Giftmüll in der Grube

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Seit den 90ern auch eine Deponie für Abfälle der Müllverbrennungsanlage: Bergwerk Consolidation. (Foto: Gerd Kaemper)
Gelsenkirchen: Zeche Consol, Schacht 9 |

Ein Aufschrei ging durch sämtliche Ruhrgebietsstädte als die hiesige Tagespresse über in Bergwerken gelagerten Giftmüll berichtete. Auch in Gelsenkirchen lagert solcher Müll, der Schwermetalle und Dioxin enthalten könnte - im stillgelegten Bergwerk Consolidation.

Obwohl seitens der RAG immer wieder beteuert wird, dass die Abfälle der Müllverbrennungsanlage keine Schäden in Mensch und Natur ausrichten an ihrem jetzigen Lagerungsort, will die Bevölkerung das nicht ganz glauben. Dabei hilft es nicht, dass die RAG die Menge des Mülls nicht benennen kann. Diese sollen nun, laut der Bezirksregierung Arnsberg, genauestens ermittelt werden.
Das Misstrauen der Bewohner des Ruhrgebiets ist nicht unbegründet, denn es geht vor allen Dingen um das Grubenwasser, das nach 2018 aus geringerer Tiefe abgepumpt werden könnte als zur jetzigen Zeit. Dabei steigt das Risiko einer Verunreinigung. Deswegen hatte ein Landwirt sich zu Wort gemeldet - und das Thema war ins Rollen gebracht.

Bis auf Weiteres beteuert die RAG jedoch: Es besteht an den Lagerungsorten keine Wasserwegigkeit und die Reststoffe wurden abgedichtet, so das nichts austreten kann. Des Weiteren würden immer wieder Proben des Grubenwassers genommen, die bisherigen Analyseergebnisse hätten nie ein Risiko für die Umwelt durch die eingelagerten Stoffe ergeben.

Schwerwiegende Vorwürfe und Anschuldigungen

Ein weiteres Problem stellt auch der Vorwurf dar, dass die Genehmigung für die Einlagerung des Giftmülls niemals hätte erteilt werden dürfen. So lässt das Verfahren um die Deponierung Zweifel aufkommen, denn der Sondermüll wurde dabei nicht nur als „Wertstoff“ behandelt, sondern die Verbringung unterlag auch noch dem Bergrecht, nicht dem Wasserrecht - hier liegen also zwei unterschiedliche Maßstäbe vor.

Beunruhigend ist auch, was man von der Bergarbeiterinitiative „Kumpel für AUF“, die mobil gegen die Einlagerung von Giftmüll in (stillgelegten) Bergwerken macht, hört. Da wird von Müllanlieferungen per LKW, sowie von Schutzanzügen und Warnungen vor Kontakt mit dem Müll erzählt.

Analyse von Wasserexperten wird erwartet

Stefan Engel, Sprecher der Kumpelzeitung „Vortrieb“, fordert eine bessere Aufklärung der Menschen im Ruhrgebiet über Pläne und Vorhaben der Giftmüllverbringung. „Dass mit der Gesundheit der Menschen im Ruhrgebiet Roulette gespielt wird, ist nicht hinnehmbar“, meint er.

Ein Schritt in Richtung Aufklärung wird gemacht, denn im diesem Monat wird das Gutachten des Wasserexperten Dr. Harald Friedrich erwartet, der die Lage genau untersucht.

Vor der Wahl ist leider nicht nach der Wahl

Wie so oft vor einer Wahl greifen natürlich auch jetzt, vor den Bundestagswahlen 2013, die großen Parteien ein und geben ihre Sicht der Dinge wieder: die CDU-Fraktion beantragt einen Sachstandsbericht zu den möglichen Auswirkungen durch die Einlagerung von Schadstoffen in der stillgelegten Zeche Consol und die Grünen betonen, dass sie schon in den 90ern, als die Entscheidung im Rat getroffen wurde, den Müll im Bergwerk zu entsorgen, ablehnten während CDU und SPD dafür stimmten.

Die Frage bleibt

Das Gros der Bevölkerung will jedoch wahrscheinlich nichts von Schuldzuweisungen hören, sondern eigentlich nur eine Antwort auf die wichtigste aller Fragen: Könnte der Müll gefährlich werden und falls ja, was wird dagegen unternommen?
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