ProVon: Der trübe Blick auf die Militaristen von Seeckt und von Einem

Je näher der Bürgerentscheid im Stadtbezirk II um die Rückbenennung der von-Seeckt- und von-Einem-Straße am 3. Februar rückt, desto unsachlicher werden die Argumente der Befürworter der Straßenbenennung nach zwei der übelsten und reaktionärsten Militaristen Deutschlands.

Jüngstes Beispiel ist die medial hochgekochte „Empörung“ über das Veranstaltungsplakat der Initiative „Irmgard und Ortrud“. Mit dem Plakat, das von Seeckt mit Hitler einträchtig während einem Manöver zeigt, wird zu einer Informationsveranstaltung über die unrühmliche Rolle beider Generäle in der deutschen Geschichte eingeladen.

Wie man schwache Argumente mit lautem Geschrei übertönt

Unter lautem Skandalgeschrei behauptet z.B. ProVon-Sprecher Kiessler laut WAZ:
• damit würde ProVon in die Nähe nationalsozialistischer Sympathisanten gerückt
• dies sei eine verabscheuungswürdige „Drohung mit der Nazi-Keule“.
Dass ein erfahrener Journalist wie Richard Kiessler sich zu solch einer plumpen Hetze hinreißen lässt, zeigt doch, wie sehr die Nerven bei den ProVons blank liegen. Tatsächlich hat nie jemand versucht, die ProVons und ihre politischen Hintermänner aus CDU,FDP und EBB auch nur in die Nähe von Nazis zu rücken. Ihre Schwachstelle ist aber, dass ihre Argumentation zur Beibehaltung der Straßennamen auf äußerst wackligen Beinen steht:
• Dass es ihnen angeblich nur um Demokratie geht, nimmt diesen Leuten keiner ab. Denn sie sind nicht gerade als diejenigen bekannt, die fordern, erst mal das Volk zu fragen, bevor z.B. Bibliotheken oder Bäder geschlossen werden.
• Die beiden Generäle offen politisch zu verteidigen, verbietet sich für jeden, der die Geschichte kennt. Aber da gibt es subtilere Methoden. Die bestehen vor allem darin, die Rolle der beiden Generäle für die Wahrung der Kontinuität des deutschen Militarismus vom Kaiserreich bis zum Faschismus herunterzuspielen, zu verfälschen und damit letztlich auch den Faschismus zu verharmlosen.

Lokale Journalisten als einseitige Stimmungsmacher

So tut die CDU in einem Flyer so, als seien die beiden Generäle lediglich „Monarchisten“ gewesen und darin mit einem großen Teil des deutschen Volkes einig - und deshalb halb so schlimm.

Einer der eifrigsten Betreiber dieses Geschichtsrevisionismus ist der WAZ-Lokalchef Frank Stenglein. Jüngstes Beispiel ist sein Wochenend-Kommentar in der WAZ vom 19.1., wo er schreibt, dass von Seeckt „strikt konservativ, aber kein Nazi war“. Nun behauptet meines Wissens niemand, dass von Seeckt Nazi war. Aber er war ein aktiver Steigbügelhalter des Faschismus, indem er Hitler vor allem (und heimlich und unter Bruch der Versailler Verträge) eine wieder kriegstaugliche Angriffsarmee geschaffen hat. Das als „strikt konservativ“ zu kennzeichnen, bedeutet, von Seeckt sozusagen zum „lupenreinen Demokraten“ zu erklären. Denn „strikt konservativ“ sind viele z.B. in der CDU, aber damit immer noch weit entfernt von einem ultrareaktionären Militaristen und Hitlersympathisanten wie von Seeckt.

Weil sie argumentativ schwach sind, haben sich die ProVon-Befürworter von Anfang an solcher unlauterer und manipulativer Methoden bedient. Besonders mies zum Beispiel die folgende Behauptung auf der ProVon-Homepage, wo dazu aufgerufen wird, sich „den Anfängen einer ideologisch begründeten Säuberung entgegen zu stellen“.

Eine „Säuberungswelle“ an die Wand zu malen ist schlicht hetzerisch und ist der typisch antikommunistische Sprachgebrauch, um alles Linke und Fortschrittliche zu denunzieren. Und gerade solche Antikommunisten tun immer so, als seien nur die Linken ideologisch geleitet, während sie selbst völlig „ideologiefrei“ seien.

Die Wahrheit ist: Der Streit um die Benennung der Straßen ist auf beiden Seiten eine weltanschauliche, also ideologische Auseinandersetzung. Die maßgeblichen Leute bei ProVon, ihre Unterstützer in CDU, FDP und EBB sowie einige Journalisten sind bei ihrem Feldzug für die Generalsnamen geleitet von einer strikt antikommunistischen Geschichtsauslegung, die letztlich den Faschismus verharmlost und relativiert.
Die Befürworter der Umbenennung in die alten Mädchennamen sind sich darin einig, einen solchen Umgang mit der Geschichte nicht zuzulassen, nicht zuletzt aus Verantwortung für künftige Generationen.

Darum geht es wirklich bei der Abstimmung am 3. Februar.

Autor:

Bodo Urbat aus Essen-Nord

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