der Zeitung. Als begeisterter Schwimmer gefiel ihm die Idee, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er absolvierte eine dreijährige Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe und steht seitdem, mit nur kurzer Unterbrechung, in Herten am Beckenrand. Das Team arbeitet im Schichtdienst, immer vier Fachkollegen sind vor Ort, unterstützt von Bade- und Saunawärtern, Aushilfen sowie einem Elektriker und zwei Anlagenmechanikern im Sanitärbereich. Am meisten gefällt Kai an seiner Tätigkeit die Abwechslung: Er ist Techniker, ein bisschen Chemiker, Sicherheitspersonal und Entertainer - alles in einer Person. "90 Prozent unserer Aufmerksamkeit gilt natürlich den Badegästen", betont Kollegin Sabine Moers, die kürzlich ihr 35. Berufsjubiläum feierte und damit die gesamte Geschichte des Copa begleitete. Immer präsent zu sein und sich dabei trotzdem dezent im Hintergrund zu halten, das sei das Geheimnis. "Mit der Routine entwickelt man einfach ein inneres Gespür dafür, wo potenzielle Gefahren schlummern oder ein Geräusch nicht hingehört", erklärt Sabine. So könnten sich die Gäste stets sicher, aber ungestört fühlen.
Bevor jedoch die Bäder zum Schwimmen freigegeben werden können, gibt es noch allerhand zu tun. Kai ist schon wieder unterwegs und arbeitet seine Listen ab. Diesmal geht es dorthin, wo der Durchgang ausschließlich dem Personal vorbehalten ist: durch die Hintereingänge und in die Keller unterhalb der großen Becken. Dort stehen zum Beispiel die großen Wassserpumpen und das eigene Blockheizkraftwerk (BHKW), welches neben der Raumwärme auch für die Beheizung der Becken und für warmes Duschwasser sorgt. Ein Großteil der Anlagen ist mittlerweile digital. "Gestern hatten wir im Schwimmerbecken einen Verbrauch von 12 Kubikmetern Frischwasser, also 12.000 Litern", liest Kai von einem der Zähler ab. "Übrigens werden unsere Becken aus unserem eigenen Brunnen befüllt", berichtet er, während er alle Daten akribisch dokumentiert. Auch die Wasserqualität, zum Beispiel pH- und Chlor-Wert, wird täglich ausgewertet. "Einmal monatlich gibt es zudem eine Prüfung durch das Hygiene-Institut", erklärt Kai. Würden die Zahlen nicht den strengen EU-Vorgaben entsprechen, hätte das eine sofortige Schließung der Becken zur Folge. "Das habe ich aber noch nie erlebt." Gegen 6.20 Uhr ist das gesamte Gebäude abgearbeitet und Zeit für die erste Pause. "Ich hatte mal einen Schrittzähler dabei, der lag nach der Schicht bei etwa 16.000", erinnert sich Kollege Jens Wiesmann beim Kaffee. "Dazu schleppen wir bis zu 50 Kilogramm schwere Kanister - ein Fitnessstudio brauchen wir hier also nicht."

Viele Kurse

Sobald die Türen fürs Publikum geöffnet werden - ab 7 Uhr das Hallen- und ab 8 Uhr das Freizeitbad - geht es nur noch bei technischen Ausfällen in den Keller. Die Haupttätigkeit liegt dann bei der Schwimmaufsicht. "Wir nehmen aber auch Schwimmabzeichen ab oder kümmern uns um die Saunaaufgüsse", erzählt Azubi Thore Hohmann. Ebenfalls in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden sei der Unterhaltungsfaktor. Neben Schwimmkursen, Wassergymnastik und Aqua Cycling gibt es besondere Kurse wie das Latin Aqua Dance (immer freitagsabends). Regelmäßige Veranstaltungen wie das Halloween-Special oder die Kino-Poolparty am 16. November werden liebevoll vom Personal vorbereitet und begleitet.
Langweilig wird es im Copa jedenfalls nie: Nach 30 Jahren steht mit den großen Umbau- und Sanierungsarbeiten bereits das nächste Highlight vor der Tür. Mehr dazu unter www.lokalkompass.de/1117269.

Autor:

Thorsten Seiffert aus Herten

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