A 52-Diskussion: Was hat sich in den letzten 23 Jahren denn geändert?

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Zugegeben, ein Modell der Tunnelein- und -ausfahrt erhielten die Gladbecker erst im Vorfeld des Ratsbürgerentscheides Anfang des Jahres 2012 zu Gesicht. Aber schon im Sommer 1992, also vor nunmehr fast 23 Jahren, stand das Thema „Ausbau der B 224 zur A 52“ auf der Tagesordnung des damaligen Planungausschusses. Und auch damals war schon die Rede von einer Tunnellösung und einer auf dem Tunnel verlaufenden Stadtstraße. Was also hat sich in den vergangenen 23 Jahren getan?
Gladbeck: Stadtgebiet |

Schon seit dem Jahr 1972 wohnt der Ur-Gladbecker in seinem Haus an der Klopstockstraße in Stadtmitte. Und verfolgt bis heute natürlich das aktuelle Tagesgeschehen in seiner Heimatstadt. In einer Stadt, wo die anhaltende Diskussion um den Ausbau der B 224 zur A 52 weiterhin für Gesprächsstoff sorgt.

Unlängst hat der Gladbecker in seinen privaten Unterlagen „gewühlt“ - und ist fündig geworden: Ihm fiel ein Zeitungsausschnitt vom 9. Juli 1992 in die Hände. „Vision für 2000: B 224 im Tunnel Stadt lebt auf“ wurde dort getitelt.

Gutachtervorträge im Planungsausschuss


Berichtet wird dort über eine Sitzung des städtischen Planungsausschusses, dessen Mitglieder einen Vortrag von Gutachter Jochen Richard hörten. Richard mahnte an, dass bei einer täglichen Belastung von 40.000 Kraftfahrzeugen die B 224 bereits „übermäßig stark belastet“ sei und plädierte für eine „überdeckelte B 224 mit autolärmfreien Grünbereichen“, mit deren Hilfe Gladbeck denn auch wieder „zusammenwachsen“ könne.

Dem Zeitungsbericht ist zu entnehmen, das der Ausbau der B 224 zur A 52 auch schon 1992 im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen war, man allerdings statt der üblichen „verschlingenden Spaghetti-Ausfahrten“ nach besseren Lösungen suchte.

Stadtstraße auf dem Autobahn-Deckel


Eindeutig sprach sich Gutachter Richard dafür aus, auf die B 224 zwischen Phönix- und Grabenstraße einen „Deckel“ zu legen und aud auf diesem „Deckel“ bis zur Schützenstraße eine zweispurige Stadtstraße zu führen. So könne man auf teure Lärmschutzwände in dem genannten Bereich verzichten und über normale Ampel-Überwege sei auch das Freibad gefahrlos zu erreichen.

Regelrecht „entsetzt“ zeigte sich der damalige Berichterstatter über die geplanten Bausumme, die von einem Gutachter namens Heinrich Steven vorgelegt wurden. Allein die erforderlichen acht Meter hohen Lärmschutzwände würden, den Ausbau der B 224 zur A 52 und eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer vorausgesetzt, rund 33 Millionen Mark (heute also rund 16,5 Millionen Euro) kosten. Die geschätzten Gesamtkosten wurden übrigens mit 320 Millionen Mark (160 Millionen Euro) beziffert.

Vor 22 Jahren war aber auch ein Tunnel (cirka 1,9 Kilometer lang und 26 Meter breit) ein Thema, wurde als „eleganteste Lösung“ bezeichnet. Die Gutachter trugen auch vor, dass sich der Verkehr der Horster Straße, damals etwa 70 Prozent des gesamten Stadtverkehrs betragend, in die dafür „gut ausgebaute Wilhelm- und Sandstraße“ führen lassen würde. Auch wäre der Festplatz endlich „besser an die Innenstadt angebunden“ und würde mit den begrünten Halden eine „neue Qualität als grüne innerstädtische Oase“ erhalten.

Was hat sich im Laufe der Zeit denn verändert?


„Beim Studieren des Textes konnte ich mir ein gewisses Lächeln nicht verkneifen,“ gesteht der Gladbecker ein. „Schon vor 23 Jahren gab es eine kleine Diskussion um das Thema. Was hat sich im Laufe der Zeit denn verändert? Im Kern geht es weiter um den Ausbau der B 224 zur A 52. Daran hat sich nichts geändert. Sieht man einmal davon ab, dass der Widerstand durch die Autobahn-Gegner heute heftig ist, was damals scheinbar nicht der Fall war. Und die Baukosten sind natürlich regelrecht explodiert. Aber ansonsten?“.

Für den Mann von der Klopstockstraße drängt sich letztendlich nur eine Frage auf: „Wie sieht es in 23 Jahren, also im Jahr 2038, aus?“.
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