Guy de Maupassant : Der Ersatzmann oder Ein Pariser Abenteuer
Vorleser Michael van Ahlen servierte fünf Kabinettstücke der Erzählkunst

Der anhaltende Beifall des Publikums zeigte, dass Maupassants Novellen so jung, so aktuell sind wie eh und je. Dem brillanten Vorleser sei Dank! Foto: Michael A. Döring
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Haltern. Den großen Meister der kleinen Form, nämlich Guy de Maupassant (1850-1893), legte der Vorleser Michael van Ahlen seinem Publikum ans Herz. Der Protégé von Flaubert, der als einer der Väter der modernen Kurzgeschichte gilt, besticht noch heute mit seiner klaren Sprache, realistischen Darstellung menschlicher Leidenschaften sowie der Vielschichtigkeit der von ihm erforschten Figuren und Schicksale.

Es ist die dunkle Seite menschlicher Beziehungen, die er, ohne zu werten, beleuchtet: Habsucht, Neid und Triebhaftigkeit. Der bedeutende Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, weltläufige Journalist, Novellist und Romancier starb früh, zu früh - in geistiger Umnachtung. Ich bin in das literarische Leben eingetreten wie ein Meteor und mein Ausgang wird sein wie ein Donnerschlag, hatte er einmal gesagt. Innerhalb von nur 10 Schaffensjahren schrieb er sechs kurze Romane wie etwa „Bel Ami“, „Ein Leben“ oder „Das Fettklößchen“. Seine 300 Novellen hätten allerdings den Zeitrahmen dieser Lesung gesprengt“, scherzte van Ahlen und hatte sich nach der Qual der Wahl für fünf Kabinettstücke der Erzählkunst entschieden: Das Fäßchen (es geht wie so oft im Leben um Gier) , Eine Million (eine Schwanknovelle, die sich um eine Dreierbeziehung dreht), Im Wald (der rührende Versuch eines nicht mehr jungen Paars, in der freien Natur das Feuer seiner eingenickten Leidenschaft neu zu entfachen), Ein Pariser Abenteuer (pure Neugier zieht eine Frau aus der Provinz für ein paar Tage nach Paris, um die Begegnung mit dem Laster zu suchen)sowie Der Ersatzmann (Wie eine vermeintlich ehrbare alte Witwe zunächst mit einem Soldaten und später mit einem zweiten – dem Ersatzmann - ihre Einsamkeit doppelt lindert – an unterschiedlichen Tagen, versteht sich). Allesamt Geschichten, die ein getreues Spiegelbild der Gesellschaft aus der Zeit Maupassants sind. Er zeichnet Milieus, die bevölkert werden von Figuren so unterschiedlich wie Mitglieder der feinen Pariser Gesellschaft oder Kleinbürge, Schankwirte, Bauern, Beamte, Soldaten, Kurtisanen und Geistliche. Der anhaltende Beifall des Publikums zeigte, dass Maupassants Novellen so jung, so aktuell sind wie eh und je. Dem brillanten Vorleser sei Dank!
Im September wird die Lesung im Spieker fortgeführt. Dann gibt’s Nikolai Gogols „Die Nase“ auf die Ohren mit Michael van Ahlen und Jakob Eihof, Domra.

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