Feydeaus „Hasenjagd“ an der Ruhr

Anzeige
Betrüger und Betrogene treffen unerwartet und plötzlich aufeinander. (Foto: PR-Foto Köhring/AK)

Das Theater an der Ruhr bringt Georges Feydeaus Geschichte um „Monsieur Chasse oder wie man Hasen jagt“ einmal ganz anders auf die Bühne. Roberto Ciulli suchte die Geschichte hinter der Geschichte und setzte sie sehenswert in Szene.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Der windige Anwalt Duchotel, (Albert Bork) betrügt seine Frau Léontine (Petra von der Beek). Er gibt vor, auf die Jagd mit seinem besten Freund Cassagne (Rupert J. Seidl) zu gehen. Doch Cassagne ist kein Freund der Jagd - und erzählt dies auch Léontine. Aber er weiß, dass seine Frau ihn betrügt, ahnt allerdings nicht, dass Duchotel der Liebhaber ist.
Die Liebeshungrigen treffen sich immer im Haus der Gräfin Madame Latour (Volker Roos) in der Rue d‘Athènes 40.
Die betrogene Léontine wehrt ihrerseits das Werben von Dr. Morice um ein Schäferstündchen zunächst standhaft ab. Als sie den Betrug ihres Mannes herausfindet, gibt sie dem Ansinnen des Doktors nach und findet sich im Haus der Gräfin ein. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Zu Verwirrung trägt dann auch noch Gontran (Marco Leibnitz) bei, ein Neffe des Anwalts.

Feydeaus Geschichte selbst ist gespickt mit Regieanweisungen. „Doch die muss man alle vergessen, bis auf eine“, sagt Roberto Ciulli. Und die hat er mit Finesse auf die Bühne gebracht: den Regen. Es gewittert, plätschert und donnert, mal mehr, mal weniger, deutlich sicht- und hörbar, während des gesamten Stückes. Doch ansonsten streicht Ciulli die clownesken Vorgaben der Ursprungsfassung und wagt den gelungenen Blick auf die Geschichte hinter der Geschichte.

Herausgekommen ist eine Aufführung, die durchaus noch komische Elemente enthält, jedoch deutlich die doppelte Moral herausstellt, die das Bürgertum des 19. und frühen 20. Jahrhundert kennzeichnet.

Ciulli zeigt deutlich die Skrupellosigkeit der Gesellschaft in Form von Duchotel und ihre innere Zerrissenheit in Form seiner Frau auf. Sie hält die moralischen Werte hoch, gerät aber zunehmend ins Wanken.
Irgendwo zwischen diesen Extremen lässt Ciulli Dr. Mocet wandeln. Der jüngste im Bunde, Gontran, ist genauso unmoralisch wie sein Onkel, bleibt dabei aber jedoch sympatisch.

Dieses moralische Drunter und Drüber inszeniert Ciulli in eher leisen Tönen. Er arbeitet geschickt mit den Mitteln der Stille, Pause, dem Raum und der Musik - und das gekonnt. Das schließt natürlich ein Feuerwerk an Kalauern aus.
Vielmehr legt Ciulli Wert auf den soziologischen Blick. Bei der Wahl der Schauspieler beweist der Regisseur ein gutes Händchen. Sie verkörpern die ihnen zugewiesenen Rollen eindrucksvoll.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.