Backstage - so rockt Carl die Musikparade

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Carl bei der Probe - der gebürtige Londoner singt mit viel Gefühl. (Foto: Magalski)
 
Schotten und Dudelsäcke kommen gut an beim Publikum. (Foto: Magalski)
Hamburg, Köln, München, Berlin - der Tourplan der Musikparade führt Sänger Carl Ellis quer durch die Republik. Samstag vor einer Woche machte die Show in den Westfalenhallen in Dortmund Station. Der Lüner Anzeiger besuchte Carl und warf einen Blick hinter die Kulissen.

Der Eingang zur funkelnden Show-Welt liegt im Hinterhof. Vorbei am Pförtner und einer Schranke, am Parkhaus rechts durch eine Gasse zwischen den Gebäuden und durch eine Tür. "Willkommen in der Westfalenhalle" steht auf einem Schild - das ist also der erste Eindruck, auch für die Größen der Musikgeschichte. Plakate an den Wänden zeugen von ihren Besuchen. Die Treppe runter und man ist in den Katakomben unter der Erde. Von Glamour kaum eine Spur, stattdessen viel Beton und viel Grau. Der Raum mit der Nummer Vier gleich nach der Treppe gehört Carl Ellis, so steht es auch auf einem weißen Blatt neben der Tür. Im Raum stehen ein Tisch, ein Spiegel, ein paar Stühle, eine kleine Couch und in einer Nische gibt es ein Waschbecken. Star-Allüren kennt der sympathische Bochumer nicht, hat keinen Luxus in seiner Garderobe. Keinen Kühlschrank, keine Minibar. Carl holt seine Cola wie der Rest der über dreihundert Akteure in der kleinen Kantine neben seiner Garderobe und bekommt das gleiche Essen wie die Jungs aus Italien und die Mädels aus den Niederlanden. Schweinebraten oder Gulasch gibt es heute, dazu Bohnen, Kartoffel-Ecken, Reis, Salat. Zum Nachtisch Pudding. Zwischendurch ist immer Zeit für ein paar Worte mit den Musiker-Kollegen oder ein Foto für Facebook. "Teil der Musikparade zu sein, ist eine tolle Erfahrung, die Leute hier sind großartig", sagt Carl. Das Publikum sei in jeder Stadt anders, vor allem von der Mentalität.

Oberstleutnant im Jogginganzug

Stimmengewirr in vielen Sprachen erfüllt die langen Gänge. International sind die Akteure der Musikparade. Gruppen aus Italien und Polen sind in diesem Jahr dabei, Deutschland oder Österreich. Russland und Ukraine. Politik spielt keine Rolle. Im Leben abseits der Show ist die Stimmung zwischen den beiden Ländern auf dem Tiefpunkt, rasseln die Militärs mit den Säbeln, doch im Musikparade-Team scherzen Ukrainer und Russen einfach so miteinander, von Mensch zu Mensch. "Musik verbindet eben, die Musikparade ist wie eine Familie", erzählt Marc Juschka, der Chef der Produktion. "Respekt, es geht um Respekt im Umgang miteinander", ergänzt Carl. Ihm, dem Schwarzen mit Wurzeln in London, ist dieses Thema ein großes Anliegen. Proben müssen auch die Profis vor jeder Show. Jede Halle ist anders, hat ihre Besonderheiten. Die Westfalenhalle wirkt ohne Besucher auf den weiten Rängen noch riesiger und die Musiker vom obersten Rang wie wuselnde Ameisen. Die Stimmung ist professionell, die Kommandos klar und locker die Kleidung. Oberstleutnant Smal, der Dirigent der Ukrainer, kommt im Jogginganzug, andere tragen schlabbrige Pullover. Schicke Uniformen gibt es erst später, vor Publikum. Drei Stunden noch bis zum Beginn.

Popsongs statt Radetzky-Marsch

Carl Ellis nutzt die Zeit nach der Probe zum Relaxen auf der Couch. Kennt Carl noch Lampenfieber? "Aufgeregt bin ich vor manchen Shows schon, aber das ist eine gute Aufregung und kein schlechtes Gefühl", erzählt der Sänger. Carl ist ein alter Hase im Show-Geschäft. Jahre fuhr er singend als Papa auf Rollschuhen durch das Musical Starlight Express in seiner Heimatstadt Bochum und kam bei der letzten Staffel von "The Voice" bis in die Battles. Das Rampenlicht ist sein Ding. Rampenlicht ist ein gutes Stichwort, denn nun beginnt die Show. Die Schotten marschieren mit den Dudelsäcken durch wabernden Nebel. Die Berg-Saglieri, eine Spezialeinheit der italienischen Streitkräfte, machen Musik im Laufschritt und haben dennoch genug Puste für ihre Blasinstrumente. Zum Ende der ersten Hälfte hat Carl seinen ersten Auftritt mit dem Song "Valerie". Die Ukrainer begleiten ihn und die Truppe beweist: Blasmusik kann auch für junge Leute "sexy" sein und ist mehr als nur der Radetzky-Marsch.

Honig für die Stimmbänder

Carl hat wieder Pause, noch ein letzter Moment der Ruhe vor dem großen Finale mit allen Kapellen. Seit Januar reist er schon mit dem Musikparade-Team von Stadt zu Stadt und "Project Carl", die Leser-Aktion in Kooperation mit dem Lüner Anzeiger, machte deshalb eine kleine Pause. "Project Carl ist jetzt aber zurück, der Gewinner der ersten Bewerbungsrunde steht fest und bald gibt es für ihn Überraschung", verrät der Sänger in seiner Garderobe. Zwanzig Minuten bis zum zweiten Auftritt. Zum Pflegeprogramm gehört viel Honig. "Gut für die Stimmbänder", verrät der Profi und drückt die goldene Flüssigkeit von der Packung direkt in den Mund. Ob der Honig der Grund ist, dass Carl mit Leonhard Cohens "Hallelujah" im Finale dann viele Zuschauer zu Tränen rührt, bleibt an diesem Abend ein Geheimnis. Feierabend hat Carl nach der Show noch nicht, denn erst schreibt er Autogramme, dann geht es ins Auto. Sonntag gastiert die Musikparade in Wetzlar. Zwei Stunden Autobahn bis zum wohlverdienten Hotel-Bett und auch wenn er ganz in der Nähe ist, reicht die Zeit nicht für einen Besuch bei seiner Frau und den drei Töchtern in Bochum. Immer auf Achse, das ist die andere Seite des Musiker-Lebens.

Thema "Carl Ellis" im Lokalkompass:
> Carl Ellis sucht Dich für Project Carl

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