Tierschutzpartei schlägt Maßnahmen vor
190 Vögel sterben in jeder Minute!

Vogelschlag – Ein sehr technisch klingendes Wort, welches für millionenfaches Leid steht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt dafür eine Zahl von mindestens 18 Millionen toten Tieren pro Jahr in Deutschland an, ergänzt jedoch auch, dass die Dunkelziffer bis zu 100 Millionen reichen könnte. Eine Einschätzung des bayrischen Landesamtes für Umwelt geht hingegen sogar von mehr als 100 Millionen Opfern aus. Grundlage dieser Schätzung ist die Studie eines US-amerikanischen Forschers, der zu dem Ergebnis kam, dass pro Jahr etwa 1-10 Tiere an den Scheiben eines Gebäudes den Tod finden. In Deutschland gibt es etwa 18 Millionen Wohnhäuser, woraus sich der Mindestwert des Bildungsministerium ergibt – wohl gemerkt sind hier keinerlei gewerbliche oder kommunale Gebäude mit eingerechnet und das, wo Glas aktuell einer der bevorzugten Baustoffe für eine moderne Optik darstellt.

„Vögel sind generell nicht in der Lage, Fensterscheiben aus durchsichtigem Glas als Hindernisse wahrzunehmen. Gewöhnliche Fensterscheiben sind in der Regel im Sonnenlicht stark reflektierend und zeigen den Tieren daher ein ausreichend täuschendes Spiegelbild des freien Areals, aus welchem diese gerade angeflogen kommen.“ so Michael Badura, Ratsmitglied der Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) und stlv. Vorsitzender der Fraktion Linke+ und erklärt weiter die Folgen: „Einem Vogel ist es nicht möglich zu erkennen, dass sich hinter der Scheibe ein meist (relativ) dunkler Raum verbirgt und das Glas selbst ein unüberwindbares Hindernis darstellt.“ Die Gefahr für die Tiere ist offensichtlich: Wenn sie mit voller Geschwindigkeit auf eine Scheibe prallen, kann es für sie zu unzähligen Verletzungen kommen. Viele Tiere sterben beim Aufprall an einen Genickbruch. Andere Knochenbrüche können jedoch genauso tödlich enden, da Brüche in den Flügeln und den Beinen der Tiere, ihre Mobilität temporär oder permanent einschränken können. Einige Tiere, welchen den ersten Aufprall überlebt haben, werden kurz danach von Raubtieren (Katzen, Füchse, etc.) gefressen, da sie nicht in der Lage sind zu flüchten.

Vogelsilhouetten schaffen keine Sicherheit!

Bisher sind Aufkleber mit Silhouetten von Raubvögeln ein beliebtes Mittel um Vogelschläge zu verhindern. Im Raum Dortmund sind diese vor allem an den Glasscheiben von Bushaltestellen zu finden. „Diese Methode ist allerdings vollkommen ineffektiv!“ kritisiert Sebastian Everding aus dem Team der Tierschutzpartei, da Vögel in fast allen Fällen, diese starren Silhouetten nicht als echte Raubvögel wahrnehmen. Dies hängt mit ihrem geringen Kontrast zur Umgebung und ihrer Unbeweglichkeit zusammen. „Weitere Mythen stellen die Versprechen der Hersteller dar, dass entspiegelte Scheiben, sowie ultraviolett reflektierende Glaselemente Vögel abschrecken würden, denn dies trifft, wenn überhaupt nur auf wenige heimische Vogelarten zu“ so Everding weiter.

Kommunale Lösungsansätze

„Falls bei städtischen Objekten Neubauten oder umfangreiche Renovierungen anstehen würden wir uns bei der Projektierung direkt den Einsatz von Glaselementen wünschen, welche nicht reflektieren bzw. den Vögeln klar aufzeigen, dass sie ein Hindernis darstellen. Dies könnten Glasbausteine oder Scheiben aus Ornament- oder Milchglas sein.“ führt Badura die ersten konkreten Vorschläge der Tierschutzpartei aus und will den Vogelschlag gemeinsam mit der Fraktion zum Thema im Ausschuss für Mobilität, Infrastruktur und Grün (AMIG) am 2. Februar machen und die Verwaltung befragen.

Zahlreiche Ideen hat der erst im September in den Stadtrat eingezogene Tierschützer jedoch bereits: „Eine Nachrüstlösung für vogelsichere Scheiben stellen Aufkleber dar, welche die Scheibe als klares Hindernis kennzeichnen. Am besten eigenen sich dafür lange Linienmuster, welche von Vögeln einfach wahrgenommen werden können. Hier gilt es jedoch einen maximalen Abstand von 10cm zwischen den Linien einzuhalten, da die Vögel sonst denken, noch dazwischen durchfliegen zu können. Dabei müssen die Beklebungen nicht an „vergitterte Fenster“ erinnern, denn auch geschwungene oder gepunktete Formen wären in der Lage die Tiere von den Scheiben fern zu halten. – Die Stadt könnte hier an Schulen, Verwaltungsgebäuden oder sogar am Rathaus kurzfristig Leben retten!“

Des Weiteren wünscht sich die junge Dortmunder Kommunalpartei eine umfangreiche Informationskampagne, um die Bürger*innen über die Gefahren für die Vögel unserer Stadt aufzuklären, denn während Sie diesen Text gelesen haben, sind wieder einmal hunderte Vögel einen (vermeidbaren) Tod gestorben.

Autor:

Sebastian Everding aus Dortmund-Süd

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