Arbeitsagentur feiert 60. Geburtstag - Ausstellung zum Jubiläum

Sigrid von Elbwart präsentiert Mitarbeitern und Ehemaligen eine Blechbüchse, mit der früher entschieden wurde, ob Schlechtwettergeld gezahlt wird oder nicht. Foto: privat
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Früher war es die Bundesanstalt für Arbeit und das Arbeitsamt Recklinghausen, heute die Bundesagentur für Arbeit mit der Agentur für Arbeit Recklinghausen. Doch eine neue Verpackung allein macht aus einem Taschenrechner noch keinen Hochleistungscomputer.
Was sich innerhalb der Arbeitsagentur verändert und sie zum modernen Dienstleister auf dem Arbeitsmarkt gemacht hat, halten Mitarbeiter jetzt in einer Ausstellung fest.Jährlich treffen sich ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kurz vor Weihnachten in der Kantine der Arbeitsagentur, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen über den längst vergangenen Arbeitsalltag.
Die meisten von ihnen sind viele Jahre raus aus der BA und fühlen sich dennoch nach wie vor mit ihr verbunden. Ein guter Anlass, gesammelte Werke aus früheren Zeiten zusammenzutragen.
Das dachte auch Abiturientenberaterin Sigrid von Elbwart, selbst seit 1974 fester Bestandteil der Agentur, als sie gemeinsam mit der Geschäftsleitung beschloss, an diesem Tag aus dem Nähkästchen zu plaudern. Anlass: Die Eröffnung einer Ausstellung, verbunden mit einem „Vitrinengespräch“, für ehemalige und aktuell beschäftigte Mitarbeiter.
„Viele Kolleginnen und Kollegen können sich heute gar nicht vorstellen, wie wir früher gearbeitet haben“, erklärt Sigrid von Elbwart. „Wir hatten keine Computer, die Arbeitsmarktstatistiken haben wir selbst händisch ausgezählt, unsere Kunden wurden im Karteikartensystem abgelegt. Der Computer hat uns insgesamt viele neue Möglichkeiten eröffnet, die Arbeit damals hatte aber auch ihren eigenen und ganz besonderen Charme“, ist sie sicher.
Als Beweis hält sie eine Blechbüchse in die Luft, auf der in dicken Lettern das Wort „Regenmesser nach Prof. Hellmann“ prangt. „Damit haben wir damals darüber entschieden, ob Schlechtwettergeld gezahlt wurde. War die Büchse, die auf dem Dach des Arbeitsamtes stand, bis zum Strich mit Regenwasser oder Schnee gefüllt, war der Beweis erbracht, dass das Wetter schlecht genug ist“, schmunzelt sie.
Die ehemaligen Mitarbeiter, die sich in der 7. Etage zusammengefunden haben, nicken bestätigend beim Anblick der Erinnerungsstücke. Jeder von ihnen findet darunter Vertrautes.
Die alte „Arbeitslosen Meldekarte“ aus dem Deutschen Reich zum Beispiel. Sie zeugt aus einer Zeit, als jeder Besuch beim Amt noch mit einem Stempel quittiert und Arbeitslosigkeit daher um-gangssprachlich als „stempeln“ bezeichnet wurde. Oder die Sitzungsprotokolle von 1924, die aufgrund der - für an heutige Schriftarten gewöhnte Augen - schwierig zu entziffernden Sütterlinschrift kaum noch zu lesen sind.
Auch geschichtlich Pikantes findet sich unter den alten Schätzchen. Ein handgefertigter Bildband gibt Aufschluss über die Erfolge der „Wertschaffenden Arbeitslosenhilfe“, Vorreiter der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Sie diente der Bewältigung von sogenannten Notstandsarbeiten. So wurde mit ihrer Hilfe zum Beispiel die Kanalisation in Recklinghausen Hochlarmark ver- sowie die Mollbeck angelegt.
„Geburtstage sind immer Anlässe, um Revue passieren zu lassen, um sich der kleineren und größeren Veränderungen zu erinnern und sich ihrer Bedeutung für die Gegenwart bewusst zu werden“, verdeutlicht Agenturleiter Dr. Dietmar Thönnes. Ihm ist wichtig, sowohl den ehemaligen als auch den heutigen Mitarbeitenden einen Einblick in die Entwicklung der Arbeitsagentur und ihrer Arbeitsabläufe zu verschaffen und damit zum Gedankenaustausch anzuregen.
Bis Ende Februar stehen die Exponate zur Verfügung, danach werden sie von Sigrid von Elbwart wohlbehütet bis zum nächsten Jubiläum verstaut.

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