1100 Schüler malen bunte Selfies im Dortmunder U

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550 Bilder in leuchtenden Farben zeigen die jungen Nachwuchskünstler im Museum im Dortmunder U. (Foto: Schmitz)
Dortmund: U |

Ein kunterbuntes Kunstwerk aus gemalten Selfies schmückt jetzt das Museum Ostwall im U. Die Arbeiten von 1100 Kindern und Jugendlichen sind unter dem Titel „Wer bin ich und wer ist das?“ im Museum an der Leonie-Reygers-Terrasse bis zum 23. November zu sehen.

Wie sehe ich mich und wie sehen mich die anderen? Fragen wie diese stellten sich die über 1000 Schüler aller Altersstufen im Kunstprojekt rund um Portrait und Identität. In kostenlosen Workshops setzten sich die Klassen von Juni bis November mit ausgewählten Werken des Museums Ostwallauseinander. Und während des Rundgangs durch das Museum experimentierten die Schüler mit zeichnerischen Selbstportraits.

Zum Hintergrund

In der Sammlung des Museums befinden sich Bilder der Klassischen Moderne. Im Jahre 2000 entstand durch Beteiligung von tausenden Ausstellungsbesuchern das Kunstwerk „Das Geschenk“ nach dem Konzept des Künstlers Jochen Gerz. Betritt man heute das Museum, wird man von 700 Bildnissen der Besucher der Ausstellung „vision.ruhr“ empfangen.
Diese Arbeit von Jochen Gerz war für die Schüler der Startpunkt ihres Rundgangs durch das Museum. Jeder Portraitierte bekam damals das Bild eines anderen Menschen zum Aufhängen in der eigenen Wohnung geschenkt – also das Bild eines Fremden. Wie fühlt es sich an, dem Bild eines Fremden Platz in den eigenen vier Wänden zu geben? Was könnte sich Jochen Gerz für das Zusammenleben der Menschen in dieser Region gewünscht haben? Die Schüler setzten sich inhaltlich mit dem Kunstwerk auseinander. So sagte ein Schüler: „Kann es sein, dass das Geschenk mehr ist als das Foto? Also, dass wir auch die ganzen verschiedenen Menschen im Ruhrgebiet als ein Geschenk sehen sollen?“

Die Identität des Menschen entdecken

Ein expressionistisches Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff nahmen die Schüler als Vorbild, um ihre gezeichneten Selbsportraits farbig zu gestalten.
Und dann beschäftigten sich die jungen Nachwuchskünstler mit der Identität verschiedener Menschen. Die Videoinstallation „Portraits of young men“ von Martin Brandt zeigt, wie die Persönlichkeit junger Männer hinter der Selbstinszenierung hervorblitzen. Im Objekt „Super-Colgate“ von Thomas Bayerle untersuchten die Jugendlichen das Verhältnis von Individuum und Masse. Bei Adrian Pacis Fotoserie „Back Home“, die Migrantenfamilien vor gemalten Hintergründen der ehemaligen Heimat zeigt, wurde thematisiert, wie Erinnerungen und kulturelle Wurzeln die eigene Persönlichkeit prägen.
In den Kunstwerkstätten der U2_Kulturelle Bildung arbeiteten die Schüler auf hochwertigem, handgeschöpftem Papier mit leuchtenden Aquarellfarben. Dabei ließen sie sich von der stark kontrastierenden Farbigkeit des zuvor betrachteten Doppelportraits inspirieren. Jedes Zweierteam erhielt eine Palette mit drei Farben der Grundfarben. Daraus mischten sie alle weiteren Töne, in denen sie ihr Portrait gestalten wollten. Bei der Gestaltung sollten die Teams darauf achten, dass sich die beiden Gesichter „anblicken“.

Das Bild eines Fremden bekommen

Als Endpunkt des Workshops wurde der Gedanke des Foto-Projektes „Das Geschenk“ von Jochen Gerz aufgegriffen: Die im Museum gezeichneten Blind-Selbstportaits der Kinder und Jugendlichen wurden kopiert und in einer „Geschenk“-Kiste deponiert. Jeder erhielt daraus im Gegenzug eine Kopie eines Portraits, das ein anderes, unbekanntes Kind im Projekt gezeichnet hatte.

Die Ausstellung im Museum

Im Projekt sind Selbstportraits entstanden, die durch ihre leuchtende Farbigkeit expressiv wirken und einen Eindruck der vielseitigen Persönlichkeiten der Kinder und Jugendlichen vermitteln. Die Gegenüberstellung beider Profilansichten zeigt die besondere Begegnung der Schüler im Projekt.
Präsentiert werden die etwa 1100 Selbstportraits im Foyer des Museums Ostwall neben der Installation von Jochen Gerz. Sie bilden eine eigene Position der Schüler gegenüber den fotografischen Portraits der Serie „Das Geschenk“.
Die Schulworkshops und die Ausstellung im U wurden durch die Unterstützung der DEW21 möglich.
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1 Kommentar
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Dorothee Gutierrez Blanco aus Dortmund-Nord | 09.03.2015 | 17:14  
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