Aplerbeck
Neun Menschen an Legionellen in Dortmund erkrankt - Entwarnung des Gesundheitsamtes

Dr. Frank Renken (links, Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund), Heinz-Jörg Gimpel (Leiter der Unteren Umweltschutzbehörde für Bochum, Dortmund und Hagen) und Rebecca Winkelmann (Technische Sachbearbeiterin in der Unteren Umweltschutzbehörde) informierten über den "Legionellen-Fall" in Aplerbeck.Foto: Schmälzger
  • Dr. Frank Renken (links, Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund), Heinz-Jörg Gimpel (Leiter der Unteren Umweltschutzbehörde für Bochum, Dortmund und Hagen) und Rebecca Winkelmann (Technische Sachbearbeiterin in der Unteren Umweltschutzbehörde) informierten über den "Legionellen-Fall" in Aplerbeck.Foto: Schmälzger
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Eine Verdunstungskühlanlage in Aplerbeck steht im Verdacht Auslöser für mehrere Krankheitsfälle zu sein, bei denen sich Menschen mit Legionellen infiziert haben.

Nach Angabe des Gesundheitsamtes gibt es neun an Legionellose erkrankte Anwohner. Die Anlage wurde direkt am 21. Februar aufgrund von erhöhten Werten bei einer Messung abgeschaltet. Neuerkrankungen habe es seitdem nicht gegeben.

Die Legionellose verursacht im schweren Fall die "Legionärskrankheit", eine fieberhafte Infektion. Sie führt zur Lungenentzündung. Die meisten der Aplerbecker Patienten wurden bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen.

Risiko bei null Prozent

Welche Kühlanlage es sein soll, will die Untere Umweltschutzbehörde erst bekannt geben, wenn die mikrobiologischen Untersuchungen zu den Feintypisierungen der Legionellen abgeschlossen sind. Zum jetzigen Zeitpunkt läge aber das Risiko von erneuten Ansteckungen bei null Prozent, sagte Dr. Frank Renken (Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund). Seit der Schließung der Anlage am 21. Februar habe es keine neuen Krankheitsfälle gegeben. Die zeitliche Abfolge, Ortsnähe und die hohe Legionellenkonzentration in der Anlage sind Hinweise, dass die Anlage in Aplerbeck die Infektionsquelle sein könnte.

Man müsse aber die Feintypisierungen der Legionellen abwarten, um die Verursacher "gerichtsverwertbar" zu finden. Allerdings sei die Feintypisierung nicht so einfach wie in einem Kriminalfilm. Es gibt sehr viele Legionellen-Stämme in einer solchen zu untersuchenden Flüssigkeit. Man müsse dann auch den Stamm "erwischen", der bei den Aplerbecker Patienten nachgewiesen wurde. Die Ergebnisse dieser mikrobiologischen Untersuchungen werden voraussichtlich in zehn Tagen vorliegen.

Ergebnisse abwarten

Am 21. Februar war der zuständigen Unteren Umweltschutzbehörde für die Städte Bochum, Dortmund und Hagen eine hohe Legionellenkonzentration gemeldet worden. Der Betreiber aus Aplerbeck hatte die erhöhten Werte, die vermutlich durch eine Verunreinigung einer Verdunstungskühlanlage verursacht wurden, bei einer Routineüberprüfung festgestellt und der Behörde angezeigt. Diese habe den Befund unmittelbar an das Gesundheitsamt Dortmund weitergegeben. Die Anlage sei sofort abgeschaltet worden und ist seitdem außer Betrieb.

Fast zeitgleich erhielt das Gesundheitsamt aus einem benachbarten Krankenhaus Meldung über vier aktuelle Fälle von Legionellose. Alle Patienten wohnen im Umkreis der Anlage. Später ermittelte das Gesundheitsamt dann insgesamt neun Fälle.

Seit des Legionellose-Ausbruchs in Warstein im Jahre 2013 mit 165 Erkrankungs- und Verdachtsfällen sowie drei Toten gibt es u.a. eine Registrierungspflicht für Verdunstungskühlanlagen. Überprüfungen der Anlage sind Pflicht, Auffälligkeiten müssen der Aufsichtsbehörde gemeldet werden.

18-fache des Grenzwertes


In Aplerbeck hatte der Betreiber der Anlage am 9. Januar eine Prüfung vornehmen lassen, das Ergebnis bekam er am 17. Januar. Mit 17.000 "KbE" überstieg er die Legionellenkonzentrationgrenze von 10.000 KbE. Der Betreiber meldete dies - vorgeschrieben ist dann eine erneute "Nachbeprobung" innerhalb von vier Wochen. Geprüft wurde am 12. Februar, das Ergebnis lag am 21. Februar vor. Mit 183.000 KbE überstieg der Wert den Grenzwert um das 18-fache.

"In dieser Form haben wir das auch so noch nicht erlebt, auch der Betreiber war aufgrund des Ergebnisses selbst erschrocken", berichtet Heinz-Jörg Gimpel, Leiter der Unteren Umweltschutzbehörde.

Anlage wurde desinfiziert

Die Anlage des Betriebes wurde bereits desinfiziert, jetzt muss das Ergebnis der danach durchgeführten Prüfung abgewartet werden. "Wenn die Anlage dann bei Null steht, kann sie auch wieder starten", so Renken.

Legionellen sind Umweltkeime, kommen fast überall vor. Kritisch wird es, wenn sie bei 20 bis 45 Grad perfekte Bedingungen vorfinden, um sich dann in hohen und somit gefährlichen Zahlen zu vermehren.

INFO

  • Legionellen können nicht von Mensch zu Mensch übetragen werden, sondern hauptsächlich durch Einatmung.
  • Insbesondere Schwimmbecken, Whirlpools, Klimaanlagen und Duschen bieten ein erhöhtes Infektionsrisiko. 
  • Bei der Infektion werden zerstäubte Wassertröpfchen zusammen mit den Legionellen eingeatmet (aerogener Übertragungsweg).
  • Auch eine unabsichtliche Einatmung von geschlucktem Wasser kann zu einer Infektion führen.
  • Unter bestimmten Wetterbedingungen können legionellenhaltige Wassertröpfchen (Aerosole) aus Verdunstungsanlagen über mehrere 100 Meter bis wenige Kilometer emittieren. Beim Einatmen können sie zu schweren Lungenentzündungen führen.
Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

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