Josef Busch als Kuhhirt Kortebusch

Josef Busch, der in den vergangenen Jahren im Karneval den Kuhhirt Kortebusch verkörperte.
  • Josef Busch, der in den vergangenen Jahren im Karneval den Kuhhirt Kortebusch verkörperte.
  • hochgeladen von Siegfried Materna

Fritz Kortebusch war der letzte Kuhhirte von Bochum, der das Vieh der Bürger einst auf die Vöde (städtisches Weideland) trieb. Auch symbolisiert er Bochums Selbstverständnis als „ehrliche Haut“ - eine Art Bodenständigkeit.

Josef Busch verkörperte viele Jahre in der Bütt im Karneval den Kuhhirten Kortebusch. Seine humorvollen Reden sind nicht vergessen. Leider ist Josef Busch nicht mehr aktiv im Karneval tätig, Trotzdem kann er es nicht ganz lassen und nimmt sich noch einmal das Bochumer Geschehen aus dem Jahr 2013 vor:

Von Josef Busch als Kuhhirt Kortebusch:

Hört, hört - ihr lieben Leute unserer Stadt,
was euer Kuhhirt Kortebusch euch heut zu sagen hat,
der immer noch auf seinem Sockel steht und alles sieht und hört,
wenn es um unser Bochum geht!

Das Jahr 2013 ist vorbei - vergangen, doch nicht sorgenfrei,
weil viel geschah im alten Jahr,
was nicht so ganz erfreulich war,
so dass vor Schreck - o Donnerkiel -
ich oft von meinem Sockel fiel.

Da war - für Bochum ganz fatal -
der große Stadtwerke-Skandal,
weil man das knappe Geld der Stadt für Killefit verhökert hat:
Für Adorf, der erst gar nicht kam
und Steinbrück, der die Mücken gerne nahm,
und sich damit recht ungeniert als Kanzler-Kanditat hat profiliert -
als Genosse der Bosse, mit vollen Taschen sozusagen
und wenig glaubhaft für soziale Fragen.
Kein Wunder, dass die SPD mit diesem Mann
keine Wahl gewinnen kann.

Nicht minder gab es Zoff und Gift
im Streit mit dem Antonius-Stift,
wobei die Stadt, bei allem was geschah,
zwar Recht behielt und doch nicht gut aussah,
weil die Heimbewohner in dem Streitverfahren,
Spielball der Juristen waren.

Doch schlimmer nich - auf lange Zeit -
war kommunal der Kirchenstreit um St. Marien -
so gesehen, reißt man sie ab, bleibt sie bestehen?
Und wird daraus, was Bochum noch nicht hat,
ein Musikzentrum der Kulturhauptstadt!

Das Rathaus auf die Pauke haut:
Die Bosy-Heimstadt wird gebaut,
dafür im Stadthaushalt ein neuer Minus-Posten:
Millionengrab mit Folgekosten.

Damit steckt weiter in der Krise drin:
Ottilie, unsere Oberbürgermeisterin.
Der Haushalt schrumpft - die Kassen leer,
wo nimmt man nur die Mücken her?
Wenn alles in der Kreide steht, Betriebe schließen - Opel geht,
wenn auf dem Weihnachtsmarkt kein Chor anstimmt,
weil die GEMA fast das Doppelte nimmt,
dann ist das für unsere Stadt schon lange,
das Ende unserer Fahnenstange...

Und, dass die Stadt jetzt an allen Ecken spart,
sieht man auch auf dem Boulevard,
wo Stolperkanten nach wie vor uns Alten quälen
und immer noch Toiletten fehlen.
Und überhaupt ist nebenbei so manches nicht barrierefrei.
Und eingeschränkt die Mobilität, wenn die Rolltreppe klemmt
und der Fahrstuhl steht!

Und der Rathaus-Paternoster - weil kein Geld -
dem Sparhaushalt zum Opfer fällt.
Dafür, was manche Steuerzahler nicht verstehn,
fährt bald die Straßenbahn 310,
auf neuem, teuren Trassenstück.
Speziell für Anwohner - zu ihrem Glück -
von Bochum nach Witten und zurück.

Derweil, was auch in Zukunft bleibt,
die Bogestra rote Zahlen schreibt
und als die teure Tochter unserer Stadt
die Mitgift längst verbraten hat.

Ein Aufschrei ging durch unsere Stadt,
weil sie jetzt aufgekündigt hat -
sehr herzlos und recht unverfroren -
die Begnungsstätte für Senioren.
Wo man Kontakte fand und damit so -
der schlimmen Einsamkeit entfloh.
Darum - Ottilie - hör auf meinen Rat:
Die Stadt am falschen Ende spart,
wenn Bochum - als soziale Stadt -
für uns Oldies nur wenig übrig hat!

Das Gerichtsgebäude in der Stadt
bal einen neuen Standort hat,
am Ostring und ganz nebenbei -
wird es ein Teil der Brauerei -
und manche Leitung liegt schon hier -
mit Zugriff auf das Fiege-Bier.
Nur fragt man sich - bei kommunalem engen Gürtel -
was wird aus dem Viktoria-Viertel?
Ein Einkaufszentrum wär nicht klug,
denn Leerstände gibt`s hier schon genug.
Auch Billigläden haben wir satt,
schon lange in der Innenstadt.

Mein Vorschlag wär - ganz insgeheim -
die Stadt baut hier ein Altenheim.
Mit Sauna, Schwimmbad und „inklude“
nen Ballermann mit Mucki-Bude.
Und obendrein Begegnungsstätten,
so wie wir Oldies sie gern hätten.

Der Ottokar Wüst würd sich im Grab umdrehen,
könnt er den VfL heut sehn.
Den Ottokar mit viel bedacht,
ins Fußball-Oberhaus gebracht,
wo sie mit Schmackes und unverdrossen
noch Tore gegen Bayern schossen.

Das waren noch schöne Zeiten hier
und Bochums Dreiklang im Revier,
hieß Kohle, Eisen und Schlegelbier!

Da gab es noch Kortum,
das Kaufhaus für alles und alle
vom Brathering bis zur Mausefalle.
Und es gab Wertheim und Fischer
und als Super-Knüller,
das Hutgeschäft vom ollen Müller.
Und wenn Mutter im Cafè Döhmann saß,
Papa bei Hammelmann Muscheln aß,
oder das „feuchte“ Leben genoss -
und sich in der Postkutsche
einen über den Knorpel goss!
Und es war ein Genuss
ins volle Stadion zu gehen,
und unsere blau-weiße Elf
wieder siegen zu sehn.

Doch heute, ihr Leute, ich sprech es nicht aus,
spielt der VfL
tief im Keller -
und ich bleib zu Haus!

Doch ein Lichtblick bleibt unserer Stadt,
weil sie den Karneval noch hat
und die vielen Narren,
die mit Schunkeln und Singen
den älteren Menschen viel Freude bringen.

Und es wird alles besser, ich vertraue darauf,
denn wir Karnevalisten - wir geben nicht auf.

Es grüßt euch alle - ob Mann oder Frau - euer Kuhhirte
Fritz Kortebusch mit „Bochum - man tau“!

Autor:

Siegfried Materna aus Bochum

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