Endlich Vögel singen hören - Ulrich Wagner erhält mehr Lebensqualität durch Hörimplantat

Ulrich Wagner genießt neugewonnene Lebensqualität durch ein Hörimplantat.
  • Ulrich Wagner genießt neugewonnene Lebensqualität durch ein Hörimplantat.
  • Foto: LVR-HPH-Netz Niederrhein
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Ulrich Wagner steht morgens gerne früh auf. Weil er sich auf die Arbeit freut. In die Werkstatt gehen kann, etwas Sinnvolles tun. Seit mehr als einem halben Jahr hat er einen Grund mehr, sich auf die Arbeit zu freuen. „Weil ich auf dem Weg die Vögel singen höre.“Das kann nur derjenige verstehen, der Ulrich Wagners Lebensgeschichte kennt. Der heute 58-Jährige hat viele Jahrzehnte in seiner eigenen Welt gelebt. Leben müssen. Durch eine schwere Erkrankung verlor er mit fünf Jahren sein Gehör und erblindete. Seine Eltern kümmerten sich bis ins hohe Alter liebevoll um ihren Sohn. Doch als die Mutter starb, war dem Vater schnell klar, dass er die Betreuung seines Sohnes nicht alleine schaffen konnte. Und so zog Ulrich Wagner vor zwei Jahren in den LVR-HPH-Wohnverbund an der Dr. Broekmannstraße in Kranenburg ein.

Sein größter Wunsch damals. „Ich möchte in die Werkstatt.“ Haus Freudenberg liegt in unmittelbarer Nähe des LVR-HPH-Wohnverbundes, dort ist Ulrich Wagner jetzt beschäftigt. Die Arbeit sei für ihn sehr wichtig, so LVR-HPH-Wohnverbund-Teamleiterin Margret Franck. „Er ist so glücklich, dort zu sein, das zeigt einmal mehr, welche Bedeutung Arbeit für Menschen hat.“
Als Ulrich Wagner ins Haus an der Dr. Broekmannstraße einzog, trug er zwar Hörgeräte, aber die schienen ihm nicht zu helfen. Wer sich mit ihm unterhalten wollte, musste das Lorm-Alphabet beherrschen. Dieses Alphabet ist für die Kommunikation von Taubblinden entwickelt worden. Dabei werden Wörter in die Hand buchstabiert, nach dem Lorm-Alphabet: Jedem Finger und jeder Handpartie ist ein bestimmter Buchstabe zugeordnet.
Eine Kollegin aus dem Team befasste sich intensiv mit dem Thema Hören, recherchierte den neuesten Stand der Medizin und wurde beim Deutschen HörZentrum in Hannover schließlich fündig. Dieses Zentrum gehört zur HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover und gilt als weltweit größte Einrichtung für so genannte Cochlea-Implantate. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Gerät, das die Funktionen des natürlichen Hörvorgangs im Innenohr imitiert und elektrisches Signale an den Hörnerv sendet. Das Implantat wird wie der Name schon sagt, durch eine Operation eingesetzt. Zum System gehört außerdem ein äußerer Soundprozessor, der mit einem kleinen Magneten hinter dem Ohr auf der Haut befestigt wird.
Mehrmals mussten Ulrich Wagner und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LVR-HPH-Wohnverbundes nach Hannover fahren, da etliche Voruntersuchungen notwendig waren. Und dann war der große Tag endlich da: Ulrich Wagner wurde operiert. Fünf Tage blieb er im Krankenhaus, eine Zeit, an die er sich übrigens gerne zurückerinnert. Wegen Steffi, sagt er. Das war die Betreuungsassistentin in der Klinik, die in dieser Zeit nur für ihn da war und ihm bei den ersten Schritten in seinem neuen Leben begleitet hat.
Wer so lange nichts gehört und kaum gesprochen hat, der muss dies erst wieder lernen. Eine Logopädin kümmert sich um Ulrich Wagner, aber auch das Team von Margret Franck übt mit ihm. „Anfangs einzelne Wörter wie Monatsnamen, Farben, Tage oder auch Obstbezeichnungen.“ Und jeder, der sich mit Ulrich Wagner unterhält, hat nach kurzer Zeit den Bogen raus, wie die Verständigung am besten klappt.
Noch hat Ulrich Wagner nur ein Implantat auf der rechten Ohrseite. Nach einem Jahr wäre eine zweite Operation auf der linken Seite möglich. Für den Mann mit dem sympathischen Lächeln ist klar, dass er dann wieder nach Hannover in die Klinik geht. Auch, um die Vögel dann noch besser zu hören.

Autor:

Lokalkompass Kleve aus Kleve

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