Gevelsberger Bürgermeister Claus Jacobi kommt um Mitternacht aus der Quarantäne
Appell für ein MITEINANDER

Bürgermeister Claus Jacobi an seinem Schreibtisch. Archivfoto: privat
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  • hochgeladen von Dr. Anja Pielorz

Eigentlich hatte Bürgermeister Claus Jacobi zu einem Pressetermin zum Thema Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt eingeladen. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zu bewahren und zu fördern, ist eine wichtige Aufgabe nicht nur der Politik, sondern auch der Bürgerschaft. Getragen von diesem Leitgedanken findet seit 2008 in Gevelsberg jährlich im November die Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt in Gevelsberg statt. Doch in diesem Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders.

Organisiert wird die Aktionswoche vom Aktionsbündnis Zivilcourage, dem verschiedenste politische und gesellschaftliche Gruppierungen angehören. Um das weltoffene Verständnis der Bürgerschaft weiter zu stärken und dafür Sorge zu tragen, dass in Gevelsberg (und nicht nur dort) alle Menschen gleich welcher Nationalität, Herkunft oder Religion friedvoll und ohne jede Diskriminierung zusammenleben können, engagiert sich das Aktionsbündnis für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt. Es will die Menschen motivieren, aktiv zu werden gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und jede Form rechter Gewalt. Die einzelnen Programmpunkte der diesjährigen Aktionswoche liegen druckfrisch im Flyer vor – doch eine Corona-Rechtsverordnung aufgrund steigender Zahlen macht eine erneute Überprüfung der Veranstaltungen notwendig.
Das Miteinander in Gevelsberg ist gerade in diesen Zeiten noch wichtiger geworden. Darüber sprach die wap am Telefon mit Bürgermeister Claus Jacobi. Das Stadtoberhaupt von Gevelsberg kommt am Dienstag, 20. Oktober, 24 Uhr, aus der Quarantäne. Ein Mitarbeiter aus dem beruflichen Umfeld des Bürgermeisters war positiv auf das Corona-Virus getestet worden und Claus Jacobi erhielt im Urlaub einen Anruf vom Gesundheitsamt, seinen Urlaub abzubrechen, nach Hause zu kommen und sich in Quarantäne zu begeben. „Das habe ich selbstverständlich auch sofort gemacht. Symptome hatte ich keine. Ich wurde in der Zwischenzeit auch negativ getestet. Aber man muss die Schutz- und Sicherheitsauflagen erfüllen, denn wir haben im Moment nicht die Zeit für langatmige Diskussionen.“

Verhalten Sie sich so, dass Sie niemandem schaden

Dem Bürgermeister machen die steigenden Coronazahlen Sorgen. Erstmalig lag der vielzitierte Inzidenzwert im Ennepe-Ruhr-Kreis jetzt oberhalb der kritischen Marke von 50 Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohnern und damit ist der EN-Kreis zum Risikogebiet geworden. Weitere Testungen in verschiedenen Einrichtungen mit Kontakt zu Infizierten oder einem eigenen Ausbruchgeschehen stehen noch aus und dürften die aktuellen Fallzahlen weiter erhöhen.
„Wir haben in den Sommermonaten nach dem Lockdown in Gevelsberg gezeigt, dass wir verantwortungsvoll zusammenleben können. Es ist möglich gewesen, Veranstaltungen für und in der Gastronomie durchzuführen. Wir konnten gemeinsam mit den Schaustellern einen Freizeitpark anbieten. Überall haben sich die Menschen an die Sicherheits- und Hygienevorgaben gehalten und die Neuinfektionen sind durch diese Veranstaltungen nicht gestiegen. Man kann an der ein oder anderen Schutz- und Sicherheitsmaßnahme Kritik üben, aber klar ist: Wir müssen ein regelkonformes Verhalten durchhalten, denn einen zweiten Lockdown müssen wir mit aller Kraft verhindern. Es ist in diesem Zusammenhang allerdings nicht logisch, auf Bundesebene quasi einen zweiten Lockdown der Freiwilligkeit zu fordern. Um es klar zu sagen: Ein zweiter Lockdown ist wirtschaftlich für Handel, Gastronomie, Kultur und Sport nicht durchzuhalten. Ich werde mich noch in dieser Woche mit den Gastronomen in Gevelsberg zusammensetzen. Wir müssen einen Weg finden, um die Strukturen vor Ort nicht weiter zu zerschlagen. Wir sind offen für die Möglichkeiten von Heizpilzen, Zelten und Schutzwänden – dort, wo es machbar ist. Wir müssen vor Ort regelkonform weiter einkaufen und essen gehen können. Ich appelliere nicht nur an die Gevelsberger, sich so zu verhalten, dass niemand dem anderen schadet. Bitte halten Sie sich an die geltenden Sicherheits- und Hygieneregeln.

Wir müssen alle gemeinsam diese Verantwortung für uns als Gesellschaft annehmen und umsetzen. Dazu gehört auch, für sich zu überlegen, wen man kennt, der jetzt einsamer geworden ist. Greifen Sie zum Telefonhörer. Rufen Sie Ihren Nachbarn oder einen anderen Menschen an, von dem Sie wissen, er ist aufgrund der Kontaktvermeidung viel alleine. Und wenn Sie nicht telefonieren können oder wollen, dann schreiben Sie einen Brief oder eine Karte oder eine E-Mail. Es gibt so viele Möglichkeiten, einem anderen Menschen zu zeigen: Wir stehen das gemeinsam durch. Und wir werden das schaffen.“
Die Aktionswoche für Zivilcourage mit Start am 9. November und der Mondscheinbummel Ende November müssen aufgrund der neuen Allgemeinverfügung rechtlich geprüft werden. Abgesagt sind die Veranstaltungen noch nicht.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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