Hat das Historische Klassenzimmer in Styrum noch eine Chance?

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Diese Aufnahme entstand 2012: Marlies Pesch-Krebs und der unvergesse August Weilandt (1917-2014) im Historischen Klassenzimmer. (Archivfoto: Emons)
 
Was August Weilandt einst an die Tafel des Historischen Klassenzimmers schrieb, gilt bis heute: "Ohne Fleiß kein Preis" (Archivfoto: Emons)

"Ich bin bereit, mit allen Beteiligten noch einmal auszuloten, was möglich wäre, wenn alle ausreichende Kompromissbereitschaft und Flexibilität mitbrächten", sagt der für Styrum zuständige Bezirksbürgermeister Hans Werner Czeczatka-Simon mit Blick auf das Historische Klassenzimmer, dessen Inventar zurzeit im Rathauskeller eingelagert ist.

Dass alte Schulbänke, Schiefertafeln, Karten, Bücher, Tornister, Rechenschieber und vieles mehr, mit dem unsere Großeltern und Urgroßeltern anno dazumal fürs Leben lernten, der interessierten Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind, bringt die Mitglieder des Geschichtsgesprächskreises Styrum, der sich immer wieder freitags in der Feldmannvilla an der Augustastraße 108 trifft, in Rage.

Lernort für viele Schulklassen

"Das Historische Klassenzimmer in der Schule an der Schlägelstraße war für Schulklassen aus dem ganzen Ruhrgebiet ein beliebter Ausflugs- und Lernort", erinnert sich die ehemalige Schulleiterin Marlies-Pesch-Krebs an die besten Zeiten des 1996 eingerichteten Historischen Klassenzimmers. Anlass seiner Eröffnung war damals das 100-jährige Bestehen der Gemeinschaftsgrundschule an der Schlägel- und Meißelstraße.
Vergangenheit. Heute wird das ehemalige Schulgebäude an der Schlägelstraße von einer Kindertagesstätte und das benachbarte Schulgebäude Mei9ßelstraße vom Verein Kunsthaus genutzt. Nicht nur das Inventar des Historischen Klassenzimmers, das vor allem von Marlies Pesch-Krebs und dem unvergessenen August Weilandt (1917-2014) als "Fräulein Lehrerin" und "Herr Lehrer" mit Leben gefüllt wurde, sondern auch das Inventar des damaligen Arbeits- und Seminarraumes (Büromöbel, Drucker und diverse historische Dokumente) landeten im Rathauskeller.
"All diese Dinge sind gut eingelagert und gehen nicht verloren, auch wenn sie derzeit nicht genutzt und ausgestellt werden können", betont Stadtsprecher Volker Wiebels.
Er weist darauf hin, dass die Stadt dem Geschichtsgesprächskreis das Angebot gemacht habe, as Historische Klassenzimmer entweder im neuen Kunsthaus an der Meißelstraße oder an einer Schule außerhalb Styrums unterzubringen. Beides, so Wiebels, sei vom Geschichtsgesprächskreis nicht gewünscht.
Marlies Pesch-Krebs und Heinz Wilhelm Auberg vom Geschichtsgesprächskreis machen deutlich, dass das Historische Klassenzimmer, das aus ihrem 1991 begründeten Kreis hervorgegangen sei, auf jeden Fall in Styrum bleiben und durch einen zusätzlichen Arbeits- und Seminarraum ergänzt werden müsse, um, ähnlich, wie in Oberhausen, als pädagogisch wertvolles Schulmuseum genutzt zu werden.
Sie könnten sich dessen Unterbringung auch an einer anderen Styrumer Schule vorstellen. Doch Stadtsprecher Wiebels macht angesichts der zahlreichen Flüchtlingskinder, die als Seiteneinsteiger unterrichtet werden müssen deutlich, dass es in Styrum derzeit keine freien Schulraumkapazitäten gebe und die Gewährleistung des Schulunterrichtes für die Stadt Priorität habe.
Für den Fotografen Heiner Schmitz vom Verein Kunsthaus wäre eine für alle Beteiligten gute Lösung im alten Schulhaus an der Meißelstraße möglich gewesen.

Ein Kompromiss wäre möglich

"Wir haben dem Geschichtsgesprächskreis einen Raum für das Historische Klassenzimmer und einen weiteren Raum angeboten, den wir abwechselnd und gemeinsam hätten nutzen können", sagt der Ruhrpreisträger. Aus seiner Sicht sind die damaligen Gespräche an der Kompromisslosigkeit des Geschichtsgesprächskreises gescheitert, weil dieser sich auch geweigert habe, einen Anteil der Unterhaltskosten für das Kunst- und Schulhaus zu tragen. Dabei könnte sich Schmitz durchaus vorstellen, dass ein Historisches Klassenzimmer im Künstlerhaus für alle Beteiligten eine wertvolle Plattform für gemeinsame Aktionen und Projekte sein könnte.
Heinz Wilhelm Auberg hat das Gespräch mit den Vertretern von Kunsthaus allerdings anders, als Schmitz, in Erinnerung: "Man war dort nicht bereit, uns einen der insgesamt zehn vorhandenen Erdgeschoss-Räume als Empfangs- und Arbeitsraum für Schülergruppen zur Verfügung zu stellen", unterstreicht Auberg. Er zeigt sich aber kompromissbereit, wenn er feststellt: "Auch ein halber Klassenraum würde vielleicht schon für unsere Bedürfnisse ausreichen."Thomas Emons
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