Auf der friesischen Lokalkompass-Couch
Lockdown - oder ein ostfriesischer Knockdown?

Foto: Nicole Frischlich
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Auch hier hat alles aufgehört zu atmen, im putzigen Ostfriesland. Die Corona-Krise hat alles in einen andauernden Winterschlaf versetzt. Wenig Menschen, aufatmende Natur und viel Besorgnis hat die Pandemie an die Küste gebracht.

1. An welchem Ort verbringe ich die meiste Zeit zu Hause (wenn ich wach bin)?

Auffällig viel Zeit schauen meine Augen in das Laptop, dabei gibt es viele Tastenbewegungen. Die Pandemie-Stille hat mich allerdings dazu verleitet diese auch als solche wie sie ist, zu nutzen. Als der zweite Lockdown spruchreif wurde, buchte ich zwei Fächer bei einer Fern-Uni. Lernen wollte erst wieder gelernt werden, aber tatsächlich habe ich Spaß daran gefunden. Zur Entspannung suche ich den Ort auf, der normalerweise restlos überlaufen ist und momentan in seinem Dornröschenschlaf schlummert. Wo sich sonst Touristen aus ganz Deutschland die Hand geben, herrscht eine Art andauernder „Winterschlaf“. Langsam habe ich mich an die Ruhe gewöhnt – zu Anfang fühlte ich mich fehlplatziert, wenn ich auf den Hafen von Greetsiel blickte. Auch das die drei Ferienhäuser um mich herum „unbewohnt“ sind, ist ungewohnt. Dabei war es charmant jede Woche neue Dialekte zu hören.

2. Welcher Gegenstand ist mir während des Lockdowns besonders ans Herz gewachsen?

Tatsächlich die Gartenhandschuhe. Die Liebe zur Gartentätigkeit hat stark zugenommen und wir sind von einem Ehe-Versprechen gar nicht mehr so weit entfernt.

3. Das hängt mir mittlerweile richtig zum Hals heraus...

Die Maske – vor allem wenn ich fotografiere bzw. beruflich fotografieren muss. Ständig beschlägt alles und die Einstellungen werden zum Blindflug. Mir fehlen die kleinen Feste, die Hinterhof-Konzerte, der Plausch in einer gemütlichen Runde oder der spontane „Feierabend-Wein“. Wie eine Parabel steigt das Denunziantentum an. Ängste verstecken sich gerne hinter Aggressivität. Frust liest sich auch hier in Ostfriesland, wo viele Menschen vom Tourismus abhängig sind, in vielen Gesichtern. Ich vermisse es in einem Café,  z.B. in Emden am Hafen zu sitzen und einfach abzuschalten.

4. Das mache ich in der Regel, wenn ich gerade nicht zu Hause bin.

Auf der Jagd nach wunderbaren Landschaftsbildern sein. Aus Lust und Laune und weil viele Ostfriesland-Liebhaber gerade nicht reisen dürfen, hatte ich die spontane Idee zu einem „Hobby-Influencer“ auf Instagram zu mutieren. Jeden Tag ein Bild von der Küste mit ein paar Zeilen, die mir aus der Seele sprechen zu erstellen. #greetsielblog macht Lust auf Kreativität.

5. Das kann ruhig auch so bleiben, wenn der "Lockdown" wieder vorbei ist.

Die Pandemie hat uns geerdet. Vorher hieß es höher, schneller und weiter. Alles flog an uns vorbei. Vieles verblieb sogar ungesehen, weil wir gar nicht mehr den Fokus dafür besaßen. Muss es heute Sylt und morgen Dubai sein?  Macht Reise-Stress tatsächlich so viel Spaß? Müssen wir zur jeder Saison neue Kleidung ordern, um „hip“ zu bleiben? War nicht vieles schon viel zu selbstverständlich? Und ist es nicht auch legitim einfach einmal „down“ zu sein im Alltag?

Foto: Nicole Frischlich
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Autor:

Nicole Frischlich aus Recklinghausen

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