Klaus-Dieter Graf: Ein halbes Jahrhundert Arbeit im Dienste seiner Stadt

Seit 50 Jahren im Dienst: Klaus-Dieter Graf (Fachdienstleiter Bildung, Kultur, Freizeit, Sport der Stadt Dinslaken.) Foto: Heinz Kunkel.
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Solche Beamte braucht nicht nur diese Stadt:Am 1. April 1963 begann für Klaus-Dieter Graf (Fachdienst Bildung, Kultur, Freizeit, Sport) der berühmte „Ernst des Lebens“. Mit blutjungen 14 Jahren fing Klaus-Dieter Graf als Lehrling für das Beamtenverhältnis bei der damaligen Kreisstadt Dinslaken an.

„Ich hätte auch zur Sparkasse gehen können, aber das Kreishaus Dinslaken war einfach näher.“ Klaus-Dieter Graf lacht und erzählt von dem Tag, als er mit fünf anderen im heutigen Dinslakener Rathaus seine Ausbildung begann.
(Lehrmädchen waren damals übrigens von der Beamtenlaufbahn ausgeschlossen).

Im Wohnzimmer seines ehemaligen Elternhauses wird heute gechillt, gerockt und schwirren Dartpfeile durch die Luft. Denn, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude an der Duisburgerstraße gehört seit dem Umbau zum Szenetreff „Ulcus“. Vater, Kaufmann beim Thyssen-Walzwerk in DIN, und Mutter, die mit der Geburt des Kindes ihren Beruf als Verkäuferin aufgeben hatte, waren sehr einverstanden mit der soliden Berufwahl ihres einzigen Sohnes.

Seit drei Jahren ist Klaus-Dieter Graf Verwaltungsdirektor und weiß, dass so eine lange Dienstzeit für heutige Auszubildende kaum zu schaffen ist. Graf durchlief seinerzeit alle Abteilungen in der damaligen Kreisstadt: Paukte Verwaltungsrecht, Haushaltrecht, Gemeinderecht und beendete erfolgreich die Ausbildung zum Mittleren Dienst.

Nach fünf Jahren konnte er anschließend parallel zum Dienst sein Fachhochschulstudium zum Diplom-Verwaltungswirt abschließen und damit die Befähigung zum Höheren Dienst erlangen.

„Null-acht-fuffzig-Lösungen“ helfen nicht

Wenn er sich an die Zeit im Sozialamt (1967 bis 1976) erinnert, dann merkt man, für wen sein Herz schlägt. Dort konfrontiert mit vielen menschlichen Schicksalen, lernte er schnell, dass man mit „Null-acht-fuffzig-Lösungen“ nicht weit kommt. Vor allem, wenn Kinder betroffen sind. Sein Credo: Hier muss möglichst früh alles getan werden, damit trotzdem ein guter Start ins Leben mit Schule und Ausbildung gelingt.

Als 1975/76 (mit der kommunalen Neugliederung) Dinslaken seinen Kreisstadt-Status verlor und der Sozialbereich auf die einzelnen Kommunen aufgeteilt wurde, wechselte Klaus-Dieter Graf als Sozialbeamter zur neuen Stadt Dinslaken. (Er hätte sonst seine Heimatstadt beruflich verlassen müssen).

Bald darauf bekam er das Angebot, in den Sportbereich zu wechseln: Hier kann er auf eine produktive Aufbruchzeit zurückblicken, Sportplätze und -Hallen wurden gebaut, darunter die Eisporthalle und aus dem Hallenbad wurde das städtischen Freizeitbad. Dass Sport und besonders Fußball seine großen Leidenschaften sind, hat er nie verleugnet. Freundschaften, die daraus erwuchsen, pflegt er bis heute.

1986 gab es einen Engpass im Rechtsamt, das er erst stellvertetend und anschließend bis 1991 leitete. Seitdem ist ihm nichts Menschliches mehr fremd. Ein einschneidendes persönliches Erlebnis war 1991 ein Schlaganfall: „Das war der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl, mehr auf sich zu achten.“

Kurz danach wurde Graf ins Steueramt berufen, wo er bis 1995 wirkte. Und im selben Jahr die Leitung im Kulturamt übernahm. Hier organisierte er u.a. die nicht einfache Fusion von Stadtbücherei, Museum Voswinckelshof und Stadtarchiv. Vom seinem damaligen Dienstherrn wurde er 1998 ins Bauordnungsamt versetzt.
Die neue Bürgermeisterin Sabine Weiss holte ihn nach ihrer Wahl im Januar 2000 zurück in die Kulturverwaltung.

Das Machbare möglich machen

Wohltuend hier sein Wirken im Theater- und Kulturbereich: Viel Geld war ja nie vorhanden und die Kathrin-Türks-Stadthalle ist als Spielstätte auch akustisch oft eine große Herausforderung für Gäste auf und vor der Bühne. Mit viel persönlichem Einsatz auch seiner ganzen Crew wurde immer wieder ein Spielplan präsentiert, der sich nicht zuverstecken brauchte.

Mit viel Verhandlungs-Geschick konnten so immer wieder hochrangige Operngastspiele und Theater-Inszenierungen auch mit überregional bekannten Schauspiel-Stars nach Dinslaken geholt werden. Darunter erst kürzlich die wunderbare Doris Kunstmann oder Martin Lindow (Polizeiruf 110).

Viel Herzblut ist auch in die Kabarett-Pflege geflossen: Zahlreiche heute berühmte Comedians hatten hier schon als aufstrebende Jung-Talente ein begeistertes Publikum. Deswegen kommen viele auch immer wieder gern nach Dinslaken. Darunter auch Dieter Nuhr (6. + 7. 6. 13 / Burgtheater) oder Herbert Knebel (13. 7. 13 / Burgtheater) auch in diesem Jahr.

Grafs Prinzip: „Was haben wir? Und was können wir damit machen?“ - ist ein vernünftiges Prinzip: „Die Mischung macht´s.“, auch finanziell.
Mit Mehreinnahmen aus erfolgreichen Gastspielen können so auch mal weniger erfolgreiche Experimente mitfinanziert werden. Dazu braucht man viel Fingerspitzengefühl, Kenntnis der Materie und des differenzierten Publikumsgeschmackes hier vor Ort.

Dieses besondere Gespür hat Klaus-Dieter Graf, der eng mit seiner Heimatstadt verwurzelt ist. Das bestätigen selbst Lieblingsfeinde und natürlich alle, die ihn und seinen unermütlichen Einsatz (oft auch hinter den Kulissen) im Sinne der Sache kennen. Und das macht der Mann nun schon seit 50 Jahren! Der NA und seine (über 54.800) Leser gratulieren herzlich. S. a.
lokalkompass.de/36719.

Autor:

Caro Dai aus Essen-Werden

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