Radeln mit der Zebraherde

Das Radteam Garth Humphries, Rod Gilley (Ians Vater und Team Manager) und Ian Gilley vor grandioser Kulisse. | Foto: Melanie Franssen
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  • Das Radteam Garth Humphries, Rod Gilley (Ians Vater und Team Manager) und Ian Gilley vor grandioser Kulisse.
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Eine Herde Zebras, Gnus und auch die wilden Giraffen haben sie nicht in Aufregung versetzt - mit diesen Tieren hat man in Südafrika öfter zu tun. Ein Rudel Löwen jedoch ließ das Herz von Melanie Franssen dann doch etwas schneller schlagen.

von Judith Schmitz

Seit fünf Jahren lebt die Bottroperin in Südafrika. „Wer dieses Land jemals bereist hat, weiß um die sagenhafte Landschaft, die Freundlichkeit der Menschen und die einzigartige Tierwelt“, schwärmt sie. In diesen Tagen begleitet die Bottroperin als Betreuerin zwei Freunde, Garth Humphries und Ian Gilley, beim „joBerg2c Mountainbike Rennen“. Rund 300 Teams bestreiten es in diesem Jahr, wobei jedes Team aus zwei Fahrern besteht. Neun Tage lang führt diese Sportveranstaltung rund 930 Kilometer durch die schönsten Teile der südafrikanischen Landschaft, von Johannesburg durch die Weiten Natals, die Höhen und Tiefen der Drakensberge bis zur Küste Durbans bis nach Scottburgh.
„Verstehen kann man das am besten, wenn man um die Sportbegeisterung der Südafrikaner weiß und um ihre Vorliebe in der Natur soviel Zeit wie möglich zu verbringen“, erzählt Melanie Franssen. „Organisiert wird das Ganze von den Farmern, über deren Land das Rennen führt. Sie versorgen uns mit Essen in den jeweiligen Tageslagern, bauen die Zeltlager für die Nacht auf und geben die wichtige mentale Unterstützung. Dabei fühle ich mich schon ein wenig an meine gute alte Zeit bei den Pfadfindern in Bottrop erinnert, nur dass wir hier mit rund 700 Menschen unterwegs sind und man das zugeteilte Zelt nur mit Hilfe eines Lageplans finden kann. Auch muss ich gestehen, dass einem mit 39 Jahren ein Bett doch lieber ist als eine Matte, aber die Erlebnisse jeden Tages sind die größte Belohnung.“
Während Garth Humphries (41) und Ian Gilley (38) auf der oft schwierigen und anspruchsvollen Strecke strampeln, begleiten Melanie Franssen und Ians Vater die beiden Sportler im Tourbus. „Der erste Teil führte uns von Karan Beef (nahe Heidelberg) 113 Kilometer bis nach Frankfort. Ich muss schon manchmal lachen, wenn man mitten im afrikanischen Weideland auf Orte mit diesen Namen trifft“, schmunzelt die Wahl-Afrikanerin. Auf der Route der Sportler ist weit und breit noch nicht mal ein Hauch von Zivilisation zu spüren - Strom, fließendes Wasser - alles Fremdwörter. „Die paar Telefonmasten, die unseren Weg säumen, dienen einzig und allein den Vögeln als Nistplätze“, erzählt sie weiter. „Afrika pur! Und genau da sind wir gelandet, als unser Tourbus den Geist aufgibt und mit kaputtem Motor nach Johannesburg zurückgebracht werden muss, um dort gegen einen Landrover ausgetauscht zu werden.“ Hierbei hat die Deutsche aber auch einmal mehr erfahren, wie besonders dieses Rennen ist. „Die Farmer haben uns sofort, nachdem wir tatsächlich ein Handy Signal bekommen haben, zur Seite gestanden, uns mit Traktoren abgeschleppt und organisiert, dass wir und die Sachen für die nächste Nacht ins Lager gebracht wurden. Hilfsbereitschaft wird hier wirklich groß geschrieben.“
Der zweite Tag hat die Sportler dann von Frankfort nach Reiz geführt, 93 Kilometer entlang dem Flussbett des Wilge Rivers bis in der Ferne bereits Reiz zu sehen war. Die Mountainbiker wurden auf ihrem Weg ein Stück von einer Herde Zebras begleitet. „Was muss das für ein Gefühl sein!“, kann sich Melanie Franssen auch nach Jahren nicht satt sehen. „Hätten wir gewusst, was auf uns zukam, hätten wir es wahrscheinlich an dieser Stelle dabei belassen. Aber leider war der nötige Austausch des Tourwagens nicht die einzige Herausforderung. Am dritten Tag, auf dem Weg von Reiz nach Sterkfontein, brach Garth mitten im Niemandsland der Rahmen des Rades. Während wir nicht den Hauch einer Möglichkeit hatten den beiden zu helfen, stellte sich ein Schafhirte als Retter heraus, der erfinderisch kurzerhand ein Stück Draht aus dem nahegelegenen Zaun entfernte und damit den Rahmen des Rades notdürftig befestigte - zumindest so gut, dass die zwei bis zur nächsten Wasserstelle kamen, um dort das Ersatzrad in Empfang zu nehmen.“
„Der nächste Tag führte uns 124 Kilometer bis nach Winterton. Diesmal war ich sehr dankbar nicht auf dem Rad zu sein - eine Herde Zebras ist ja ganz nett, aber wenn man bei der Abfahrt auf dem nahegelegenen Hügel eine Gruppe Löwen erblickt, fühlt man sich im Auto schon viel sicherer. Da konnte mich auch nicht die Aussage des Farmers beruhigen, dass die Löwen bereits ihr Frühstück in Form eines Wilderbeests eingenommen hatten. Garth und Ian hingegen ließ das Ganze unbeeindruckt - da unterscheidet sich wohl der gebürtige Südafrikaner von dem Deutschen.“

Autor:

Judith Schmitz aus Bottrop

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