Schaf fühlt sich in der Heidschnucken-Kuschelgruppe von Dagmar und Horst Manja tierisch wohl
Ausreißer fand ein neues Zuhause

Habtom Gebrezgabher, Dagmar und Horst Manja, und Britta Häusser bei ihren Schützlingen. Alles fand ein gutes Ende!
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  • Habtom Gebrezgabher, Dagmar und Horst Manja, und Britta Häusser bei ihren Schützlingen. Alles fand ein gutes Ende!
  • Foto: Heike Cervellera
  • hochgeladen von Nadine Scholtheis

Dora, Lisa, Katla, Alwin und eine namenlose Heidschnucke, scherzhaft „Schlitzohr“ genannt, fühlen sich einfach tierisch wohl in ihrer Kuschelgruppe. Seit kurzem gibt es Zuwachs in ihrer kleinen Herde. Ein noch namenloses Schaf, das eine weite Reise hinter sich hat. Bei Dagmar und Horst Manja hat es nach etlichen Strapazen auf einer saftigen grünen Wiese in Kapellen, die im Besitz der Familie Heinen ist, ein neues Zuhause gefunden. Endlich! Denn das noch junge Schaf von schätzungsweise zwei Jahren, war über einen Monat lang in den heimischen Wiesen und Wäldern alleine unterwegs...
„Woher der Ausreißer kommt, ist bis jetzt ungewiss. Niemand meldete sich auf eine von der Stadt freigegebene Suche. Wahrscheinlich ist es irgendwo ausgerissen“, vermutet Horst Manja.

Erste Sichtung Anfang Oktober

Bereits Anfang Oktober war das Schaf im Bereich Nieper Straße /Lauersforter Straße gesichtet worden. Alle Versuche es einzufangen scheiterten. Dann war es für lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. „Scheinbar fühlte sich für eine weitere Suche niemand verantwortlich. Es wurde jedenfalls nichts weiter unternommen“, so Manja weiter. Bis, ja, bis zum 21. Oktober. Knapp drei Wochen waren bis zu diesem Zeitpunkt seit der ersten Sichtung des Tieres ins Land gegangen. Dieser Tag sollte das Schicksal des ängstlichen Ausreißers ein für alle mal verändern. Britta Häusser fuhr mit ihrem Auto die Kaldenhausener Straße entlang, als plötzlich von rechts aus dem Lärchenweg ein Schaf über die Straße lief und geradeaus Richtung Küppersweg marschierte. „Ich dachte, das darf nicht wahr sein. Ich traute meinen Augen nicht“, verrät die Moerserin. „Kurzentschlossen stieg ich aus, um Hilfe zu holen und das Schaf so vor dem Verkehr auf der stark befahrerenen Straße zu retten.“
Und nun folgte eine dramatische Rettungsaktion, die an Szenen aus einem Action-Film erinnert. Britta Häusser klingelte verzweifelt an einer Haustür. Ohne Erfolg. Die Moerserin fragte zwei in der Nähe stehende Männer um Hilfe, die jedoch leider kein Deutsch verstanden. Britta Häusser verfolgte das Schaf, das sich jedoch, vermutlich aus Angst, immer weiter von ihr entfernte. „Ich rief die Polizei an“, erinnert sich die junge Frau. „Doch dort bekam ich leider keine Hilfe. Ich wäre mit der Polizei Duisburg verbunden, hieß es. Die könnte mir im Moerser Gebiet leider nicht helfen. Ebenso wenig die Feuerwehr.“

Dramatische Rettungsaktion

Irgendwann blieb das Schaf auf einem Parkplatz Nummer 4 am Elfrather See stehen. Britta Häusser: „Ich erinnerte mich, dass ich die Nummer von Tierarzt Dr. Preutenborbeck noch in meinem Handy gespeichert hatte. Also rief ich schnell dort an. Die Sprechstundenhilfe gab mir dann die Nummer von Horst Manja, der seit vielen Jahren mit dem Tierarzt in Verbindung steht und sich mit Heidschnucken und Schafen bestens auskennt.“ Dann ging alles ganz schnell. Dagmar und Horst Manja fuhren mit Habtom Gebrezgabher, einem Afrikaner, der durch das Tuwas „Vier Jahreszeiten-Projekt“ in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter bei Horst Manjas Landschaftspflege eingesetzt wird, zu Britta Häusser und dem Schaf, das sich inzwischen in der Nähe des Minigolfplatzes aufhielt. Auf dem Parkplatz am Elfrather See am Reitweg versuchten die Retter das Schaf vorsichtig einzufangen. Inzwischen war auch Seewart Marco Malune vom Krefelder Ordnungsamt eingetroffen, der mit vollem Verständnis die Rettungsaktion begleitete. Doch das Schaf wollte noch nicht so recht. Das erschöpfte und abgemagerte Tier schwamm im See rund 200 Meter bis zum anderen Ufer. „Ich dachte, jetzt ist es vorbei“, so Britta Häusser. Horst Manja ergänzt: „Wenn sich die dicke Wolle bei einem Schaf voll Wasser saugt, ist es gut möglich, dass das Tier ertrinkt. Wir hatten große Sorge um den Ausreißer.“
Am anderen Ufer angelangt, traf das Tier auf eine Bucht. Seine Helfer fanden inzwischen Unterstützung bei einem Bootsfahrer, der mit seinem Katamaran auf dem See zur Hilfe kam. Durch den mutigen Einsatz des Bootsfahrers Paul te Neues und Habtom Gebrezgabher, konnte das erschöpfte Tier dann endlich in der Bucht von beiden gesichert werden. „Es war sichtlich mitgenommen, wirkte aber auch erleichtert, als es seinen Kopf auf meinen Schoß legte“, freut sich Britta Häusser. Bei Tierarzt Dr. Preutenborbeck wurde es sofort untersucht und bestmöglich medizinisch versorgt.

Neues Zuhause gefunden

Nach der großen vierstündigen Aktion mit Fangen und Versorgen, fand das Schaf, das, so Horst Manja, verschiedene Rassen in sich trägt, ein vorübergehendes Zuhause im Streichelzoo im Moerser Freizeitpark. Seit ein paar Tagen ist es nun in der fürsorglichen Obhut von Ehepaar Manja. „Es hat sich schon gut eingelebt. Gleich am ersten Tag hat die Herde die neue Bewohnerin akzeptiert“, erzählt Dagmar Manja froh. Der Neuzugang der Kuschelgruppe besitzt nun auch eine Betriebsnummer und eine persönliche Nummer, damit jeder Veterinär das Tier zuordnen kann und weiß, welche Medikamente es bekommen hat. Es lebt, aufgrund des „Rechtes auf Zeit“, zunächst für sechs Monate bei den Manjas, die insgesamt 30 Heidschnucken ein Zuhause geben. Alle sind zutraulich und einige wurden mit der Flasche aufgezogen. „Unter seinen Artgenossen fühlt sich das Schaf wohl. Die Herde strahlt eine Ruhe aus, die für das Tier ein großer Vorteil ist, um sich schneller einzuleben“, so Horst Manja.
Und wie soll das Schaf heißen? Britta Häusser wird sich einen Namen überlegen. Die Moerserin rettete übrigens vor Jahren ein blutendes Pferd ohne Reiter, das nach einem Unfall ausgerissen war, und eine Schleiereule. „Irgendwie bin ich durch Zufall immer an der richtigen Stelle“, schmunzelt die mutige Tierretterin.

Autor:

Nadine Scholtheis aus Moers

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