Bürger protestieren gegen Schließung der Sparkassenfiliale am Schwan

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Die Sparkasse am Schwan soll geschlossen werden, Bürger protestieren: v.l.n.r. Elke Gajek, Jörg Jochmann, Beatrix Ebertzeder, Dr. Adriana Schenkel und Nermin Gür. (Foto: Angelika Barth)
 
Die Sparkasse am Schwan soll geschlossen werden, Bürger protestieren: (v.l.n.r.) Elke Gajek, Dr. Adriana Schenkel, Jörg Jochmann, Beatrix Ebertzeder und Nermin Gür. (Foto: Angelika Barth)
Duisburg: Walsum |

Es ist bereits seit Mai 2015 bekannt, dass die Sparkasse Duisburg in Zukunft neue Wege gehen will. Das heißt: Es wird künftig nicht mehr in jedem Stadtteil eine eigene Filiale geben. Das beinhaltet das Vertriebs- und Standortekonzept der Sparkasse, das damals offiziell vorgestellt wurde.

Davon betroffen ist auch die Sparkassenfiliale am Schwan in Walsum. Bereits im September soll es soweit sein. Nun haben Bürger aus dem Stadtteil quasi auf den letzten Metern über 1.500 Unterschriften gesammelt, um gegen die geplante Schließung "ihrer" Filiale zu protestieren.
"Wir reden hier von über 7.000 Kunden", sagt Initiatorin Martina Kay. Auch die Händler vor Ort unterstützten den Protest und hätten Kopien für die Aktion gespendet. "Alle haben großes Interesse, den Standort zu erhalten: alte Menschen, weil sie oft nicht mehr so mobil sind, Bürger mit Migrationshintergrund, die bei ihren Geldgeschäften Beratung brauchen, oder Geschäftsleute, die ihr Bargeld täglich dort abgeben."
Online-Banking, so Kay, sei für diese Betroffenen keine Alternative: "Das machen die 70- bis 90-Jährigen nicht." Viele wollten auch einfach keine Daten im Internet preisgeben. Und die Entfernung zur nächsten Filiale sei den meisten zu groß: "Dann müssen wir ja Geld bezahlen, um dahinzukommen." Kay und ihre Mitstreiter fürchten außerdem ein langsames Dahinsiechen ihres Stadtteils: "Die Deutsche Bank schließt auch. Wir wollen unsere Sparkasse behalten."
Selbst an die hiesigen Politiker habe man sich gewandt. Ein Vorbild gibt es beispielsweise in Neuenkamp: Dort hat sich SPD-Bürgermeister Manfred Osenger für die Wiedereröffnung der bereits geschlossenen Filiale ausgesprochen.
Andreas Vanek, Pressesprecher der Sparkasse Duisburg, hat großes Verständnis für die Sorgen und Nöte der Menschen. Doch die Zeichen der Zeit stünden nun mal auf Digitalisierung: "Die Menschen machen immer mehr online, die Filialen haben nicht mehr so eine große Frequentierung." Ihren Zahlungsverkehr erledigten nur noch die wenigsten Kunden persönlich in der Filiale. Darauf müsse man reagieren: "Und da sind wir nicht die einzigen, sondern eher die letzten, die noch da sind."
Dass es so kurz vor Toresschluss soviel Aufregung gibt, wundert Vanek allerdings, da das Konzept bereits so lange bekannt sei. Man habe allen Bürgervereinen, allen Parteien und auch den Medien im Vorfeld die Möglichkeit gegeben, sich zu äußern, Kunden seien persönlich von Beratern angesprochen worden.
Wie will die Sparkasse nun ihren Kritikern entgegenkommen? "Wir haben uns Gedanken gemacht und Antworten gefunden", sagt Vanek. Zum einen verweist er auf das bereits bekannte Beratungscenter auf der Hauptstraße in Walsum, das sich in 1.200 Metern Entfernung zur bislang bestehenden Filiale befindet. Dies wird zum "Flaggschiff" erweitert und erhält einen Anbau, d.h. dort können Kunden alle Bankgeschäfte erledigen und finden kompetente Mitarbeiter vor Ort. In Ausnahmefällen könnten auch Hausbesuche gemacht werden, allerdings nur für Beratungsgespräche.

"Mobile Filiale" ab Herbst unterwegs

Ab Herbst wird dann eine "mobile Filiale" unterwegs sein, also ein Bus, der über eine qualifizierte Fachkraft verfügt. Zu guter Letzt gibt es seit wenigen Wochen das Kunden-Service-Center im Medienhaus am Hauptbahnhof, das alle Anliegen telefonisch annimmt und das man automatisch erreicht, wenn man die alte Telefonnummer der Schwan-Filiale anwählt. "Wir haben Wert darauf gelegt, dass man nicht irgendwo in Halle oder Leipzig landet, sondern mit Menschen aus der Region spricht." Das geschulte Personal dort steht werktags von 8 bis 20 Uhr für Fragen zur Verfügung. Denn eines steht für Vanek fest: "Den genetischen Code einer Sparkasse macht der Kontakt zu Menschen aus."
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