Nicole Labonde hat 2019 das Ultrawandern für sich entdeckt - zuletzt lief die Ennepetalerin in Oldenburg über die Ziellinie
110 Kilometer in unter 26 Stunden gelaufen

Dieses Bild hat Nicole Labonde unter Extrem-Wanderern bekannt gemacht: Die Ennepetalerin ist das Gesicht des physisch und mental extrem anspruchsvollen "Chauken-Marsch", aber auch bei vielen anderen Laufevents ist die Vollblut-Sportlerin dabei. Fotos: Privat
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Gerade ist Nicole Labonde vom "Chauken-Marsch" rund um Oldenburg zurück, da denkt sie schon wieder an ihre nächsten Events im September. Die Ennepetalerin hat das Ultrawandern für sich entdeckt und kann nicht genug davon bekommen. Dabei ist die 48-Jährige erst recht spät zum Sport gekommen.

Von Sara Drees

Ennepetal. "2016 hat es mit Zumba angefangen", erinnert sich Nicole Labonde zurück. Damals sei sie ein bisschen übergewichtig gewesen, habe über 80 Kilo auf die Waage gebracht. Eine Freundin nahm sie erstmals zum Sport mit. "Und dann ist es ausgeartet", lacht die Ennepetalerin. "Wenn das Studio nicht sonntags geschlossen gewesen wäre, hätte ich sieben Tage in der Woche trainiert." Im ersten Jahr nahm sie stolze 25 Kilo ab, verbesserte ihre Kraft und Fitness enorm.
2019 dann kam sie zum Ultrawandern. "Eine andere Trainingspartnerin aus einem Dortmunder Fitnessstudio brachte mich auf die Idee", so Labonde. "Andere Leute hielten mich für verrückt aber ich dachte nur: Die Kondition haste - aber wenn, dann starten wir direkt über 100 Kilometer in 24 Stunden!" Bei ihrem ersten Mammutmarsch im Ruhrgebiet musste sie jedoch bei Kilometer 80 aufgeben. "Mir taten schon nach 40 Kilometern die Füße weh, ich hatte mir überall Blasen gelaufen und alles verpflastert, irgendwann konnte ich vor Schmerzen einfach nicht mehr weiterlaufen", gesteht sie.

"Das muss doch zu schaffen sein!"

Aufgeben kam für Nicole Labonde aber nicht in Frage, ihre erste Erfahrung motivierte sie umso mehr. "Das muss doch zu schaffen sein, sagte ich mir, und meldete mich noch im gleichen Jahr für meinen zweiten Hunderter an. Was ich nicht wusste: Dass der Marsch in Wuppertal aufgrund seiner Höhenmeter quasi der Endgegner unter den Mammutmärschen ist." Mit neuen Wanderschuhen und eingecremten Füßen ging sie diesmal allein an den Start - und nach 22,42 Stunden lief sie tränenüberströmt das erste Mal erfolgreich über die Ziellinie. Wieder mit Blasen an den Fersen, dafür glücklich und eine Stunde früher als geplant. "Wir wurden mit viel Applaus empfangen, es war so emotional, wir wurden umarmt und gefeiert, es war der Hammer", erinnert sich die Ennepetalerin. Dafür dankt sie neben den Organisatoren vor allem ihrer Familie, die sie immer unterstützt, und allen Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet haben. "Man lernt immer so viele neue, nette Leute auf der Strecke und drumherum kennen, motiviert sich gegenseitig, führt tolle Gespräche", erklärt Labonde. "Die Teilnehmer komme von überall her und aus allen Altersgruppen."
Mitte August dieses Jahres ging es für die mittlerweile Vollblut-Sportlerin dann zum zweiten Mal nach 2020 zum "Chauken-Marsch", wo sie dank eines tollen Finisher-Fotos sogar zum Werbe-Gesicht des Veranstalter Nord-Marsch geworden ist. "Die 100 Kilometer von der Nord- zur Ostsee haben mich total gepackt", erzählt sie von der besonderen Faszination des Laufes. Am Freitag, 13. August, kam sie mit Laufpartnerin Simone am Fliegerhorst in Wiefelstede an, wo sie einen Kilometer vom Start entfernt in einer Unterkunft eincheckte. "Den Freitagnachmittag wollte ich chillig verbringen, denn ich wusste, was beim Chauken-Marsch von meinem Kopf und Körper abverlangt wird." Gegen 15 Uhr holte sie ihre Startunterlagen ab, hielt das ein oder andere Pläuschchen mit alten Bekannten und ruhte aus, bevor es schon am gleichen Abend los ging. "Gegen 17.30 Uhr machte ich mich langsam fertig. Ich packte die letzten Utensilien ein, zog mich an, richtete meine Socken und hoffte auf ein gutes Zusammenspiel von Schuhen, Socken und Füßen. Am Start kam ich gegen 18.30 Uhr an." Der Startschuss fiel um 19 Uhr; in einer Vierergruppe mit Simone, Jens und Bertram trat sie an. "Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug..." Es gab viel zu erzählen, es wurde gelacht, zwischendurch pausiert, aber nur kurz, da es besonders in der Nacht im Sitzen schnell kalt wurde. "Gegen Morgen kamen wir dann im Start/Zielbereich nach 55 Kilometern an, wo wir alle unsere Ausrüstung prüften, um dann auf die nächsten 55 Kilometer zu gehen." Jens verabschiedete sich wegen Blasen, dann ging es weiter. "Wir kämpften, jeder motivierte hier jeden, die Helfer von Nord-Marsch kamen immer mal wieder entlang der Strecke gefahren, brachten uns Obst und Bonbons", erzählt Labonde. Generell bedankt sie sich für die "mega Verpflegung mit Obst, Brötchen, Kaffee etc." auf dem Weg.

Blasen an den Füßen, müde und ausgelaugt

"Wir alle hatten irgendwelche Blasen an den Füßen, fühlten uns total müde und ausgelaugt. Aufgeben jedoch war keine Option!" Zum Ende hin machte ihr linker Fuß Ärger, das rechte Knie wollte nicht mehr, die Füße und Oberschenkel brannten. Besonders das letzte Teilstück entlang der Straße fühlte sich für die Gruppe endlos an. Einen Kilometer vor dem Ziel dann das letzte Schild. "Von nun an jagte eine Träne die nächste, ich musste noch ein paar Meter und da war es, ich konnte es sehen: Der Sohn von Axel, er hatte uns auch die letzten 55 Kilometer begleitet, ging mit mir ins Ziel ..." Nach 25 Stunden und 45 Minuten waren die 110 Kilometer geschafft. "Physisch und mental war es das Härteste, was ich je gemacht habe", gesteht Nicole Labonde. Und fügt gleich hinzu: "Aber wir sehen uns wieder!" Allein im September plant sie jedes Wochenende einen 100er - im Ruhrgebiet, aber auch auf Sylt. Wir wünschen viel Erfolg!

Autor:

Sara Drees aus Dortmund

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