Das Moers Festival vier Tage live und in Farbe für jeden zu sehen
mœrs festival Phase III – Frei im Orbit

Sjaella | Foto: Nils Brinkmeier / mœrs festival
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Am dritten Tag des Experiments rast das Raumschiff „mœrs festival“ weiterhin um den Planeten Erde und versorgt die Menschen mit unerhörten Klängen. Offensichtlich erweitert sich das Einflussgebiet kontinuierlich, denn Nachrichten aus allen Erdteilen treffen in zunehmender Zahl im Moerser Kontrollzentrum ein. Hier entwickelte sich mittlerweile eine Routine, denn die intensiven Planungen zahlen sich aus, die Live-Stream-Übertragungen sind äußerst stabil, die Bilder scharf, der Ton high-fidel. Jan Klare, der Kurator der „mœrs sessions“ bat am Samstagabend speziell für die komplette Übertragungscrew um einen Sonderapplaus, der auf den unerschöpflichen Wegen des Internets in vielfacher Form im Sendezentrum eintraf.

Der Autor dieses Artikels war am Sonntag nicht live vor Ort in der Festivalhalle, denn, wie schon im Artikel zum Freitag geschrieben, die Zahl der Zuschauer ist limitiert. Damit so viele Musikredakteure wie möglich sich einen Eindruck von den Geschehnissen vor Ort machen konnten, wurden die Tage aufgeteilt. Das Festivalteam versorgte die Akkreditierten mit Informationen und Fragen wurden zügig beantwortet sowie Interviewwünsche terminiert.

Das Programm des Sonntags stand den hochwertigen Vortagen in nichts nach. Rajesh Metha improvisierte mit G.-E. Schneider, Keith O´Brien und Chad Popple, dabei setzte er seine Hybrid-Instrumente (Methas eigene Bezeichnung) ein. Dies ist beispielsweise eine umgebaute Trompete, die ihm erlaubt, für einen Bläser ungewöhnliche Klänge zu blasen. In Moers trugen sie das Werk „Sky Cage“ vor. Patricia Martin, Kai Schumacher, Benedikt ter Braak und Mirela Zhulali stellten ihr Programm „Evel Nigger“ vor, das einst Julius Eastman komponierte. Ein provokanter Titel, eine minimalistische Aufführung mit großer Wirkung. Nach „Plan Kruutntoone“, unterstützt von Reinier van Houdt, die ihren schrägen niederländischen Humor in Folkmusikansätzen präsentierten, setzten sich „Sjaella“ in Szene. Die sechs Leipzigerinnen singen a cappella Kirchen- und Volksmusik, deren Ursprung in den nordischen Ländern liegt. Was für ein Kontrastprogramm zu den Jazzern und für die Jazzer!

Es folgte das Klaviertrio „Grünen“, das Duo Jan Jelinek & Sven-Ake Johansson und die Großformation „POTSA LOTSA XL“. Danach war wieder ein Duo am Start: Conny Bauer mit Dag Magnus Narvesen und Jan Klares dritte „mœrs sessions“ brachte wieder drei kurzfristig zusammen gewürfelte Trios auf die Bühne.

Ein besonderer Moment ereignete sich zu Beginn des Konzerts des Duos „Lumisokea“, die Musiker Koenraad Ecker und Andrea Taeggi erinnerten an Sanne van Heek, die kürzlich am 7. April völlig unerwartet verstarb. Sanne van Heek war im Jahr 2010 die Improviser in Residence in Moers. Ein Photo von ihr wurde auf dem Equipment platziert. Andrea Taeggi dürfte bei den Moerser Freunden noch frisch in Erinnerung sein, sein letztjähriger Auftritt war sensationell. Taeggi bediente mehrere alte analoge Synthesizer aus der guten alten Zeit, als diese Musikinstrumente noch Ausmaße von Kleiderschränken hatten. Dieses Jahr durften es jedoch wieder die digitalen Maschinen sein. Zusammen mit Ecker, ebenfalls Elektroniker, spann Taeggi die Soundwaben und -fäden für eine lange Weltraumreise – ein gelungener Ausklang für den Sonntag.

Autor:

Klaus Denzer aus Moers

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