Vom Jitterbug zum Lindy Hop - Dorf Hop in Düsseldorf am Alten Landtag

Kennen Sie schon den Dorf-Hopp ? Eher vielleicht in Fachkreisen bekannt als "Lindy-Hop". Charles Lindbergh gelang im Jahre 1927 eine Non-Stop-Atlandik-Überquerung mit dem Flieger von New York nach Paris. Damals druckten die Zeitungen: "Lucky Lindy hops the Atlantic".

Nach der Überlieferung feierten der Bürgermeister und Reporter an jenem Abend im berühmten Savoy-Ballroom in Haarlem dieses Ereignis und als sie den berühmten Tänzer Shorty-George fragten, was er da tanze, entgegnete der geistesgegenwärtig "I am doing the Lindy Hop !" Und so wurde die Bezeichnung für einen Tanz geboren, der mehrere Wiegen hatte: Seine Wurzeln liegen in westafrikanischen Tänzen, im Charleston, Boogie-Woogie und Rock-n'Roll unter anderem. Die großen Jazz-Bigbands kreierten aus diesem musikalischen Tutti-Fruttie den Swing.

Und wenn im Savoy-Ballroom in Harlem in New York die Lindy-Hopper los legten, blieb kein Auge trocken. Diesr Ballroom stand allen Schichten und allen Hautfarben offen. Es war ein Schmelztiegel der Musik, wo sich die größten Musiker und Tänzer die Ehre gaben. Gene Krupa, Glenn Miller, Duke Ellington, um nur einige zu nennen, heizten den Tänzern und Zuschauern tüchtig ein mit ihrer Big-Band-Musik. Bei den gewagten akrobatischen Tanzeinlagen blieben weder die Augen noch die Wäsche trocken. Ich mag diese alten schwarz-weiss-Filme der dreißiger und vierziger Jahre aus USA, wo diese Musik zelebriert wird - auch wenn wir hier in Deutschland zu dem Zeitpunkt die bitterste Zeit der deutschen Geschichte erlebt hatten.

Seit Anfang der 1980er Jahre hält der Lindy-Hop zusehends Einzug nach Europa. Es finden große Festivals statt, wo die Tänzer sich gegenseitig ihre Figuren abschauen können, die sie immer wieder aufs neue kreativ während des Tanzes erfinden können. Es ist von daher gesehen ein sehr freier Paartanz, der viel Spielraum läßt für die unterschiedlichsten Figuren - allerdings geht auch das nur synchron. Bei Nichtsynchronizität; Gnade den armen Zehen !

Im Dorf Herrang in Schweden findet jährlich ein fünfwöchiges Lindy-Hop-Festival statt, bei dem sich tausende von Tänzern aus aller Welt einfinden, um bei fetzigem Swing Beine, Arme und Hüften kreisen zu lassen - mit Hüftwurf und Überschlag.

Am Ostersonntag durfte ich den Lindy-Hop erstmals live, umsonst und draußen als Wegesüberraschung erleben in Düsseldorf.

Ich spazierte am alten Landtag an den Ufern des Rheines vorbei und während des trägen Wartens auf zwei Kugeln Eis am italienischen Eiswagen hörte ich plötzlich Musik. "Bei mir biste scheein", hörte ich singen und sah auf der runden Betonfläche vor dem Landtag höchst graziös Herren im schnellen Schritt Damen vor sich her schieben.

Elegante schlanke junge Frauen warfen im Gleichklang mit liebevollen Herren ihre Beine gekonnt schlängelnd in alle Richtungen. Die Damen trugen teils interessante eierschalenfarbene Tanzkleider aus der damaligen Zeit und die Herren trugen mit Vorliebe Hosenträger über dem Hemd. Die glücklichen Gesichter der Tänzer deuteten darauf hin, das sie für eine kurze Zeit in eine andere Welt eingetauch waren.

Eine Welt, in der es noch Kavaliere gab. Das sind Männer, die den Damen nicht nur Feuer, sondern sogar eine Zigarette anbieten. Männer, die den Damen die Türe aufhalten, auch die vom Auto. Selbstverständlich helfen sie auch in den Mantel hinein und hinaus und scheuen sich nicht, die schwere Handtasche zu tragen. Das ist die Welt des Swing. Eine Welt, die den Kavalier die Dame führen läßt beim Tanz, um sie dann nach eigenem Gutdünken herumzuwirbeln. Zur sichtlichen Freude der Damen - sie strahlten wie kleine Sonnen beim Tanze und tanzten trotz Höchstleistungen pausenlos.

Welch ein Temperament, welche Sinnenfreude, welche Ästhetik tat sich da auf - es war zum Jauchzen schön. Wie von alleine kam Rhythmus in die Füße gekrochen und die überraschten Zuschauer wippten zustimmend mit.

Als mir der Italiener vom Eiswagen auf die Schulter tippt, folge ich ihm begeistert auf die Tanzfläche - er schwenkt mich hin und her - ich fliege zwischen seinen Beinen durch, er wirft mich über die Schulter und dreht und wendet mich. Wir sind gut, der Italiener und ich - es bildet sich ein Kreis um uns. Lächelnd betrachten die Zuschauer unsere Darbietung und sparen nicht mit Applaus. Der Italiener kühlt meinen heißen Körper von innen mit einer großen Portion Himbeereis mit Sahne - ein Geschenk an mich fürs Mitmachen. Beim nächsten Dorfhop bin ich dabei... Aber erst mal wach werden, den Schlaf aus den Augen reiben und einen Kaffee kochen ...

Lindy-Hop findet, so wie ich erfahren habe, jeden Montag ab 19.00 Uhr am Alten Landtag am Rheinufer statt und auch im Bürgerhaus in Bilk an der Himmelgeister Straße. Wer interessiert ist, kann sich im Internet erkundigen, wo und wann genau. Einfach den "Lindy Hop Düsseldorf" googeln und schon tun sich Welten auf.

Autor:

Karin Michaeli aus Düsseldorf

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