"Hybrid-OP" sorgt für bessere Behandlungsmöglichkeiten in Wattenscheid

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Dr. Hans Peter Both (rechts), Chefarzt der Kardiologie im Martin-Luther-Krankenhaus, und Dr. Claudiu Rascanu, Chefarzt der Gefäßchirurgie, gaben im Stadtspiegel-Interview einen Ausblick auf die Nutzungsmöglichkeiten, die der neue Operationssaal bietet. Fotos (2): Petra Anacker
 
"Der Hybrid-Operationssaal ermöglicht eine integrierte medizinische Betrachtung von Herz- und Gefäßerkrankungen." (Foto: Anacker)

Bereits seit Mitte Februar wird auf der Baustelle auf dem Gelände des Martin-Luther-Krankenhauses (MLK) kräftig angepackt. Hier soll ein "Hybrid-Operationssaal" entstehen, der eine bessere Behandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten ermöglichen soll.

Im August 2016 soll der erste "Hybrid-OP" in Bochum und Wattenscheid eröffnet werden. Der rund drei Millionen Euro teure Anbau soll die Möglichkeit schaffen, sowohl kardiologische Untersuchungen und Interventionen als auch gefäßchirurgische Eingriffe auf schnellem und kompetentem Weg durchzuführen.
Im Gespräch mit dem Stadtspiegel Wattenscheid gaben Dr. Hans Peter Both, Chefarzt der Kardiologie, und Dr. Claudiu Rascanu, Chefarzt der Gefäßchirurgie, einen Überblick zu den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten des neuen Operationssaals. Dabei erläuterten sie auch die Ausstattungsmerkmale und damit die medizinische Weiterentwicklung und Kooperation der Abteilungen.

Der neue "Hybrid-Operationssaal" ist zur Mehrfachnutzung gedacht. Wodurch wird er sich auszeichnen?
Dr. Hans Peter Both:
Zunächst einmal muss der neue Operationssaal bestimmten Hygienekriterien entsprechen. Das heißt, die Flächen müssen gut abwaschbar sein und die Klimatisierung muss ebenfalls an die Operationsvorschriften angepasst sein. Mit dem Neubau sind wir in dieser Hinsicht in der Oberliga angekommen.
Die Mehrfachnutzung beinhaltet, dass wir künftig in der Lage sein werden, die kardiologische und die gefäßchirurgische Abteilung zu verbinden und damit alle Bereiche - von der äußeren Behandlung bis hin zu Eingriffen in das Gefäßinnere - abzudecken.
Dr. Claudiu Rascanu: Mit dem "Hybrid-OP" behandeln wir in Zukunft alles, von der Halsschlagader bis hin zum großen Zeh. Wir sind in der Lage, auf kurzem Weg und auf höchstem medizinischem Niveau zu agieren.

Herz- und Gefäßerkrankungen gehören laut Statistischem Bundesamt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Können Sie uns ein typisches Beispiel nennen, das den Vorteil eines "Hybrid-OPs" darstellt?
Dr. Hans Peter Both:
Die kardiologischen und die gefäßchirurgischen Zugangswege sind oft gleich oder ähnlich. Ein typischer Zugang führt beispielsweise über die Leiste. Bei vielen Patienten ist oft nicht nur das Herz, sondern sind auch Gefäße betroffen. So würde man durch die Leiste zunächst ein betroffenes Gefäß dehnen, aber gleichzeitig den Weg zum Herzen nutzen. Wir nutzen also das gleiche "Setting" und ersparen Betroffenen so auch Mehrfacheingriffe.
Dr. Claudiu Rascanu: Auch die Risikofaktoren, wie beispielsweise das Rauchen, sind bei unseren Patienten oft ähnlich. Die Zusammenarbeit beziehungsweise die Berührungspunkte gibt es also bereits. Bislang war es allerdings schwierig, alles an einem Tag zu lösen. Der neue Operationssaal bietet hier einen großen Vorteil, da man praktisch alles in einem vor Ort hat. Künftig sind wir auch in der Lage, beatmete Patienten zu operieren, denn die Räumlichkeiten sind groß genug. Damit fallen zeitaufwendige und komplizierte Verlegungen weg.

Der neue Operationssaal wird mit einer medizinischen Bildgebung ausgestattet. Was heißt das genau?
Dr. Hans Peter Both:
Bisher haben wir zum Röntgen einen sogenannten C-Bogen genutzt. Dieser ließ sich jedoch schwer einstellen. Im neuen Operationssaal wird es einen motorisierten C-Bogen geben. Dieser ermöglicht es, schnell verschiedene Aufnahmen zu machen, die dann in der Betrachtung übereinanderliegend dargestellt werden können. Sollte ein Stent - eine Gefäßstütze aus Metall oder Kunstfasern - eingesetzt werden, so ermöglicht die neue Technik außerdem die Berechnung der benötigten Größe und der genauen Positionierung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit des Ultraschalls, der im Gegensatz zum Röntgen die Aufnahme aus mehreren Perspektiven darstellen kann. Die gesammelten Bildinformationen werden dann gebündelt auf einem Bildschirm mit einer Breite von fast einem Meter gezeigt.
So können wir vor Ort auf höchstem technischem Niveau gemeinsam arbeiten.
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