Hier stimmt die Chemie: Im teutolab begreifen schon Grundschüler Chemie mit allen Sinnen

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Unterzeichnung des Kooperationsvertrages: Prof. Dr. Rudolf Herbers und Schulleiterin Isolde Vicktorius-Schänzer mit Tutoren und Teilnehmern des Projekts.

Es riecht nach Rotkohl, sehr intensiv nach Rotkohl. Doch mit Festtagsschmaus hat der Geruch, der heute durch die Flure der Realschule Fahrn zieht, nichts zu tun. Vielmehr geht er vom Säurelabor des teutolabs aus. Denn auf dem Stundenplan steht jetzt Chemie – allerdings ganz anders.

„Lasst die Reagenzgläser immer in den Ständern stehen“, bittet Eden Stodtmeister die Viertklässler, die mit Schutzbrille und Weißkittel ausgerüstet mit Flüssigkeiten hantieren. Eden gehört zu den insgesamt 18 Neunt- und Zehntklässlern der Realschule Fahrn, die sich an der Uni Bielefeld zu Chemie-Tutoren für das Konzept teutolab haben ausbilden lassen. Nun zeigt sie Kindern der benachbarten Grundschule Breitestraße, wie Chemie in ihrem Alltag vorkommt. Versuche mit dem Indikator Rotkohlsaft veranschaulichen das. Während ihre „Kollegin“ Hannah Zenker auf der Herdplatte für den nötigen Nachschub roten Safts sorgt, erklärt Eden den Gästen die Versuchsreihe zum Thema Säuren. Nebenan im Riechlabor hält die neunjährige Leonie eine Kerze an eine Zitronenschale. Die Flamme wird größer, Funken sprühen, und im Raum breitet sich ein intensives Zitronenaroma aus. Leonie weiß schon, warum: „Das liegt an dem ätherischen Öl, das in der Schale ist.“

Lehrer sollen sich raushalten


Aufmerksam verfolgt Rudolf Herbers, Professor für Chemie an der Universität Bielefeld, das Geschehen vom Rande des Klassenraums. Er ist einer der beiden Erfinder und Entwickler des teutolabs und heute, zum Auftakt der AG, zu Gast an der Realschule. Worauf er besonders achtet: „Dass die Fachlehrer sich aus den Abläufen heraushalten und die Schüler selbstständig agieren lassen. Das fällt ihnen am Anfang naturgemäß schwer.“ Chemielehrerin Dr. Meike Reinhold hat damit keine Schwierigkeiten. Interessiert schaut sie zu, wie ihre Schüler sich in der Rolle der „Lehrer“ machen, wie sie erklären und ihre Schützlinge anleiten. Sie war Ideengeberin für die teutolab-AG an der Schule. „Durch die Einweisung in die Experimente festigen unsere Schüler nicht nur ihre Chemiekenntnisse, sondern stärken außerdem ihre Sozialkompetenz, weil sie in die Rolle des Ausbilders schlüpfen.“ Ein Konzept, das Schulleiterin Isolde Vicktorius- Schänzer sofort überzeugte: „Das entspricht ganz genau unserer Lernphilosophie. Schon lange arbeiten wir mit dem Tutorenprinzip, lassen ältere Schüler den jüngeren helfen. Profitieren tun letztlich alle davon.“

Ein kleines Abenteuer

Im Säurelabor sind die Nachwuchs-Chemiker noch immer konzentriert bei der Sache, mischen Rotkohlsaft mit Entkalker, Reiniger, Mineralwasser und Seife. Das Aha-Erlebnis lässt nicht lange auf sich warten. Die Flüssigkeiten in den Reagenzgläsern verfärben sich spektakulär. „Meines ist lila“, „meines blau“, „meines wird pink“, rufen die Mädchen und Jungen begeistert. „Nicht alle durcheinander“, bittet Eden Stodtmeister die Kinder . Deren Klassenlehrerin Waltraud Mertens – Schulleiterin der Grundschule Breitestraße – hat ihre Klasse 4b heute begleitet: „Für die Kinder ist das eine ganz aufregende Sache. Der Kittel, die Schutzbrille, die Reagenzgläser – all das ist für sie ein kleines Abenteuer.“

Forscherpass verliehen


Am Ende des Tages sind alle zufrieden und um viele Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse reicher. Die Mädchen und Jungen der 4b sind stolz auf die heute erworbenen Forscherpässe, die Tutoren der Realschule darauf, dass ihnen die ersten pädagogischen Gehversuche gelungen sind. Eden Stodtmeister und Hannah Zenker zum Beispiel haben nicht nur in Sachen Chemie dazugelernt: „Jetzt wissen wir, wie sich unsere Lehrer fühlen.“

Hintergrund:
teutolab ist ein im Jahr 2000 an der Universität Bielefeld entwickeltes Konzept, das schon Grundschülern durch eigenständiges Experimentieren die Grundlagen der Chemie begreifbar machen soll.

Die Realschule Fahrn ist neuer Kooperationspartner und bietet zweimal im Monat eine teutolab-AG an. Sukzessive werden die vierten Klassen der 22 umliegenden Grundschulen in das Schülermitmach­labor eingeladen und von Tutoren unterwiesen.

Drei Fragen an ...

... Prof. Dr. Rudolf Herbers

1.Es gibt doch Chemieunterricht an weiterführenden Schulen. Wozu braucht man da zusätzlich teutolab?
Wir haben in Deutschland einen Fachkräftemangel im Bereich Naturwissenschaften. Dem möchten wir mit teutolab entgegenwirken, indem wir schon Grundschüler für Chemie begeistern. Das geht aber nur, wenn wir kindgerecht und lebensnah vorgehen. Beispielsweise, indem wir zeigen, wo Chemie im Alltag vorkommt. An einer Zitrone kann man sehr anschaulich die Prinzipien der Chemie erklären.

2. Wie funktioniert teutolab?
Wir haben ein festes Konzept mit festen Versuchsreihen, an das sich die Schulen verbindlich halten müssen. Haben wir eine Schule als Kooperationspartner gewonnen, besuchen uns die angehenden Tu­to­ren, also die später lehrenden Schüler, an der Uni in Bielefeld. Dort unterweisen wir sie gründlich, erklären ihnen die Versuchsreihen und üben sie mit ihnen ein. Die Schüler kehren dann an ihre Schulen zurück, wo sie – beispielsweise wie in Fahrn im Rahmen einer Chemie-AG – die Viertklässler der umliegenden Grundschulen zum teutolab einladen und ihnen im von uns ausgestatteten Säure-, Riech- und Zauberlabor die Grundlagen der Chemie nahebringen. Die Fachlehrer dürfen nur zugucken.

3. Wie viele Schüler haben Sie so schon erreicht?
Derzeit kooperieren wir in Deutschland mit 60 weiterführenden Schulen, die ihrerseits mit den örtlichen Grundschulen kooperieren.
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