Macht Elektro den Benzinern Konkurrenz?

Flott unterwegs: Der Ampera hat ordentlich was unter der Haube. (Foto: Schmälzger)
 
Blick über das Lenkrad auf den Bordcomputer. (Foto: Magalski)
Ampera - wer in der Schule in Physik aufgepasst hat, der weiß es geht um Strom. Der Elektronik-Spezialist unter den Autos im Opel-Stall soll E-Mobilität über lange Strecken möglich machen. Der Lüner Anzeiger macht den Test.

Ein Elektrofahrzeug? Viele Bekannte reagieren skeptisch. Vorurteile sind schnell bei der Hand. Ein Auto ohne satten Sound macht keinen Spaß! Elektro fahren nur Senioren. Die Dinger kommen nicht aus dem Quark. Wer das glaubt, der hat - das wird schon nach dem ersten Testtag deutlich - schlichtweg keine Ahnung. Die Zeiten, in denen Elektroautos höchstens was für Öko-Fans waren, sind vorbei. Sportlich präsentiert sich der Ampera, den wir für den Test im Autohaus Rüschkamp abholen. Breites Heck, tiefe Straßenlage, geschwungene Scheinwerfer.

Keine Angst vor den Benzin-Kollegen

Das Cockpit des Ampera erinnert an einen Hubschrauber. Viele Knöpfe, viel Technik und zwei großes Bordcomputer; es braucht Zeit sich mit allen diesen Funktionen vertraut zu machen. Das Zündschloss sucht man vergebens. Schlüssel in die Mittelkonsole legen, Startknopf drücken und schon läuft der Motor. Wirklich? Wer Elektro nicht kennt, der stutzt, denn mehr als ein leises Summen ist nicht zu hören. Angenehm, aber auch mit Problemen behaftet. Langsam gefahren wird so ein Elektrofahrzeug zum Flüster-Mobil, inklusive aller damit verbundenen Gefahren für Fußgänger. Autofahrer sei (noch mehr) wachsam, heißt es da. Die spezielle Fußgängerhupe, leiser und freundlicher als ihr großer Bruder, hilft. Dank des Elektromotors mit 150 Pferdestärken braucht der Ampera den Vergleich mit seinen Benzin-Kollegen nicht zu scheuen.
Frisch geladen schafft die Batterie nach Angaben von Opel zwischen 40 und 80 Kilometern, immer mit abhängig von Fahrweise, Strecke und Außentemperatur. Der "Range Extender", zu deutsch Reichweitenverlängerer, macht den Ampera fit für lange Strecken. Ist der Akku leer, springt der Benzin-Generator an und liefert so den Strom. Mehr als 500 Kilometer am Stück sollen laut Hersteller möglich sein. Zusätzlich wird beim Bremsen Energie zurück in die Batterie geschickt.

Autos blockieren Stromtankstelle

Wer gelassen fährt, hat deutlich mehr von einer Ladung. Das wird nach kurzer Zeit klar. Einige Kilometer mit Bleifuß über die Autobahn lassen die Ladeanzeige schnell schrumpfen. Da machen Benziner und Elektroauto keinen großen Unterschied. Gut, dass es am Rathaus eine öffentliche Ladesäule gibt. Kabel rein, Auto anschließen und schon fließt der Strom. Kostenlos eine tolle Sache. Um die Säule freizuschalten braucht es nur eine Chipkarte von den Stadtwerken Lünen oder einen Anruf bei der rund um die Uhr besetzten Telefonnummer der Stadtwerke-Bereitschaft. Soweit die Theorie. Zwischen dem Willen und der Praxis liegen leider gute drei Meter unüberwindbares Metall. Morgens blockiert ein blauer Kleinwagen - ein Benziner - die Säule, nachmittags ein silbernes Auto.

Deutschland nicht bereit für E-Mobilität

Ist zwar verboten, stört die Falschparker aber wenig. Das große blaue Schild mit dem eindeutigen Satz "Elektrofahrzeuge während des Ladevorgangs frei" wird ignoriert. Es ist wie beim berühmten Parken auf dem Behindertenparkplatz. Eine junge Frau, die wir ansprechen, sieht die Schuld nicht bei sich. Die anderen Autofahrer machten das doch schließlich auch. Und außerdem stehe dort nie ein Elektroauto. Was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Stromtankstelle ständig von Benzinern zugestellt ist. Von Minuten für einen kurzen Einkauf bis hin zu mehreren Stunden Dauerparken. Schön ist anders, bremst uns aber nicht aus. Können wir doch den Ampera mit dem Ladekabel aus dem Kofferraum an jede normale Steckdose hängen. Gut so, denn das Netz öffentlicher "Strom-Tankstellen" ist bisher zu dünn für eine Zukunft mit mehr E-Mobilität. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, sich ein Elektrofahrzeug zu kaufen, sollte also bei der Frage der Ladung nicht darauf verlassen. Ideal ist eine eigene Ladestation direkt am Stellplatz am Haus, um immer mit frischer Energie zu starten. Ein weiterer Nachteil beim öffentlichen Strom-Tanken: Weil sich das Ladekabel beim Ampera nicht verriegeln lässt, bleibt immer die spannende Frage, ob das Kabel nach dem Ladevorgang noch da ist. Wir hatten Glück, auf geht es in den nächsten Test-Tag.

Wir testen weiter! Lesen Sie am Wochenende den zweiten Teil unserer Serie in Ihrem Lüner Anzeiger und auf Lokalkompass.de!

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> Nachbarn können sich Autos teilen
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3 Kommentare zum Beitrag
3.944
Renate Croissier aus Lünen am 20.02.2013 um 07:44 Uhr  
6.777
Daniel Magalski aus Lünen am 20.02.2013 um 07:51 Uhr  
4.830
Norbert Opfermann aus Düsseldorf am 20.02.2013 um 14:13 Uhr  
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