Pfingsten - Ein christliches Hochfest mit weltlichem Frühlingsbrauch
"Auf keinen Fall Letzter sein"

Umzug der Kinder mit der "Pfingstbraut" am Pfingstsonntag 1966 in Velen-Ramsdorf (Kreis Borken). Foto: LWL/Irmgard Simon
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  • Umzug der Kinder mit der "Pfingstbraut" am Pfingstsonntag 1966 in Velen-Ramsdorf (Kreis Borken). Foto: LWL/Irmgard Simon
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Westfalen. Als hoher christlicher Feiertag hat Pfingsten eine Reihe von Bräuchen auf sich gezogen. "Meist sind die Bräuche weniger von der Pfingsterzählung als von der Jahreszeit geprägt", erklärt Thomas Schürmann von der Volkskundlichen Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Zu den prominentesten geistlichen Bräuchen gehört die Prozession mit dem Coesfelder Kreuz am Pfingstmontag in Coesfeld. Die Prozession bezieht sich allerdings nicht auf das Pfingstwunder, sondern erinnert an den Abzug der hessischen Besatzer nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Ein bis ins 19. Jahrhundert weitverbreiteter Brauch war die Verspottung des Letzten: Der Knecht, der am Pfingstmorgen beim Austreiben des Viehs als letzter aus dem Stall kam, war der "Pinkesvoss" (Pfingstfuchs) oder der "Pinkeshammel" (Pfingsthammel). Das Mädchen, das als letztes aus dem Stall kam, hieß "Pinkesbrut" (Pfingstbraut); es musste sich Spottverse anhören wie: "Pfingstbraut, faule Haut, / Kommst nicht aus dem Bette raus. / Wärst du früher aufstanden, / Würd es dir jetzt besser gehen." ("Pinkesbrut, fule Hut / Komst nut ut diäm Berre rut, / Wärst dui frögger opestoan, / Wöüert di jetz biäter goahn!"). "Pfingsten wollte man daher auf keine Fall der Letzte sein", so Schürmann.

Im westlichen Münsterland hat die Rolle der Pfingstbraut dagegen eine positive Wendung bekommen. Vielerorts zogen bis in die jüngste Zeit Kinder zu Pfingsten als Hochzeitsgesellschaft durch die Straßen: Ein Mädchen war als Braut, ein Junge als Bräutigam verkleidet. Unter einem Blumenbogen und begleitet von anderen Kindern zog dieses Brautpaar durch die Nachbarschaft. Die Kinder sammelten Eier und andere Lebensmittel, die sie dann anschließend gemeinsam auf einer "Hochzeitsfeier" verspeisten. Ähnliche Heische-Umzüge gab es auch zu anderen Gelegenheiten, etwa zu Dreikönige oder Fastnacht. Spottbräuche für diejenigen, die als letzte aufgestanden waren, gab es auch am Thomastag (21. Dezember), dem kürzesten Tag des Jahres: Wer an diesem Tag als letzter aufgestanden war oder als letzter zur Schule kam, genoss im südlichen Westfalen den zweifelhaften Ruf des Thomasesels.

Die letzte zu Pfingsten auf der Weide erscheinende Kuh wurde vielerorts "Pinkeskauh", der letzte Ochse "Pinkesosse" genannt. Es gab jedoch auch reale Pfingstochsen. So wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Detmold (Kreis Lippe) ein besonders fett gemästeter Ochse mit Birkenlaub geschmückt, feierlich von den Schlachtergesellen eingeholt und von den Kindern begleitet. Ein Schlachtermeister hatte den Ochsen sogar mit einem humorvollen Gedicht in Detmolder Zeitungen angekündigt. Der Ruhm dieses Pfingstochsen währte allerdings nur kurz, denn seine Aufgabe war es, als Festtagsbraten zu dienen. Die Redensart "geschmückt wie ein Pfingstochse" geht auf den auch in anderen Teilen Deutschlands bekannten Brauch zurück, einen verzierten Ochsen durch den Ort zu führen. Ein anderer für Lippe bezeugter Pfingstbrauch war in anderen Gegenden, vor allem im Rheinland zum 1. Mai verbreitet: Junge Männer pflanzten dem von ihr verehrten Mädchen eine Birke als Maibaum vor die Tür oder vor das Fenster. Hier wie in anderen Fällen handelt es sich um Frühlingsbräuche, die sich mit dem Pfingsttermin verbunden haben.

Hintergrund
Pfingsten ist neben Ostern und Weihnachten das dritthöchste Fest im Kirchenjahr. Unter den christlichen Hauptfesten ist es zugleich das unbekannteste. Das hat seinen Grund auch darin, dass das Pfingstwunder vergleichsweise abstrakt daherkommt: Ist es zu Weihnachten das Kind in der Krippe und zu Ostern der auferstandene Jesus, der die Menschen zu Bildern und Geschichten anregte, so ist zu Pfingsten der Heilige Geist der Hauptakteur. Der Name des Festtages geht auf das griechische "pentekoste" (der Fünfzigste) zurück. Beschrieben ist das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte: Als sich die Jünger am 50. Tage nach der Auferstehung Jesu versammelten, kam der Heilige Geist wie mit Feuerzungen über sie und ließ sie in vielen Sprachen predigen. In der christlichen Tradition wurde Pfingsten zum Geburtstag der Kirche.

Umzug der Kinder mit der "Pfingstbraut" am Pfingstsonntag 1966 in Velen-Ramsdorf (Kreis Borken). Foto: LWL/Irmgard Simon
Umzug der Kinder mit der "Pfingstbraut" am Pfingstsonntag 1966 in Velen-Ramsdorf (Kreis Borken). 
Foto: LWL/Irmgard Simon
Autor:

Michael Menzebach aus Haltern

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