Olympia-Aus für Ringen: Generalsekretär sieht "Schlag ins Gesicht"

In Dortmund lebt die Ringerszene - noch. Insgesamt sechs Vereine gehen hier der Traditionssportart nach, ddarunter der KSV Kirchlinde, der KSV Jahn Marten und der ASV Mevlana Westerfilde. Foto: Schütze
  • In Dortmund lebt die Ringerszene - noch. Insgesamt sechs Vereine gehen hier der Traditionssportart nach, ddarunter der KSV Kirchlinde, der KSV Jahn Marten und der ASV Mevlana Westerfilde. Foto: Schütze
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Ringen zählt ab 2020 nicht mehr zu den Kernsportarten für die Olympischen Sommerspiele - so schlägt es die IOC Exekutive vor. In der Sportwelt sorgt das für Aufruhr - und auch bei Dortmunds Ringern ist die Empörung groß.

In Karl-Martin Dittmanns Büro ist seit Bekanntwerden der Nachricht die Hölle los. Telefonate, E-Mails, Faxe - alle wollen vom Generalsekretär des Deutschen Ringerbundes, zugleich Vereinsvorsitzender des KSV Kirchlinde, wissen, wie es weitergeht. Der West-Anzeiger sprach mit ihm.

Karl-Martin Dittmann, hat sich diese Entscheidung des IOC Exekutivausschusses angekündigt?
Dittmann: Es war für uns alle ein Schlag ins Gesicht! Im Vorfeld waren immer eher andere Sportarten im Fokus wie Taekwondo oder Moderner Fünfkampf - aber nicht Ringen.

Gibt es eine offizielle Begründung für das geplante Aus?
Dittmann: In der Begründung heißt es nur allgemein, dass das IOC regelmäßig alle Sportarten überprüfe „im Bemühen, dass die Olympischen Spiele für Sportfans aller Generationen von Bedeutung bleiben“. Die detaillierten Ergebnisse dieser Untersuchung in Form eines umfangreichen Kriterienkataloges werden wohl noch offen gelegt.

Was entgegnen Sie Kritikern? Warum muss Ringen olympisch bleiben?
Dittmann: Ringen ist die traditionsreichste Sportart der Olympischen Spiele überhaupt. Es ist sogar Bestandteil der olympischen Hymne. Und es ist eine Sportart, die verschiedene Aspekte wie Koordination, Ausdauer, Technik, Taktik und Geschicklichkeit miteinander vereint.

Wie geht es jetzt weiter?
Dittmann: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Wir werden natürlich dafür kämpfen, dass Ringen im olympischen Programm bleibt. Generell muss man sagen, dass die Solidaritätsbekundungen auch aus der Bevölkerung enorm sind. Im Büro melden sich auch viele Menschen, die selbst nicht ringen, aber sich als sportbegeistert bezeichnen und die Entscheidung nicht verstehen.

Was ist konkret geplant?
Dittmann: Konkret muss der Weltverband in dieser Sache tätig werden. Aber natürlich haben die nationalen Verbände ihre Unterstützung zugesagt und planen eigenen Aktionen. In den USA etwa wurde über Facebook eine riesige Welle losgelöst. Wir in Deutschland haben über unsere vielen Vereine eine Unterschriftenaktion gestartet. Und natürlich suchen wir auch den Kontakt zum Deutschen Olympischen Sportbund und zu IOC-Vize Dr. Thomas Bach.

Sollte Ringen tatsächlich gestrichen werden, was bedeutet dies für die Zukunft der Sportart?
Dittmann: Eines ist ganz klar: Hochleistungssport wird dann nicht mehr möglich sein. Wir würden nur noch rund zehn Prozent der derzeitigen Fördermittel erhalten. Und es steht auch außer Frage, dass Arbeitsplätze wegfallen müssten, ob auf Trainer- oder Verbandsebene.

Und welche Konsequenzen fürchten Sie für Vereine vor Ort wie den KSV Kirchlinde?
Dittmann: Wir werden den Ringersport natürlich in jedem Fall weiter betreiben. Aber was eine solche Entscheidung für die Nachwuchsförderung bedeutet, ist nicht abzusehen. Zur Zeit ist das Interesse am Ringen noch groß - ob das so bliebe, ist zumindest zu bezweifeln.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

Autor:

Dietmar Nolte aus Dortmund-West

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