Abschied vom Emmericher Gymnasium: Viel Herzblut investiert

Der Willibrord und Inge Hieret-McKay waren zehn Jahre lang eng verbunden. Foto: Jörg Terbrüggen
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"Es ist ganz seltsam, wenn sein Wissen von heute auf morgen nicht mehr gefragt ist." Inge Hieret-McKay macht sich zu Beginn der Sommerferien schon einmal so ihre Gedanken, wenn sie im Januar nächsten Jahres nicht mehr Schulleiterin des Willibrord-Gymnasium sein wird. "Ich werde im Februar 66, dann ist es auch Zeit", sagt sie uns mit einem Lächeln im Gesicht.

Dabei hat die Schule bisher ihr ganzes Leben bestimmt. Nach ihrem Schulabschluss stand sie mit 19 Jahren bereits vor ihrer ersten Klasse. Nun wird sie bald ihren Abschied nehmen. Gerne hätte sie noch das kommenden Schuljahr beendet, "doch mein Mann und ich haben zuhause einen Kompromiss gefunden. Mein Mann ist schon länger pensioniert und er möchte, dass ich nun aufhöre." Außerdem ist Inge Hieret-McKay der Auffassung, dass nach zehn Jahren wieder einmal ein Wechsel an der Spitze des Gymnasiums sein müsse.
Als die Schulleiterin vor zehn Jahren ihr Amt am Williobrord-Gymnasium antrat, fand sie eine gut verwaltete Schule vor, die gerade ihren ersten G8-Jahrgang aufgenommen hatte. Dass sie allerdings in den kommenden zehn Jahren so viel durchleben würde, wie sie es in Emmerich erlebte, damit hatte sie nicht gerechnet. Denn die gebürtige Britin kam in einer Zeit des Wandels, der viele Herausforderungen, Ängste und Nöte mit sich brachte. Schon im zweiten Jahr schrieb sich das Gymnasium die Inklusion auf ihre Fahne. Schnell nahm auch die Zahl der Zuwanderer zu, "sodass wir nicht nur inkludiert sondern auch integriert haben."
Und das war sicherlich nicht immer einfach. Viele dicke Bretter musste Inge Hieret-McKay bohren, doch sie ging ihren Weg, der oft sehr steinig war. Schüler, Eltern, Kollegen - da wurden viele Gespräche geführt, die sich nicht immer nur um die schulischen Leistungen drehten. "Ich wünsche mir Kinder die lernen wollen und Familien, die mit uns zusammen arbeiten. Der Rest ist mir egal wo sie herkommen." Dabei hätte sich die Schulleiterin gerne mehr Unterstützung seitens der großen Politik gewünscht. "Die Politik müsste viel mehr in die Schulen schauen und mehr Realitätsbewusstsein entwickeln. Aber sie reagiert oft nur dort, wo es am lautesten ist."
Die Schule müsse sich selbst entwickeln können. Sie müsse mehr Luft bekommen um zu schauen, welche Bedingungen man für seine Schule benötige. "Es kann einfach nicht sein, dass alles auf die Stadt geschoben wird. Wir sind heute digital unterwegs wie in der Steinzeit. In England haben sie die Kreidetafeln vor 30 Jahren abgeschafft." Schulen bräuchten mehr Selbständigkeit. "In den meisten Ländern Europas unterrichtet die Schulleitung nicht mehr." Heutzutage müsse man viel zu viel dokumentieren, der Bürokratismus habe enorm zugenommen. "Und dafür gibt es keinerlei Entlastung", so Inge Hieret-McKay.
Auch die gesellschaftlichen Probleme hätten sich verändert. "Sie sind viel komplexer geworden. Es wird heute viel gefordert, aber man hinterfragt es nicht. Wir haben unheimlich viele Erziehungsaufgaben in der Schule, auch die Elternarbeit hat wahnsinnig zugenommen. Die Kollegen klagen über zu viele Stunden, denn die Gespräche mit den Schülern sind elementar wichtig, da brauchen wir die Zeit. Heute muss man an so vielen Baustellen ackern." Doch es gibt auch die vielen positiven Dinge, an die sich Inge Hieret McKay erinnern wird: die vielen Auszeichnungen, die die Schule erhielt, die vielen engagierten Schüler, das Kollegium. "Ich werde die Schule vermissen, ich habe da viel Herzblut reingesteckt."
Einen Nachfolger gibt es übrigens noch nicht. Und was macht die Schulleiterin nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst? "Ich werde mich um meinen Mann kümmern, meinen Garten, meinen Hund. Ich werde kochen und lesen, außerdem habe ich mich als Schöffin beworben. Und ich möchte diejenigen unterstützen, die Unterstützung brauchen." Dem Gymnasium wünscht sie viel Erfolg und Mut und Kraft, im Sinne eines guten Unterrichts weiter zu machen." Den heiligen Willibrord im Foyer des Willibrord-Gymnasiums wird Schulleiterin Inge Hieret-McKay bald nicht mehr sehen. Foto: Jörg Terbrüggen

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