69. Jahre Kriegsende – Gedenken heute und damals. Das Ende als Neubeginn für Deutschland und Europa.

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Das Ende des Krieges

Am 09. Mai 1945 unterzeichneten Vertreter des Oberkommandos der Wehrmacht und der einzelnen Teilstreitkraft in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Es war die zweite Unterzeichnung nach der Kapitulation im Hauptquartier der Westalliierten in Reims.
Die Kapitulation trat rückwirkend zum 08. Mai 1945 in Kraft.
Am 08. Mai wurden die Kampfhandlungen – offiziell- an allen Fronten eingestellt, damit endete in Europa der Zweite Weltkrieg.

Die bedingungslose Kapitulation und die bürgerliche Gesellschaft

In der Geschichte der Bundesrepublik tat sich die bürgerliche Gesellschaft, das Spektrum der demokratischen Mitte, lange Zeit und in Teilen bis heute schwer im Umgang mit dem Kriegsende. Heute gibt es zwar ein rituelles, offizielles Gedenken, die öffentlichen von Bürgern organisierten Veranstaltungen werden jedoch von Gruppierungen des linken Randes dominiert. Die Gründe liegen im Umgang der westdeutschen Gesellschaft mit Erinnerung an die Diktatur und den Krieg. Das Kriegsende wurde lange Zeit nicht als Befreiung empfunden, sondern als Niederlage.

Es ist verständlich, dass die Menschen in Deutschland sich unmittelbar nach dem Krieg nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen wollten oder konnten, denn in den ersten Nachkriegsjahren galt es das Überleben zu sichern und das zerstörte Land wieder aufzubauen.

Auch nach Gründung der Bundesrepublik und mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders kam eine gesellschaftliche Debatte über die NS-Vergangenheit nicht in Gang.
Erhards Losung vom „Wohlstand für Alle“ schien sich zu erfüllen und es etablierte sich, so der Soziologe Helmut Schelsky, die nivellierte Mittelstandsgesellschaft. Eben diese bürgerliche Gesellschaft wollte sich keinen schmerzhaften Diskussionen über ihre Vergangenheit stellen, sondern wollte den neuen Wohlstand genießen und mit den Capri Fischern Urlaub in Italien machen.

Dieses Schweigen in den ersten beiden Jahrzehnten der Bundesrepublik brach sich in der 68er-Bewegung Bahn. Es blieb eine Studentenrevolte, während der größte Teil der Gesellschaft mit Blick auf die NS-Vergangenheit eine defensive Abwehrhaltung einnahm. Ein Dialog kam nicht zustande, was daran lag dass die 68er nicht nur hinterfragten und urteilten, sondern verurteilten.

Es war und ist problematisch behaupten zu wollen, dass man anders gehandelt hätte als die Eltern oder Großeltern. Dies zu behaupten hieße den historischen Kontext, Sozialisation, Mentalitäten und den Druck des Regimes außer Acht zu lassen.

Ein Umdenken setzt ein - der 08. Mai als Tag der Befreiung

Am 08. Mai 1985, zum 40 Jahrestag des Kriegsendes, nannte Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Kriegsende öffentlich einen „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, der Bundespräsident erntete ein breites, größtenteils positives Echo.

Heute 69 Jahre nach Kriegsende hat sich unsere Gesellschaft weiter gewandelt. Wir sind offener und toleranter geworden. Fast drei Generationen nach Kriegsende kann eine junge Generation Krieg und Niederlage unbefangen betrachten und versuchen das Geschehene zu verstehen. Heute wird deshalb der 08. Mai 1945 auch in der gesellschaftlichen Mitte als Tag der Befreiung gesehen und nicht als Tag der Niederlage.

Der 08. Mai als Tag des Gedenkens für alle Demokraten

Trotz allem tun sich bürgerliche Kräfte mit dem öffentlichen Gedenken am 08. Mai schwer.

Der Grund liegt zum Teil darin, dass solche Veranstaltungen häufig durch radikale linke Kräfte dominiert werden. Und obwohl dem Kriegsende als der Befreiung von der Hitler-Diktatur überparteilich erinnert werden sollte, ist die Zurückhaltung durchaus verständlich. Denn die Überparteilichkeit kann nur für die demokratischen Kräften der politischen und gesellschaftlichen Mitte gelten. Es ist für einen Demokraten schlicht nicht überzeugend, wenn linksradikale Kräfte einerseits dem Ende der NS-Diktatur gedenken, andererseits die sozialistische Diktatur relativieren und ihr nachtrauern.

Die Demokraten unserer Gesellschaft hingegen können sich in ihrem Gedenken allein schon durch die Bandbreite der Verfolgten im Nationalsozialismus vereinigen. Verfolgt wurden all diejenigen, die aus der versprochenen Volksgemeinschaft ausgeschlossen wurden: Sozialdemokraten, Kommunisten, engagierte Christen, Juden, Behinderte, Sinti und Roma, Homosexuelle…

Der Nationalsozialismus erschütterte zudem die bürgerliche Gesellschaft, durch die Zerstörung humanistischer-humboldtscher Werte und Bildungsideale.

Der 8. Mai 1945 war somit für alle Deutschen ein Tag der Befreiung und einem Erinnern sollten deshalb keine politischen Empfindsamkeiten oder Berührungsängste im Wege stehen.

Europa und das Kriegsende. Einheit für den Frieden

Das Kriegsende war auch für Europa ein Neubeginn.
Aus den Trümmern des Kontinents erwuchs die Idee eines geeinten Europas. Nur die Einheit Europas würde eine solche Katastrophe in Zukunft verhindern.

Konrad Adenauer, Jean Monnet und Robert Schumann legten 1951/52 mit der Gründung der Montanunion den Grundstein für die europäische Integration.
Adenauer, Monnet und Schumann hatten sowohl den Ersten wie den Zweiten Weltkrieg erlebt und waren durch ihre Erfahrungen zu überzeugten Europäern geworden. Sie waren sich sicher, dass nur ein Zusammenrücken der Europäer den Frieden auf dem Kontinent sichern könnte.

Im Osten allerdings hatte der eiserne Vorhang die osteuropäischen Staaten von Europa abgegrenzt.
Mit dem Fall der Mauer und dem Ende der sozialistischen Regime im Osten Europas begann ein neues Kapitel der europäischen Geschichte und die Nachkriegszeit endete.

Dem 08. Mai kann also auch aus europäischer Perspektive gedacht werden – als ein Tag des Neuanfangs für Europa.

Der Autor studiert Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum


Die Junge Union Essen gedenkt am 08.05.14, um 18.30 Uhr am Katernberger Markt dem Kriegsende und den Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes:

http://www.lokalkompass.de/essen-nord/politik/gede...
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