Eine zweite Welle wird uns vermutlich härter treffen...
Was, wenn der Virus nächstes Mal an mehreren Orten gleichzeitig zuschlägt?

Vor einigen Jahren habe ich mit meinem inzwischen erwachsenen Sohn manchmal Strategiespiele gespielt. Erst auf dem Tisch, klassisch mit Karten und Figuren, namens Risiko. Schließlich ein anderes Spiel, am Computer, eine Strategie-Simulation, mit dem Namen "Die Stämme". Mittlerweile spielen wir kaum noch miteinander. Ich, weil ich nicht so viel Zeit am Computer spielen möchte, sondern lieber an einem Brett. Mein Sohn spielt lieber am PC. Außerdem hat er inzwischen eine feste Freundin. Da hat der andere Interessen, wie man so schön sagt... 

Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, dass man bei "Die Stämme" die Dörfer mit einer Wallstufe 20 maximal ausbauen konnte. Diese Wallstufe symbolisierte die Grundwehr-Stärke. Also, die Stadtmauer war gleichzeitig die Grundlage jeglicher Verteidigung dieser virtuellen Zivilisation. In den Stufen 1 bis 20 stieg diese Verteidigungskraft nicht einfach, sondern exponentiell. Im Spielverlauf durften also beispielsweise alle "Figuren" außerhalb des Dorfes sein - oder bereits verloren - dann sicherte die Wallstufe 20 immer noch gegen einen Angriff von einem anderen Spieler. Es gab auch eine Variante, da hat den Angriff "durchlaufen" lassen, um die Leute außerhalb der Stadt zu schonen. 

Dieses Spiel kam mir heute in den Sinn, nicht weil ich meine Zeit zuhause nicht gestalten könnte, sondern weil es im Spielverlauf sogenannte Angriffswellen gegeben hat. Nicht ein einziger Angriff führte meistens dazu, dass man ein Dorf gewinnen oder verlieren konnte. Sondern eine Vielzahl von Angriffen, die wie Wellen über die Stadtmauern zogen. Wenn der Wall dann "unten" war, wie es im Spieljargon hieß, nahm die nächste Welle das Dorf komplett ein. So fürchte ich, könnte es mit dem Virus laufen. Covid-19 ist dabei ein humorloser "Spieler", dem man nicht mit einer email einen "Waffenstillstand" antragen kann. Hier müssen wir also wirklich wachsam bleiben.

Was ist, wenn der Virus nächste Woche gleichzeitig an mehreren Stellen zuschlägt...? Steht ein Armin Laschet dann wieder händeringend vor der Kamera, um die Bürger erneut für einen Shutdown zu gewinnen - wie beim ersten Mal vor einigen Wochen? Oder folgt dann in der Masse, "wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht...". Dann ergeht sich alles in Hysterie, wie zu Zeiten der Pest...


Aktuell habe ich das Gefühl, wenn ich mich so umsehe, dass einige denken könnten, eine Schwalbe würde doch einen Sommer machen.


Man schreit an vielen Orten nach der Rückkehr zur Normalität, ohne diese genau zu erklären. Man schreit an vielen Orten nach der Wiedereröffnung von Baumärkten, Geschäften und Schulen. Möglicherweise auch ohne jegliche Erklärung dafür. Dann kommt mir wieder diese Wallstufe in den Sinn. Übertragen sinnbildlich meine ich, dass wir aktuell sicher keine Stufe 20 haben. Die Krankenhäuser sind aktuell nicht überbelegt, aber wir haben sie vor der Krise auch schon nicht so ausgebaut, wie man das in dem "Spiel" hätte tun sollen, um zu gewinnen. Wir wollten sogar im letzten Jahr - wenn man Spahn und Leopoldina zugehört hatte - Krankenhäuser dezimieren. Nicht auszudenken, wir hätten das getan. Zudem haben wir trotz anderer kleiner Angriffe - H1N1 etcetera - die ganze Situation wohl gemeinschaftlich unterschätzt. Also war unser Wall nicht einmal auf der höchsten und besten Stufe. Sonst wäre die finanzielle Grundsicherung von allen Menschen schon geklärt, die Bildung wäre wirklich digital, unsere Kultur wäre abgesichert ... und auch andere Dinge wären besser. 

Also war unsere Wallstufe, im übertragenen Sinne, vielleicht vor der Corona-Krise schon nur auf etwa 15. Als Beispiel. Dann kam die erste Angriffswelle. Die gemauerten Wälle sind nun noch hölzern, wenn Ihr meinem Bild gedanklich folgen wollt. Wallstufe 12. Sicher stehen dahinter noch alle Gebäude, auch die Kirche und die Geschäfte. Aber wir haben schon die ersten Leute verloren. Und einige Spielpunkte. Dennoch wollen manche, die unbelehrbar sind, weshalb sie dieses "Spiel" niemals gewinnen werden, einfach so weiter machen, habe ich aktuell den Eindruck. Es gibt Stammesführer, bildlich gesehen, wie den Ministerpräsidenten von NRW, die das Spiel offenbar nicht einmal richtig verstanden haben, und dennoch Züge anleiten. Im Spiel verlieren derartige Stämme haushoch, tauchen nicht einmal mehr in der Abschlussstatistik auf, wenn es in die Finalrunde geht. 

Was ich damit eigentlich fragen möchte, folgt nun in den nachstehenden Zeilen...

Was wäre, wenn die sogenannte Corona-Krise erst angefangen hat? - Also, wenn das erst der erste Durchlauf unseres Gegners Covid-19 ist... und der erst auf Touren kommt. 
Was wäre, wenn wir uns dagegen keine Immunisierung entwickeln können, dauerhaft gesehen also auch kein Impfschutz greift...? Wir müssten uns quasi anpassen, weil der Virus das ebenfalls tut. Gewinnen würde dann, wer am flexibelsten ist. Und dies hier ist kein Spiel! Sondern Realität. Ohne Neustart auf einer anderen Welt, wie der Simulation.

Ich warne eindringlich davor, die Maßnahmen bereits jetzt schon deutlich zu lockern. Ich würde uns Menschen lieber noch eine Zeit gewähren, den Wall ordentlich hochzuziehen. Damit meine ich keine Mauer zwischen den Kommunen oder Staaten, zwischen Menschen und Familien. Damit meine ich, zwischen uns Menschen und dem Virus. Warum hat denn in dieser Situation niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten? Die soll ja diesmal nicht so lange stehen, wie zwischen Deutschland Ost und West. Sondern uns Menschen in eine neue Normalität leiten. Es sollte eine Mauer sein, der Solidarität zwischen allen Menschen, gemeinsam gegen den möglichen Endgegner für manche - gegen den Virus. 

Wenn wir nun leichtfertig - aus niederen Beweggründen, was in meinen Augen wirtschaftliche Interessen sind - riskieren, dass Massen von Menschen in den kommenden Wochen nicht nur infiziert werden, sondern unser Gesundheitssystem aus den Angeln heben, wird das nicht mehr zu reparieren sein. Dann ist für die angebliche Normalität sowieso "Game over".

Egal, wieviel Toilettenpapier manche noch haben...

Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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