Drei Jahre Gefängnis für Lüner nach Traumhochzeit im Fernsehen

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Der 29-Jährige Lüner wurde vom Schöffengericht in Lünen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.
 
Der Staatsanwalt hatte drei Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe gefordert.
Die Hochzeit eines Paares aus Lünen war in der VOX-Sendung „4 Hochzeiten und eine Traumreise“ zu sehen. Ein Teil dieser Hochzeit hatte am Mittwochmorgen ein Nachspiel vor dem Lüner Amtsgericht. Am Ende gab es eine Geldstrafe für die Ehefrau. Für den Ehemann kam es dagegen knüppeldick: Der dreifache Familienvater muss für drei Jahre ins Gefängnis.

Es dauerte alleine mehrere Minuten, bis der Staatsanwalt die lange Liste der Vorwürfe verlesen hatte. In dem Zeitraum von November 2010 bis April 2013 wurden dem Angeklagten 17 Betrugsfälle mit einer Summe von rund 33.000 Euro zur Last gelegt. Drei der Anklagepunkte soll der 29-Jährige dabei gemeinsam mit seiner 32-jährigen Frau begangen haben.

Bei zwei dieser gemeinsamen Anklagepunkte kommt die vermeintliche Traumhochzeit ins Spiel, die der Sender VOX in seinem Format präsentiert hatte. In der Privatinsolvenz und ohne finanzielle Mittel stand das Paar in der Bredouille. Man hatte bei VOX bereits einen Vertrag unterschrieben. Eine Lokalität in Lünen habe die bereits gebuchte Feier aufgrund der Dreharbeiten verweigert, wie der Angeklagte berichtete. Er fürchtete Strafen bei Nichteinhalten des Vertrags mit VOX. „1.000 Euro gab es vom Fernsehsender für die Teilnahme“, so der Angeklagte.

Eine Reise auf die Malediven gab es bei VOX zu gewinnen

Zunächst hatte das Paar dann in Iserlohn in einem Hotel für die Ausrichtung der Hochzeitsfeier angefragt, eine Woche vor dem Hochzeitstermin im Jahr 2012. Über hundert Gäste sollten kommen. Rund 11.000 Euro sollte die Feier pauschal kosten. „Normal sind 50 Prozent Anzahlung, der Bräutigam sagte, er wolle dann alles vorher bezahlen“, berichtete der Hoteleigentümer als Zeuge. Doch Geld wurde nie bezahlt. Die Versuche des Angeklagten, den Wirt mit gefälschten Überweisungsbestätigungen zu täuschen, schlugen fehl. Der Wirt ließ die Feier kurzfristig platzen, verlangte später 5.750 Euro Euro für die entstandenen Kosten vom Ehepaar.

Das Paar feierte kurzfristig seine Hochzeit in Unna, einen Tag vor der Party wurde alles mit dem Wirt besprochen, die Mutter des Angeklagten streckte 1.500 Euro vor, von den Bargeldgeschenken zahlte das Paar 3.000 Euro am Abend der Feier. Die ausstehenden 3.300 Euro bekam der Wirt dann allerdings nie zu sehen. Während der Ehemann in allen Anklagepunkten geständig war, wollte die Frau von den vorsätzlichen Betrugsversuchen nichts gewusst haben. „Ich dachte mein Mann regelt das, das hat er immer gesagt“, so die Frau. Er sei es ohnehin gewesen, der seit Jahren die Finanzen belastete, sodass auch die Frau in die Insolvenz rutschte. Auch das bestätigte der Angeklagte. Lange habe er seine Frau hinter das Licht geführt. Der Mann hatte schon lange Schulden angehäuft. 100.000 Euro seien es im Jahr 2011 gewesen.

Fernseher für 7.500 Euro bestellt - aber nie bezahlt

Eine nicht geleistete Zahlung an einen Anwalt wurde dem Ehepaar ebenfalls gemeinsam vorgeworfen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Beatrix Pöppinghaus verurteilte die nicht vorbestrafte Ehefrau zu 180 Tagessätzen à 10 Euro. Sie sei bei den Besprechungen im Vorfeld der drei Verträge dabei gewesen und deshalb mit ihrem Mann gemeinsam als Vertragspartner zu sehen.
Für den Ehemann wurde das Gerichtsverfahren ein Jahr nach der Traumhochzeit zum Albtraum. Drei Jahre Gefängnis lautete das Urteil. Seit dem 8. November 2013 saß er bereits in Untersuchungshaft. Weil die Ermittlungsbehörden Wiederholungsgefahr und Fluchtgefahr sahen, wurde der Mann direkt wieder nach der Verhandlung von den Vollzugsbeamten abgeführt. Der Abschied von der Frau und dem jüngsten Kind, das kein Jahr alt ist, wurde im Saal verwehrt.

Der Grund für die Strafe liegt auch in der Vergangenheit des Ehemanns. Der Angeklagte war einschlägig und mehrfach vorbestraft mit zehn Einträgen. Meist Betrug oder vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dazu kamen Vergehen in Österreich und in der Schweiz. Der Angeklagte war seit 2007 dauerhaft auf Bewährung.
Rund einen Monat nach einer weiteren Verurteilung auf Bewährung im Jahr 2010 folgte der nächste Betrug. Der Angeklagte ließ sich für rund 2.600 Euro bei einem Zahnarzt behandeln, ohne zu bezahlen. Gegenstand der Verhandlung in Lünen waren dazu 16 weitere Vergehen, darunter u.a. die Bestellung eines Fernsehers für 7.500 Euro, die Bestellung weiterer TV-Geräte, sowie hochwertige Haushaltsgeräte.

Auch nach seiner psychiatrischen Behandlung 2011 nach seinem angekündigten Selbstmord und Depressionen dauerte es nur zwei Wochen bis zur nächsten Straftat. Angesichts des gut gefüllten gerichtlichen Lebenslaufs des Angeklagten sagte Richterin Beatrix Pöppinghaus: „Sie sind durch nichts und niemanden zu stoppen.“ Zwar seien das umfassende Geständnis und die Depressionen des Angeklagten mildernd anzurechnen, aber diese Professionalität und die wiederholte Vorgehensweise sah das Gericht als erwerbsmäßigen Betrug an.

„Ich habe mir die Realität zurechtgebogen, alles weggeschoben in den Momenten“, sagte der Angeklagte mit brüchiger Stimme.

Es stehen dazu noch ein Verfahren in Witten und nicht angeklagte Vorwürfe aus. Die Richterin, die die VOX-Episode gesehen hatte, fragte die Angeklagte, wie man bei den ganzen Geldsorgen so eine Hochzeit feiern könne, mit strahlenden Gesichtern des Paares. „Ich habe nur an dem einen Tag gestrahlt“, so die Ehefrau. Unter Tränen sagte sie: „Es war nicht der schönste Tag meines Lebens. Es war auch seine Idee mit VOX.“

Nach der Urteilsverkündung sagte die Ehefrau: „Ich schäme mich. Ich weiß, er hat die Strafe verdient, aber auch wir als Familie sind geschädigt.“
Der Angeklagte entschuldigte sich, auch er wisse, dass er eine Strafe verdient habe. Er hoffe, dass er im Gefängnis nun eine Therapie für seine psychischen Probleme beginnen könne, um später ein normales Leben führen zu können.
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2 Kommentare
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Hans Werner Wagner aus Lünen | 13.11.2013 | 19:54  
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Bernhard Groteböhmer aus Lünen | 14.11.2013 | 19:33  
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