Perspektive Tierschutz in Deutschland
Tierschutzpartei und mehr

Interview mit dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Manfred Urhahn, 76 Jahre, nordrheinwestfälischer Tierschutzaktivist und jahrelanger Vorsitzender des Bundesschiedgerichtes der Partei Mensch Umwelt Tierschutz Tierschutzpartei über das politische Jahr 2019 für den Tierschutz und die Parteien mit Tierschutz im Namen.

Wie sehen Sie das fast abgelaufene Jahr für die Tierschutzparteien?

Das Wiedererlangen eines Mandates im Europaparlament meiner Herzenspartei Partei MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ – Tierschutzpartei ist ein sehr erfreulicher Moment. Es zeigt, dass der Tierschutz einen stabilen Wert behält, der natürlich sich weiter steigern muss.
Auch die Wahlerfolge von Tierschutzparteien in Portugal und den Niederlanden bestätigt dieses Gefühl.

Welche Rolle spielten Ihrer Ansicht nach die anderen Tierschutzparteien in diesem Jahr?

Welches Potenzial der Tierschutz in Europa hatte, zeigte sich das vier Parteien mit Tierschutz im Namen in Deutschland zur Europawahlangetreten waren.
Schade ist, dass unter diesen Parteien kein vorheriger Zusammenschluss möglich war. So wäre bei einer Kooperation und Bündelung der Kräfte aus zwei Tierschutzparteien das zweite Mandat im EU-Parlament sicher gewesen und bei einem gemeinsamen Kampf für die Tiere aller vier Parteien auch ein drittes Mandat möglich.
Meines Wissens wurde in dieser Richtung aber kein Versuch unternommen, dieses tierpolitische Netzwerk zu aktivieren.

Wie empfinden Sie die Arbeit der Parteien mit Tierschutz im Namen?

Rund 90% der angestrebten kommunalen Mandate wurden von den Tierschutzparteien bei den stattgefundenen Kommunalwahlen in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg erlangt, wo sie kandidierten.
Das heißt, dass die Tierschutzparteien durch ihre Aktivitäten immer mehr dem Wähler, also den Menschen, das nötige Verständnis für den respektvollen Umgang mit den Tieren vermitteln.
Dies könnte jedoch noch viel besser werden und zu höheren Ergebnissen führen, wenn die meisten der vorhandenen Tierschutzparteien sich ausschließlich um Tierschutz bemühen würden.

Haben Sie auch die Landtagswahlen beobachtet?

Ja, selbstverständlich. Auch hier gilt, der Trend für Tierschutzpolitik ist ungebrochen. Meine ehemalige Partei schaffte in Brandenburg sowie in Sachsen Achtbare Ergebnisse von stabilem 1 % plus bis hin zu 2 % plus.
Der Erfolg in Thüringen für die Aktion Partei für Tierschutz - TIERSCHUTZ hier! erbrachte mit 1,1% und rund 12.000 Stimmen für die Partei ein besonders hoch zu bewertendes Ergebnis.
Warum hier die bis Dato führende Tierschutzpartei es nicht schaffte, bei dieser wichtigsten Landtagswahl anzutreten, bleibt ein Rätsel.
Nach meinen Informationen ist die Tierschutzpartei dort nicht in der Lage gewesen die notwendigen Formalitäten zu erbringen. Für die angeblich größte der Tierschutzparteien sicher ein schlechtes Zeugnis.

Wie sehen Sie die politischen Erfolge der Tierschutzparteien?

Die Erfolge der einzelnen Tierschutzparteien auf kommunalen und landesweiten Ebenen kann ich nur als erfolgreich bezeichnen.
Es werden in den Stadtkreisen bis zu zweistellige Ergebnisse erzielt, die sogar etablierte Großparteien alt aussehen lassen.
Eine positive Tendenz ist einfach gegeben.

Wie sehen Sie die Ausgangslage der Tierschutzparteien in der nahen Zukunft?

Die Partei für die Tiere ist, was ich beurteilen kann, kaum noch aktiv. Hier sehe ich keine wirkliche Zukunft mehr.
Die Tierschutzallianz ist zerfressen von internen Streitereien, was ein produktives Handeln kaum möglich macht.
Die sogenannte V-Partei ist völlig gescheitert und ausschließlich im 0 Komma Bereich bei Wahlen angesiedelt. Eine von außen Betrachtete Partei ohne politische Ausstrahlung.
Bei der Aktion Partei für Tierschutz – TIERSCHUTZ hier! lässt sich auf Grund ihrer jüngsten Erfolge und der Gründung diverser Verbände ein deutliches Wachstum erkennen.
Bei der Partei, der (MUT) MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ – Tierschutzpartei sehe ich ein großes Problem darin, das sie wie auch schon der ehemalige Vorsitzende MDEP Stefan Eck sagte „rechts offen“ ist.
Die Auswahl der Kandidierenden und der teilweise kommunalen Partner lässt leider keine andere Schlussfolgerung zu.

Wichtig für den Tierschutz ist, dass bei zukünftigen Wahlen, wie der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen 2020, sich die Parteien nicht durch regionale Gegenkandidaturen selbst behindern.

Dies würde, ähnlich wie bei der Europawahl, keinen durchgreifenden Erfolg für professionellen politischen Tierschutz erbringen. Und nur darum sollte es schließlich gehen.

Herr Dr. Urhahn, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.
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Dieser Artikel wurde am 12.11.2019 14:40h wie folgt verändert:
1.) Foto wurde verändert.
2.) Im zweiten Satz zur V-Partei wurden zwei Worte durch ein anderes ersetzt; an der Unterstreichung erkennbar.
3.) Dr. Urhahn zitierte zur MUT Partei aus Wikipedia: Stefan Bernhard Eck begründete seinen Austritt aus der Tierschutzpartei "mit inhaltlichen und persönlichen Differenzen, die in der Zwischenzeit entstanden seien. So sei es unter anderem zu einer „inakzeptablen Rechtsoffenheit und einer leichtfertigen Integration von Personen mit rechtspopulistischem, anti-emanzipatorischem oder sogar faschistischem Gedankengut“ gekommen. Der verbliebene Bundesvorstand der Partei hielt dem entgegen, dass bereits seit seinem Einzug ins Europaparlament eine Entfremdung zwischen ihm sowie seinen parteiinternen Unterstützern einerseits und den restlichen Vorstandsmitgliedern andererseits stattgefunden habe...."

Autor:

Alexander Führer aus Düsseldorf

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