EN-Kreis: Es fehlen Plätze in der stationären Pflege
Quo vadis Pflege?

Vor einem Jahr ging es los: Der Anbau am Matthias-Claudius-Haus, der Altenhilfeeinrichtung in Niedersprockhövel, ging an den Start. Mittlerweile steht der Anbau und die Arbeiten gehen weiter voran. Foto: Pielorz
  • Vor einem Jahr ging es los: Der Anbau am Matthias-Claudius-Haus, der Altenhilfeeinrichtung in Niedersprockhövel, ging an den Start. Mittlerweile steht der Anbau und die Arbeiten gehen weiter voran. Foto: Pielorz
  • hochgeladen von Dr. Anja Pielorz

Im Ennepe-Ruhr-Kreis fehlen Pflegeplätze in den stationären Einrichtungen. 2010 hat der EN-Kreis den ersten Pflegebericht vorgelegt, der 2016 fortgeschrieben wurde. Aktuell fehlen etwa 100 vollstationäre Plätze im EN-Kreis. Hinzu kommen weitere 350 Plätze, die deshalb wegfallen, weil die Einzelzimmerquote nicht erfüllt ist und eine zehnprozentige Belegungssperre ausgesprochen wurde. Die demographische Entwicklung stellt auch in Zukunft die Einrichtungen – stationär und ambulant – vor viele Probleme.
Deutlich zunehmen wird die Anzahl der über 80-Jährigen mit dem höchsten Risiko der Entwicklung von Pflegebedürftigkeit, von 20.844 Personen (Stand Anfang 2016) bis auf den Spitzenstand von 26.300 Personen im Jahr 2025. Danach wird die Anzahl der mehr als 80-Jährigen kreisweit wieder leicht abnehmen. Lebten in Sprockhövel zum 1.1.2016 „nur“ 1558 Menschen über 80 Jahre, liegt die Prognose für 2030 bei 2481 Menschen. Für Hattingen sind die Zahlen 3814 (2016) zu 4632 (2030). Immer mehr ältere Menschen bedeutet auch immer mehr zu pflegenden Menschen. Die Zahl der ambulanten Pflegedienste im EN-Kreis erhöht sich kontinuierlich – es sind derzeit knapp siebzig Anbieter. Dazu kommen knapp fünfzig Anbieter in der stationären Pflege. Allerdings wächst die Lücke zwischen Personalbedarf und Personalbestand.

Wie und wo pflegen wir in Zukunft?

Bis Mitte 2018 muss laut Gesetz jede Einrichtung in NRW eine 80 prozentige Einzelzimmerquote vorweisen. Hier gibt es aktuell erhebliche Lücken. Insofern ist auch eine Platzzahlverminderung durch Abbau von Doppelzimmern oder durch Schließung von Einrichtungen nicht ausgeschlossen. Insbesondere in Hattingen und Sprockhövel ergibt sich rechnerisch ein Versorgungsplatzbedarf. In Witten wird der Versorgungsplatzbedarf durch zwei konkret geplante Einrichtungen mit insgesamt 118 Plätzen und eine ambulant betreute Wohngemeinschaft abgedeckt sein. So hat in Sprockhövel der Anbau am „Haus am Quell“ aufgrund genehmigungsrechtlicher Schwierigkeiten noch nicht einmal begonnen. Im Matthias-Claudius-Haus läuft die Bauphase – aber für beide Häuser gilt derzeit ein Abbau von zehn Prozent der Plätze, weil die Einzelzimmerquote zum Stichtag nicht erfüllt werden konnte. Sowohl in Hattingen als auch in Sprockhövel wird der Platzbedarf bis 2030 höher prognostiziert als der Platzbestand tatsächlich ist: In Hattingen standen zum 1. Januar 2016 genau 534 Plätze zur Verfügung, der Bedarf lag bei 635 Plätzen. Für 2030 wird ein Bedarf von 775 Plätzen prognostiziert. In Sprockhövel sieht es ähnlich aus: Zum 1. Januar 2016 gab es 159 Plätze – dem stand ein bedarf von 269 Plätzen gegenüber. Für 2030 sollen 403 Plätze gebraucht werden.
Im Bundesdurchschnitt werden ca. 71 Prozent der anerkannt Pflegebedürftigen zu Hause versorgt und 29 Prozent in Heimen, im Kreis dahingegen werden 66,8 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt und 33,2 Prozent in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Zwar wünschen sich die meisten Menschen eine Versorgung in den eigenen vier Wänden, doch nimmt die Versorgung zuhause auf Dauer ab. Grund dafür ist der Wegfall der räumlichen Nähe zwischen den Generationen, die Unvereinbarkeit zwischen Beruf und Pflege von Angehörigen sowie die Zunahme der zeitlichen Dauer der Pflegebedürftigkeit des Angehörigen, die derzeit bei rund zehn Jahren liegt. Im Pflegebericht heißt es dazu: „Inwieweit sich häusliche Pflegearrangements allerdings angesichts des demografischen Wandels und des abnehmenden familiären Pflegepotenzials für zukünftige pflegebedürftige Menschen dann tatsächlich realisieren lassen, ist derzeit nicht abzusehen. Doch auch, wenn die Versorgung in der gewohnten Umgebung nicht mehr möglich ist, ist davon auszugehen, dass künftige Generationen pflegebedürftiger Menschen dem vollstationären Versorgungsangebot eher zurückhaltend gegenüberstehen werden.
Ihre Meinung ist uns wichtig: Welche Erfahrungen haben Sie als Betroffener und/oder Angehöriger gemacht? Sind Sie auf einer Warteliste gelandet oder haben Sie einen Platz in Ihrem Wunschpflegeheim bekommen? Wir bleiben am Thema – berichten Sie uns über Ihre Erfahrungen, entweder im Lokalkompass oder per Mail unter redaktion@stadtspiegel-hattingen.de
Sie können auch direkt Kontakt mit Dr. Anja Pielorz aufnehmen unter anja.Pielorz@gmx.de oder im Lokalkompass.

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